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01.08.2007

Der glorreiche Start

Der glorreiche Start

Es war eine unsichere Zeit. Seuchen überzogen Europa, die Religionskämpfe im Anschluss an den Kraftakt der Reformation führten mit dem Dreißigjährigen Krieg zu einer der bislang größten Katastrophen, die Europa erlebt hatte. Überall Schicksal und Tod, kein Wunder also, dass eine der Maximen des frühen Barocks lautete: "Alles ist eitel!", also vergänglich, und damit natürlich auch eine Form von Spiel auf der Lebensbühne, manchmal ein Drama, zuweilen eine Farce. Und da nun wiederum passte die Oper gut ins Konzept, als neue, vielseitige Musikgattung, die sowohl im höfischen wie im erstarkenden bürgerlichen Bereich ihr Publikum fand.

Der Barock wurde die Zeit der ersten großen Opernstars, von Claudio Monteverdi über Georg Friedrich Händel bis Jean-Baptiste Lully und Antonio Vivaldi. Daher widmet sich die sechste Folge der Focus Edition 400 Jahre Oper unter dem Titel "One Charming Night" auch ausführlich den Werken dieser produktiven eineinhalb Jahrhunderte. Die Künstler der späten Renaissance hatten den Blick weit in die Vergangenheit gerichtet. Das dunkle, als intrigant, verlottert und verkommen betrachtete Mittelalter sollte möglichst profund zugunsten eines neuen Menschenideals vergessen werden, das sich an den allerdings ebenso verklärten Idealen der griechischen Antike orientierte. In Italien fanden sich daher Gruppen wie die Camerata Fiorentina zusammen, die aus verschiedenen Perspektiven sich Gedanken machten, wie man denn sinnvoll diese Verbindung schaffen könne.

Mit Rekurs auf antike Traditionen forderte man unter anderem, die Monodie, also den einstimmigen Gesang im unterschied zur vorherrschenden Renaissance-Polyphonie, einzuführen. Der junge Komponist Claudio Monteverdi schritt zur Tat und schuf den 1607 im Palazzo Ducal von Matua uraufgeführten "L'Orfeo". Und er stellte nicht nur die Monodie in den Mittelpunkt, sondern kontrastierte die einstimmigen Arien auch mit Chorpassagen, Duetten, Terzetten und weiteren auflockernden Momenten, so dass aus der Geschichte des Orpheus, der in der Unterwelt mit Hilfe seines Gesangs seine Gattin befreit, ein abwechslungsreiches Bühnendrama wurde, das als einer Art Initialzündung der frischen Gattung "Opera" (lat. "Arbeit") fungierte. Bis hin zu seinen Spätwerken wie "L'Incoronazione di Poppea" (1643) feilte er weiter an seiner Tonsprache - und wurde nach seinem Tod umgehend vergessen.

Der Grundstein allerdings war gelegt, die Oper entwickelte sich weiter, in Italien mit barocken Meistern wie Antonio Vivaldi, der nicht nur ein brillanter Geiger und produktiver Komponist von Concerti Grossi war, sondern nach eigenen Angaben 94 Opern geschrieben haben will, wovon allerdings nur ein Bruchteil bislang ediert ist. In Frankreich avancierten die Bühnenspiele unter der Ägide des Sonnenkönigs Ludwig XIV zu höfischen Repräsentierkünsten und fanden in Komponisten wie dem Vater der französischen Oper Jean-Baptiste Lully und dessen genialen Epigonen Jean-Philippe Rameau klangmächtige Gestalter der absolutistischen Herrschaftsidee. Im freiheitlicheren England hingegen schaffte es der Kosmopolit Georg Friedrich Händel, zum ersten wirklichen Superstar des Genres aufzusteigen. Denn in der Kulturmetropole London begeisterte er über Jahrzehnte hinweg ein unterhaltungswilliges bürgerlich-aristokratisches Publikum, dem er mit fast vierzig Klassikern der Musikbühnen viel Gelegenheit gab, sein Schaffen zu bewundern.

Die Werke von Georg Friedrich Händel sind bis heute die Kassenschlager der Barockoper, aufgrund ihrer Vielfalt und dem prägnant wirkungsvollen Einsatz der dramaturgischen Mittel. So nehmen sie auch einen wichtigen Teil der Doppel-CD "One Charming Night" ein, mit der sich die Focus Edition 400 Jahre Oper der Barockepoche zuwendet. Mit dabei sind Arien aus Werken wie "Giulio Cesare", "Semele", "Serse", "Floridante", "Ariodante", "Alcina", "Scipione", "Hercules", "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno" und "Rodelina", die drei weniger bekannten Opern des italienischen Kollegen Antonio Vivaldi gegenüber gestellt werden. Die französischen Schule ist mit Jean-Baptiste Lullys "Xerxes", "Acis et Galatée" und "Armide" und Jean-Phillipe Rameaus "Hipolyte et Aricie" und "Dardanus" vertreten. Der Urheber des Trends Claudio Monteverdi wird mit Melodien aus dem "L'Orfeo" und der "L'Incoronazione del Poppea" gewürdigt und zu Abrundung findet Henry Purcell noch einen Platz auf dem Sampler mit Arien unter anderem aus "Dido and Aeneas". Unter den Stars der Interpreten, die in diese Runde mit von der Partie sind, finden sich Anne Sofie von Otter, Magdalena Kozena, Cecilia Bartoli, Renée Fleming, Andreas Scholl und Fritz Wunderlich, außerdem zahlreiche renommierte Ensembles des Alten Musik von der Musica Antiqua Köln (Leitung: Reihard Goebel) und der Musiciens du Louvre (Leitung: Marc Minkowski) bis hin zum Monteverdi Choir und den Engish Baroque Solists unter der Ägide von Sir John Eliot Gardiner. Eine vorzügliche Sammlung also und unterhaltsam mit jeder Note.