Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

13.06.2007
Claudio Abbado

Claudio Abbado - Mozart, Die Zauberflöte

Claudio Abbado, Claudio Abbado - Mozart, Die Zauberflöte

Man möchte ja nicht meinen, dass es bei Werken wie Mozarts "Zauberflöte" immer noch etwas zu entdecken gäbe. Und doch scheinen manche Künstler näher  als andere am Puls der Kompositionen zu sein. Als Claudio Abbado im Spätsommer 2005 am Teatro Comunale in Modena die berühmte Oper dirigierte, schaffte er es mühelos, die internationale Presse zu begeistern. Es sei ein triumphaler Erfolg, eine Aufführung, die auch weit über das Mozartjahr hinaus in Erinnerung bleibe, konnte man hierzulande in den Feuilletons lesen. So lohnt es sich im Anschluss an die zahlreichen Jubelfeiern, die Aufnahme dieser hoch gelobten Aufführungen in Erinnerung zu rufen. Denn sie zeigt, wie man das tausendmal gespielte Werk mit zeitgemäßer Verve präsentieren kann.

Zum einen sind es die Tempi. Claudio Abbado verordnet dem Mahler Chamber Orchestra eine rasante  Tour durch die Möglichkeiten der Spannungsgestaltung. Mit der Souveränität der jahrzehntelangen Erfahrung mit den unterschiedlichsten Musikformen geht er das klassischste der Singspiele mit dem Feingefühl für die optimale Tempomaße und die passende Farbgebung an. Das hat Größe und ermöglicht den Sängern und Sängerinnen, ebenfalls mit verblüffender Präzision sich ihren doch zum Teil sehr humoresken Rollen zu widmen. Vielleicht hatte Mozart überhaupt eine derart schmissige Umsetzung im Kopf gehabt, schließlich war die "Zauberflöte" ja für ein breites und nicht fachkundiges Publikum konzipiert worden.

Der Auftrag stammte von Emanuel Schikaneder, einem langjährigen Bekannten des Komponisten aus der Zeit, bevor er sich in Wien niedergelassen hatte. Damals war der Kollege Leiter eines Wandertheaters, das sich vor allem durch spektakuläre Inszenierungen mit allerlei Klamauk einen Namen gemacht hatte. Inzwischen jedoch war Schickaneder sesshaft geworden, weil ihm die Stadt Wien es gestattet hatte, vor ihren Toren eine eigene Spielstätte einzurichten. Die nun wiederum brauchte Input in Form neuer Stücke und so kam es zu der Zusammenarbeit mit Mozart, der Anfang der 1790er Jahre zu einem der bekanntesten Singspielkomponisten im Lande avanciert war. Er hatte bereits zwei Opern in deutscher Sprache unter die Leute gebracht, die "Entführung aus dem Serail" und den "Don Giovanni", was sich wiederum mit den Ansprüchen des nicht nur aus Bügerlichen und Hofaristokratie bestehenden Publikums in Schikaneders Freihaustheater an den Wieden in Einklang bringen ließ.
 
So entstand die "Zauberflöte" in enger Zusammenarbeit, wobei das Libretto durchaus den Vorstellungen des unterhaltungsfreudigen Wiens entsprach. Da gab es Zaubergestalten und Helden, Exotismus und Leidenschaft, Schwank und Läuterung, aber auch eine einfache Ethik nach dem Schema 'Gut besiegt Böse durch Tugend'. Das wiederum passte auch zur der auf Toleranz und Humanität basierenden Geisteshaltung der Bruderschaft der Freimaurer, zu der sich Mozart zählte. So waren die Voraussetzungen gut, dass aus dem neue Stück ein Hit werden konnte. Die Uraufführung der "Zauberflöte" fand am 30. September 1791 statt. Die Oper wurde mit wachsender Begeisterung aufgenommen und entwickelte sich zu einem Stück clever verpackter musikalischer Aufklärung in Form eines "allumfassenden Welttheaters", vollgepackt mit Melodien, die den Zuhörern nicht mehr aus dem Sinn gingen.

Auch der Mailänder Maestro Claudio Abbado konnte sich dem Charme dieses Stücks nicht entziehen, obwohl er erst spät damit vor die Mikrofone trat. Für die Aufführungen am Teatro Comunale in Modena griff er auf die Autographen der Oper zurück und versuchte, sich auf dem neuesten Stand der Mozart-Forschung möglichst exakt an die historischen Vorgaben zu halten. Sein Ansatz ist kraftvoll und dynamisch, das Tempo ausgewogen, das Mahler Chamber Orchestra und der Arnold Schoenberg Chor werden von ihm mit viel Vehemenz bei gleichzeitiger Liebe für die Details angeleitet. Darüber hinaus standen ihm versierte und anerkannte Solisten zur Seite. Die beiden konkurrierenden magischen Gestalten werden von Erika Miklosa (Königin der Nacht) und René Pape (Sarastro) gesungen. Für das tugendhafte Aristokratenpärchen konnten Dorothea Röschmann als Pamina und Christoph Strehl als Tamino gewonnen werden. Der burleske und komische Part wurde wiederum von Julia Kleiter (Papagena) und Hanno Müller-Brachmann (Papageno) übernommen. Insgesamt ergab das ein Mischung, die ausführlich von der internationalen Presse gefeiert wurde. So konnte man beispielsweise im britischen Guardian lesen: "Abbados Darstellung ist, einfach gesagt, faszinierend. Sie ist derart erfüllt von musikalischem Verständnis und Opernerfahrung, dass jeder Takt perfekt platziert und jedes Detail ideal ausgeleuchtet zu sein scheint."