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27.06.2007

Wagner kompakt

Wagner kompakt

Es muss für jeden Opernspezialisten eine besondere Herausforderung sein, eine Doppel-CD mit Werken von Richard Wagner zusammenzustellen. Denn wo soll man anfangen bei einem Oeuvre, das die große Form, den Spannungsbogen über mehrere Stunden hinweg liebt? Für die fünfte Folge der Focus Edition 400 Jahre Oper, die sich unter dem Titel "Die Frist ist um" mit der Opernwelt von Richard Wagner auseinandersetzt, war daher vor allem die Kunst des Weglassens gefragt, des sinnvollen Redu- zierens der Fülle auf einen repräsentativen Kern. Und wie schon in den vorangegangenen Folgen ist es dem Team der Universal Classics & Jazz gemeinsam mit der Kulturre- daktion des Magazins Focus gelungen, das Wesentliche von Wagners Schaffen auf engem Raum zu versammeln.

Richard Wagner kann man nur schwer verstehen, wenn man die unmittelbaren historischen Hintergründe nicht kennt, die den Diskurs seiner Zeit bestimmten. Ein großer Teil seiner Opern entstand in einer Phase vor der von Bismarck vorangetriebenen Reichseinigung von 1870/71, ja zum Teil noch vor den wegweisenden Ereignissen der Nationalbewegung von 1848, die von der Restauration im Sinne des Konservativen, royalistischen Denkens entschieden wurde. Um das deutsche Kleinstaatsgewirr entstanden wie in Italien so genannte Nationalstaaten. In ganz Europa hofften die Menschen, den Irritationen der fortschreitenden Aufklärung und der Industrialisierung mit festen nationalen Territorien begegnen zu können, eine Denkweise, die nicht zuletzt einige Jahrzehnte später zur Katastrophe von 1914 führt. Jedenfalls war auch Richard Wagner eingebunden in diese schwelende und latent gegenwärtige Diskussion, zumal er durch seinen Gönner Ludwig II von Bayern klar sich im royalistischen Lager positionierte.

So erklären sich auch die sinnstiftenden Elemente in seinen Opern, etwa der aus dem nichts erscheinende Ritter im "Lohengrin", der sich für die schöne Elsa in den Kampf werfen soll. Oder der Rückgriff auf die Vergangenheit, wenn in den "Meistersingern" die spätmittelalterichen Zünfte und deren Tradition bemüht werden. Oder auch die Verklärung der vermeintlich deutschen Landschaft etwa im "Rheingold" mit der Mythifizierung des Schicksalsstroms.
 
Aber nicht nur das. Wagner war nicht nur ein versierter Codierer des Diskurses in großen Bildern und Klängen, sondern ein unterhaltsamer Bühnenautor, der mit dem "Fliegenden Holländer" eine dramatische Liebesgeschichte mit ein wenig Geisterstunde oder eben in den "Meistersingern" mit der Figur des Beckmessers eine pointierte Parodie auf das Kleinbürgerliche zu schaffen verstand. Und natürlich war er ein visionärer Komponist, der wie kaum ein anderer seiner Zeit es schaffte, mit den Mitteln eines großen Orchesters und theatralischen Ensembles umzugehen. Die Folge fünf der Focus Edition 400 Jahre Oper "Die Frist ist um" kann daher aus den Vollen schöpfen und tut es mit der Begeisterung für das dramatische und pathetische Moment. Der Bogen spannt sich vom "Fliegenden Holländer", dem "Tannhäuser" und "Lohengrin" zu "Tristan und Isolde", verweilt als retadierendes Moment bei den "Meistersingern", um schließlich in die "Ring"-Folgen der "Rheingolds", der "Walküre" und des "Siegfrieds" bis zur "Götterdämmerung".

Dabei kann sie im Besonderen auf das Repertoire der opernerfahrenen Deutschen Grammophon und Decca zurückgreifen, das zahlreiche großartige Aufnahmen von Wagners Werken zu bieten hat. Dirigenten von Karl Böhm über James Levine, Sir Georg Solti und Carlos Kleiber bis hin zu Christian Thielemann leiten die Orchester etwa der Met, der Wiener Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin oder auch der Bayreuther Festspiele und bieten damit die Basis für die großartigen Sänger und Sängerinnen der vergangenen Jahrzehnte: Birgit Nilsson und Christa Ludwig, Kirsten Flagstad und Brigitte Fassbaender, Leonie Rysanek und Margret Price wie auch Ben Heppner und Bryn Terfel, René Kollo und Dietrich Fischer-Dieskau, Placido Domingo und Kurt Moll. So gelingt es der Folge fünf tatsächlich, ein prägnantes Schlaglicht auf die Opernwelt von Richard Wagner zu werfen und damit eine Fährte in einen künstlerischen Kosmos zu legen, die auch nach 150 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat.