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20.06.2007

Ein Stück Geschichte

Ein Stück Geschichte

Heute wundert sich niemand mehr, wenn klassische Künstler in großen Arenen auftreten und mit ihren Konzerten die Menschen zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Anno 1990 allerdings war das noch ein Experiment, denn die Oper hatte sich bis dato ebenso selten wie andere große Konzertprogramme aus den Traditionssälen heraus gewagt - sieht man mal von Sonderfällen wie in der Arena von Verona oder manchen Festivals ab. So war es ein Experiment, als José Carreras, Plácido Domingo und Luciano Pavarotti sich auf der Open-Air-Bühne in den römischen Caracalla-Thermen einfanden, um für ein ausgewähltes Publikum einen Gala-Abend zu singen.

Allerdings war man guter Dinge, dass das Konzept auch aufgehen würde, denn an diesen Abend waren weltweit rund 800 Millionen Zuschauer über eine internationale Fernsehübertragung angeschlossen. Und es wurde ein Erfolg, der nun in der edlen Edition "The Original Three Tenors Concert" einschließlich des ausführliche Making Of's' mit dem Titel "The Impossible Dream" auf DVD erhältlich ist.

Allerdings konnte niemand ahnen, welche Kreises dieses Konzert noch ziehen würde. Da war zunächst das enthusiasmierte Publikum des Abends selbst, dessen euphorische Stimmung sogar die solchen Mega-Events eher skeptisch gegenüberstehende Presse mitriss. Natürlich gaben die Künstler ihr Bestes, schließlich erreichten sie mit diesem Ereignis eine potentielle Zuhörerschaft, die keine Oper bieten konnte. Das Team war auch hervorragend, denn Carreras, Domingo und Pavarotti wurden souverän von einem gewaltigen, 200-Mann starken Ensemble begleitet, das sich aus dem Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino und dem Orchestra del Teatro Dell'Opera di Roma unter der erfahrenen Leitung von Zubin Mehta zusammensetzte.

Die Kulisse war mit Bedacht ausgewählt worden und bot mit den römischen Caracalla-Thermen einen reizvollen Hintergrund für die Veranstaltung. Sogar das Wetter spielte mit, nicht ein Wölkchen war am Himmel und die Sterne funkelten romantisch. Trotzdem war das Konzert am 7.Juli 1990 ein Wagnis. Denn der ganze Aufwand hätte auch umsonst gewesen sein können, wäre es den drei Tenören nicht gelungen, die Menschen mit den Musik von Meyerbeer bis Puccini und Léhar bis Verdi von den Sitzen zu reißen. Tatsächlich aber geschah das Unglaubliche und Erhoffte. Die Melodien packten die Zuhörer, der Abend wurde ein gewaltiger Erfolg und darüber hinaus der Startschuss für einen neuen, breitentauglichen Umgang mit den musikalischen Erbe. Die Fernsehaufzeichnung entwickelte sich zum Dauerbrenner der TV-Programme, die Beliebtheit der zur Marke herangereiften Drei Tenöre übertraf noch die von Rock- und Popkollegen.
 
Die Begeisterung war so immens, dass vier Jahre später ein ähnliches Programm live präsentiert wurde, dessen Ausstrahlung mit dem Tag des Finales der Fußballweltmeisterschaft in Los Angeles 1994 zusammenfiel und noch mehr Publikum erreichte. Von da an gab es kein Halten mehr. Die Tenöre waren Superstars und ließen sich mit einer ausgiebigen Welttournee durch Asien, Europa, Australien und Amerika feiern. Der Auslöser aber war noch immer jener magische Abend in Rom, der zum Glück nicht nur in die Welt übertragen, sondern auch für die Nachwelt festgehalten wurde. Er ist nun auf der Deluxe-DVD "The Original Three Tenors Concert" erhältlich und wird dabei außerdem durch einen aufschlussreichen Film über Vorbereitung und Wirkung dieses Events ergänzt.

Die Making-Of-Doku trägt den Titel "The Impossible Dream - The Concert In The Making" und führt in zwei Dutzend Kapiteln durch die Historie dieses Abends. Interviews mit den Künstler und den Produzenten hinter den Kulissen dokumentieren die minutiöse Vorbereitung des Ereignisses, die ausführlichen Diskussionen um Inhalte und Programm, Proben und Orchestermomente, den technischen Aufwand dieser Mammutproduktion, aber auch die glücklichen Augen der Beteiligten, als sie merkten, dass das Vorhaben nicht nur gelang, sondern auch ein Stückchen Musikgeschichte schreiben würde. Durch das Programm des Making Ofs führt der bekannte englische Schauspieler Sir Derek Jacobi, so dass ein zusätzliches, elegant kommentiertes Hintergrundbild des legendären Abends entsteht, das die Voraussetzung für dessen Einzigartigkeit und auch ein wenig für den Erfolg der Drei Tenöre enthüllt. Ein spannendes Kompendium, sowohl das Konzert selbst, als auch das Drumherum.