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06.06.2007

Gogols Rätsel

Gogols Rätsel

Indien ist ein Land der Geheimnisse, nicht nur für den Rest der Welt. Auch für die Menschen vor Ort und für die, die dessen Kultur entwachsen sind, gibt es vieles, was sich nur mühsam dem eigenen Verständnis erschließt. Zumindest geht es Gogol so, dem Sohn indischer Amerikaner, der sich zwischen zwei Welten hin- und her gerissen fühlt. Er ist der Protagonist von "The Namesake", dem neuen Film von Mira Nair ("Vanity Fair", "Monsoon Wedding"), und erlebt über zwei Stunden hinweg ein Wechselbad der Gefühle, das ihn als Kind zweier Kulturen an die Grenzen seiner Persönlichkeit führt. Und das die Regisseurin auch dazu inspirierte, einen Soundtrack der Gegensätze zu gestalten.
 

Es beginnt mit einem Unglück. Durch viele Zufälle überlebt der junge Ashoke ein Zugunglück in seiner indischen Heimat und sieht diese Fügung als ein Zeichen, es in der Ferne zu versuchen. Er wandert in die USA aus, studiert dort, kehrt aber zur Brautsuche nach Indien zurück. Dort findet er Ashima, die ihm bald darauf nach New York folgt. Zwei Kinder werden geboren, ein Mädchen und ein Junge, und der wiederum bekommt von seinen Eltern den ungewöhnlichen Namen Gogol, als Reminiszenz an den russischen Autor Nicolai Gogol. Im Alltag wird er zwar Nick gerufen, trotzdem aber bleibt es für ihn  ein Rätsel und eine Herausforderung, mit diesen beiden Persönlichkeitsaspekten umzugehen.

Gogol und seine Schwester jedenfalls entwickeln sich als typische Großstadtamerikaner, sind wenig begeistert von den Familienfesten in Kalkutta, werden aber in von ihrer Umgebung trotzdem als Inder gesehen. So kommt es unweigerlich zum persönlichen Kulturenkonflikt, als Gogol die vermögende Mitstudentin Maxine kennen- und lieben lernt, die wiederum sich brüskiert fühlt, als Ashoke stirbt und sich dessen Sohn mit einem Mal der indischen Tradition deutlicher als zuvor verpflichtet fühlt. Für Gogol ist dieser Moment ein in vieler Hinsicht zentrales Ereignis, weil er damit nicht nur seinen Vater verliert, sondern dieser ihm auch das Geheimnis seines Names offenbart. Denn ohne das Büchlein des Russen Gogol hätte er einst das Zugunglück nicht überlebt und die ganze Familie würde nicht existieren.
 
"The Namesake", der ihn der deutschen Kinofassung den Zusatztitel "Zwei Welten - Eine Reise" trägt und dieser Tage in die Kinos kommt, ist ein Film der großen Bilder. Und es ist Mira Nairs bislang persönlichstes künstlerisches Statement. Selbst seit langem in Amerika zu Hause, weiß sie um die Konflikte, die in Kulturmigranten vor sich gehen, und schafft es, sie mit Poesie, aber ohne Sentimentalität abzubilden. Einen wichtigen Teil zum in sich stimmigen Gesamteindruck leistet über die hervorragenden Schauspieler (Kal Penn, Tabu, Irrfan Khan, Jacinda Barrett, Zuleikha Robinson) hinaus auch die clevere Auswahl der Musik, die unter der Leitung des der Asian Underground-Szene entwachsenen Briten Nitin Sawhney entstand. Erfahren im Umgang mit der internationalen Weltmusik durch seine Zusammenarbeit mit Kollegen von Sting und Paul McCartney bis Talvin Singh und Cheb Mami hat er selbst zahlreiche Kompositionen zum Soundtrack von "The Namesake" beigetragen und mit Musik von traditionellen Klängen Geeta Dutts über Lakhan Das bis hin zum Großstadt-Rap von The Elements and Mykill Miers verknüpft. So entsteht ein vielfarbiges Klangbild, das nicht nur kontrapunktisch die Bildeindrücke ergänzt, sondern selbst bereits ein Ausdruck der Pluralität der Einflüsse ist, die den besonderen Reiz von Mira Nairs Filmwelt ausmacht.