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11.07.2007

400 Jahre Oper: Prinz und Prinzessin

400 Jahre Oper: Prinz und Prinzessin

Georg Friedrich Händel gehörte zu den Opernstars des Barocks, wurde gefeiert und versorgte im Gegenzug sein Publikum mit immer neuen musikalischen Einfällen. Allerdings hatte auch er zuweilen mit den Problemen des künstlerischen Alltags zu kämpfen. Dazu gehörten neben den Intrigen an den Opernhäusern vor allem Krankheiten und Umbesetzungen der Solisten, die ihn ursprünglich geplante, auf bestimmte Sänger zugeschnittene Partien umgestalten ließen. So gibt es von der Oper "Floridante" insgesamt vier verschiedene Versionen, mit dem Ergebnis, dass es schließlich keine Fassung, die dem Komponisten wirklich gefiel. Der Dirigent und Musikwissenschaftler Alan Curtis hat daher das Wagnis unternommen, nach den vorliegenden Erkenntnissen seiner Zunft eine nahezu ideale Version von "Floridante" zu destillieren, die er mit dem Ensemble I Complesso Barocco präsentiert hat. Und für die Titelpartie hatte er mit der Sopranistin Marijana Mijanovic eine Künstlerin gefunden, die der männlichen  Hauptrolle zu einem besonderen, vieldeutigen Reiz verhalf, der auf der Zusammenstellung "400 Jahre Oper" nicht fehlen darf.

Bis 1720 sah es für Händels Karriere sehr gut aus - bis sich die Gönnerstruktur im Hintergrund seiner Tätigkeit als Hauskomponist des Londoner Operntheaters veränderte und außerdem mit Giovanni Bononcini ein Konkurrent auf der Szene erschien, dessen italienisch geprägten Singspiele dem Publikum durchaus gefielen. Außerdem wurde ihm der feingeistige Paolo Antonio Rolli als Librettist angedient, der zwar gerne, aber wenig bühnentauglich dichtete. Schließlich wurde im Herbst 1721 auch noch Händels bevorzugte Solistin Margherita Durastanti krank, für die er in seiner Oper "Floridante" eigentlich die zentrale Rolle der Elmira vorgesehen hatte. Also musste umgeschrieben, bearbeitet, vereinfacht werden, zuungunsten des musikalischen Materials. Den Händel-Spezialisten Alan Curtis wurmte diese Reduktion bereits in den frühen Neunzigern derart, dass er das Experiment einer Synthese einzelner Fassungen wagte. Daraus entwickelte er schließlich eine komplette Partitur, nach der nun die Neueinspielung der Oper "Floridante" verwirklicht wurde. Curtis und das Ensemble Il Complesso Barocco nahmen das Werk im Herbst 2005 in der Kirche San Silvestro im toskanischen Viterbo auf, gemeinsam mit einem Stab versierter Solisten. 
 
Für die zentrale Rolle der Elmira wurde Joyce DiDonato ausgewählt, für den persischen König Oronte  konnte Vito Priante gewonnen werden und den Prinzen von Thrakien Floridante übernahm Marijana Mijanovic, eine der neuen großen Stimmen am Firmament der Alten Musik. Geboren im ehemaligen Jugoslawien, wandte sie sich zunächst einem Klavierstudium an der Belgrader Musikakademie. Nach dessen Abschluss wechselte sie zum Gesang an das Konservatorium Sweelinck in Amsterdam. Sie gewann internationale Wettbewerbe wie die "National Competition for Young Singers" oder auch den Prix Jeunesse beim Internationalen Opernwettbewerb im Concertgebow Amsterdam. Ihren Durchbruch in der internationalen Wahrnehmung schaffte Marijana Mijanovic als Preisträgerin des Festivals d'Aix-en-Provence 2000 mit der Partie der Penelope in Monteverdis "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" und dem Ensemble Les Arts Florissants unter der Leitung von William Christie. Solchermaßen als Spezialistin für Barockrepertoire ausgewiesen, entschied sich auch Alan Curtis für die Newcomerin, als es galt, für die markante Rolle des Prinzen Floridante eine herausragende Stimme zu finden. So kann sie nicht nur in der im September 2005 im toskanischen Viterbo entstandenen Gesamteinspielung des Werks, sondern auch in der Kompilation 400 Jahre Oper mit der Arie "Bramo te sola" brillieren.