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27.06.2007

400 Jahre Oper: Treffen der Stars

400 Jahre Oper: Treffen der Stars

Für die Kunst hat die Globalisierung viele positive Seiten. Denn war es früher eher schwierig für jemanden, der nicht in den Zentren der Hochkultur lebte, international wahrgenommen oder vielleicht sogar berühmt zu werden, steht es inzwischen Talenten aus aller Welt frei, an die Spitze der musikalischen Elite zu gelangen. Juan Diego Flórez zum Beispiel stammt aus Peru, Anna Netrebko wiederum aus der russischen Provinz und beide habe sich während der vergangenen Jahren zu den Stars des Business empor gesungen. Mit Recht, wie man ihren Beiträgen zu dem Sampler "400 Jahre Oper" entnehmen kann, denn sowohl Rossini als auch Mozart dürfen sich durch diese Interpretationen geehrt fühlen.

Juan Diego Flórez hatte Glück. Am 13. Januar 1973 kam er im peruanischen Lima zur Welt und wurde in eine musikliebende Familie hineingeboren. Sein Vater war Sänger, spezialisiert auf einheimische Walzer, und er schaffte es, seine Begeisterung an den Buben weiter zu geben. Als der Sprössling 15 war half ihm der nächste Zufall. An seine Oberschule wurde ein Musiklehrer versetzt, der das Talent des jungen Mannes erkannte und ihn an das Konservatorium empfahl. Dort wiederum wurde er an Tenor Andrés Santa Maria weitergereicht, der ihn drei Jahre lang unterrichtete und ihm eine Stelle beim Nationalchor verschaffte. So wuchs in kurzer Zeit nicht nur Flórez stimmliche Kompetenz, sondern auch sein Repertoire. Die Natur verschonte ihn währenddessen mit den Härten des männlichen Stimmbruchs und ließ seine Stimme kontinuierlich tiefer werden. Ein Stipendium brachte ihn für drei Jahre an das Curtis Institute von Philadelphia. Im Jahr 1994 lernte er im Urlaub Ernesto Palacio kennen, der ihn als alter Hase des Geschäfts in die Geheimnisse der Atmung einweihte, dem Novizen kleinere Auftritte bei Plattenaufnahmen verschaffte und ihn nach Italien mitnahm.

In Pesaro sprang Flórez 1996 im letzten Moment für einen Kollegen ein und übernahm die Rolle des Corradino in Rossinis Matilde di Shabran. Das Publikum war überrascht, begeistert. Es sprach sich herum, dass es einen neuen lyrischen, stellenweise anmutigen Tenor gab, der auch vor kaum bekannten Partien nicht zurückschreckte. Daraufhin sang Flórez beim Wexford Festival, kurze Zeit später in Mailand, London, schließlich 2002 in der Covent-Garden-Produktion von Bellinis "La Sonnambula". Und sein Debüt-Album Rossini Arias geriet gar zum Überraschungserfolg der Saison. Seitdem mischt Flórez in der ersten Liga mit und kann sich sogar an ein Sujet wagen, dass bereits reichlich künstlerische Reife voraussetzt. Denn mit dem im August 2007 erscheinenden Album "Arias for Rubini" verneigt er sich vor einer der Legenden seines Zunft, dem großen Giovanni Battista Rubini, dem im 19.Jahrhundert die Operwelt zu Füßen lag. Gioacchino Rossinis "Corriam! Voliam!" aus dem "Gugliemo Tell" ist ein famoser Vorgeschmack darauf.