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20.06.2007

400 Jahre Oper: Zauber des Barocks

400 Jahre Oper: Zauber des Barocks

Bald nachdem Claudio Monteverdi mit seinem "L'Orfeo" der neuen Gattung Oper den entscheidenden Impuls gegeben hatte, entwickelte sie sich bereits zu einer gereiften Kunstform, die die Menschen des Barocks zu Tränen rühren oder euphorisieren konnte. Denn die Epoche hatte mit Komponisten wie Georg Friedrich Händel oder Antonio Vivaldi Koryphäen ihres Fachs zu bieten, die dem Gesang neue Dimensionen gaben. So gehören diese Meister selbstverständlich auf eine Kompilation wie 400 Jahre Oper, die mit einzelnen Arien aus dem reichhaltigen Programm der Deutschen Grammophon, der Decca und deren Schwesterlabels einen Weg in die Welt der betörenden Melodien weisen will. In diesem Fall sind es zwei ungewöhnliche Künstler, die für die Sparte der barocken Kunst stehen: der Countertenor Russell Oberlin und die Sopranistin Simone Kermes.

Russell Oberlin (Bild) gehört zu den Pionieren des modernen Falsettgesangs. Seine musikalische Ausbildung führte ihn als jungen Mann an die Juilliard Scholl in New York, von wo aus er 1951 mit einem Diplom in die Welt geschickt wurde. Fasziniert von Alter Musik gehörte er bereits im folgenden Jahr zu den Gründungsmitgliedern einer Gruppe namens New York Pro Musica Antiqua, die sich vor allem mit Renaissance- und Barockrepertoire befasste. Innerhalb kurzer Zeit schaffte es Oberlin innerhalb dieser Künstlergruppe und darüber hinaus als einer der zentralen Countertenöre wahrgenommen zu werden, die die Szene damals zu bieten hatte. Dazu trugen nicht zuletzt auch Aufnahmen mit Händel-Arien aus "Rodelinda", "Radamisto", "Israel in Ägypten", "Muzio Scaevola" und dem "Messias" bei, die sich mit damals unüblicher Ernsthaftigkeit dem männlichen Alt- und Sopranfach widmeten.

Der Rezensent Joshua Cohen brachte seine Bedeutung für das Magazin International Classical Record Collector retrospektiv auf den Punkt: "Seine Platten sind einzigartig unter der Vielzahl einschlägiger Veröffentlichungen, besonders sensationell ist das Händel-Album, eine Sammlung von Arien, die für Alt-Kastraten oder weiblichen Mezzo-Sopran geschrieben wurden. Es war eine Glanzleistung von Oberlin ... eines der faszinierendsten Zeugnisse stimmlicher Homogenität auf Schallplatte". Und sie sind auch deshalb Raritäten, weil Oberlin sich nach den anfänglichen Erfolgen schnell rar machte. Bereits im Alter von 36 Jahre zog er sich von der Bühne zurück und konzentrierte sich bis zu seiner Emeritierung als Professor am Hunter College in New York auf die Lehre. Umso faszinierender ist seine Aufnahme von "How Beautiful Are The Feet" aus dem Album "Händel Arias", die zwar bereits im Jahre 1959 entstand, dafür aber vieles von dem vorwegnahm, was erst seit den Siebzigern sich an Ausdrucksstandard in der Szene der Alten Musik zu etablieren begann.

Motetten gelten heute häufig als Synonym für geistliche Vokalstücke des Barocks im Allgemeinen. In ihrer Zeit allerdings hatten diese Lieder eine deutlich spezifizierte Funktion als musikalische Intermezzi im liturgischen Zusammenhang. Andrea Marcon und sein Venice Baroque Orchestra forschten in der einschlägigen Archiven, sichteten reichlich Vorlagen dieser musikreichen Jahre, um daraus ein Programm mit Motetten von Antonio Vivaldi zusammenzustellen.

Gemeinsam mit der Sopranistin Simone Kermes entstand das Album "Amor Sacro" mit Kompositionen, die von 1713 an niedergeschrieben worden waren und nun in ihrer ganzen Pracht wieder erstrahlen. Es basiert auf einer profunden und vielschichtigen Zusammenarbeit ausgezeichneter Spezialisten, die ihre ganze Erfahrung in die Interpretation der vier Motetten "In furore iustissimae irae" (RV 635), "Nulla in mundo pax sincera" (RV 630), "In turbato mare irato" (RV 627) und "Sum in medio tempestatum" (RV 632) des venezianischen Meisterkomponisten legen können, den man wegen seines hitzigen Temperaments auch prete rosso, den "roten Priester" genannt hatte.

Die von 1713 bis in die 1730er Jahre hinein entstandenen Werke zählen zu den Raritäten im Vivaldi-Katalog, zeigen aber in der Interpretation durch Simone Kermes und das Venice Baroque Orchestra, dass in ihnen die ganze dramatische Kraft und zeitlose Eleganz der Musik dieser Jahre verborgen ist. Für die Zusammenstellung 400 Jahre Oper haben die Spezialisten die Motette "In furore iustissimae irae" ausgewählt, die sowohl Simone Kermes lupenreinen Sopran wie auch die Spielkompetenz des Ensembles eindrucksvoll dokumentiert.