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23.05.2007
Jessye Norman

Frühlingserwachen

Jessye Norman, Frühlingserwachen

Inzwischen kann die Reihe Originals sich manchen Superlativ auf die Fahne schreiben. Denn die Wiederveröffentlichungsserie aus dem Hause der Universal hat sich über die Jahre hinweg zu einer der erfolgreichsten CD-Editionen des klassischen Marktes überhaupt entwickelt. Das liegt nicht nur an der sorgfältigen Präsentation, sondern vor allem an den herausragenden Aufnahmen aus den Beständen Deutschen Grammophon, Philips und Decca, auf die sich die Originals stützen können. In diesen Tagen nun geht es weiter mit einer neuen Runde berühmter Einspielungen von Antal Dorati bis Jessye Norman und Monterrat Caballé bis Sir Georg Solti.

Ursprünglich wollte Antal Dorati Komponist werden und nebenbei ein wenig zu dirigieren. Die Wirklichkeit des Musikbetriebes aber vertauschte diese Rollen. Mit einer Diskographie von mehr als 600 Titeln schlägt Dorati selbst Plattenprofis wie Sir George Solti und dürfte seinen Platz an der Spitze der Dirigenten sicher haben. Geboren in Budapest als Sohn eines Cellisten und einer Klavier- und Geigenlehrerin, entwickelte er vergleichsweise spät akademisches Interesse an Musik. Erst mit 14 Jahren trat er in die Musikakademie ein, wurde dann aber schnell zu einer ihrer gelehrigsten Schüler. Er hatte Unterricht bei beeindruckenden Zeitgenossen wie Béla Bartók und Zoltán Kodály, lernte Cello, Klavier, Komposition und Orchesterleitung und schaffte daraufhin das Kunststück, mit 18 Jahren zum jüngsten Kapellmeister in der Geschichte der Budapester Oper ernannt zu werden. Dort sammelte er viele Erfahrungen, wie etwa mit der ungarischen Erstaufführung von Stravinskys "Der Gesang der Nachtigall", gab aber die Stelle auf, um als Assistent von Fritz Busch nach Dresden zu gehen. Nach einem Zwischenspiel als Kapellmeister in München ging er nach Monte Carlo und leitete dort die Ballets Russes.

1941 schließlich zog er nach New York, arbeitete zunächst als Musikdirektor des American Ballet Theatre, dann als freier Dirigent mit verschiedensten Verpflichtungen und entwickelte sich schnell zu einem der Stars des internationalen Musikbetriebs. Und er pflegte seine Vorliebe für möglichst perfekte akustische Darstellungen seiner Kunst gemeinsam mit den Hifi-Spezialisten der Mercury Living Presence-Reihe. Als beispielsweise eine Aufnahme mit berühmten Schlachtenmusiken von Beethoven bis Tschaikowsky anstand, ließ er extra die Geräusche echter Kanonen und Gewehrschüsse archivieren, die er dann in seine Interpretationen integrierte. Ein Knaller im wahrsten Sinne des Wortes und bis heute der Härtetest für jede gute Hifi-Anlage.
 
Ebenfalls zu den Höhepunkte der Tonträgergeschichte gehören die Aufnahmen von Richard Strauss' "Vier letzten Liedern" durch die Sopranistin Jessye Norman. Es waren die vorletzten Werke, die der Komponist anno 1948, mit Texten von Joseph von Eichendorff und auch Hermann Hesse, vollendete. Für Norman gehörten sie von Anfang an zu den Schwerpunkten des Repertoires. Schon als Jugendliche entdeckte die Künstlerin aus Augusta, Georgia; über Aufnahmen Erna Bergers den Charme deutscher Kunstlieder für sich, und schaffte es bald nach ihren Bühnendebüt Ende der sechziger Jahre (etwa als Elisabeth im "Tannhäuser" oder Gräfin Almaviza in "Le nozze di Figaro"), sich als eine der bedeutendsten Liedinterpretinnen ihrer Generation zu etablieren.

Die 1982 mit dem London Symphony Orchestra und Sir Colin Davis festgehaltenen "Vier letzten Lieder" erwiesen sich als Maßstab für alle folgenden Deutungen der Werke. Denn Norman veränderte die Darstellungsgewohnheiten vom silbrig klaren Sopran früherer Strauss-Deutungen hin zu einer volleren, präsenteren und vitaleren Stimmgestaltung. Somit gehören die "Vier letzten Lieder" wie auch mehrere weitere Gesangsaufnahmen der Sommerausgaben der Reihe der Originals in jede ernst gemeinte Plattensammlung mit klassischen Meisterwerken. Man denke nur an Joan Sutherlands wunderbares Programm mit Melodien von Jules Massenet und Georges Bizet bis Giacomo Meyerbeer und Jacques Offenbach, das sie mit ihrem Ehemann, dem Dirigenten Richard Bonynge, und dem Orchestre de la Suisse Romande unter dem Titel "Romantic French Arias" verwirklicht hatte. Ebenfalls viel gelobt und geliebt wurden bereits in ihren ursprünglichen Ausgaben die Einspielungen von Verdis "Lusia Miller" und Donizettis "Don Pasquale" / Cimarosa "La Maestro di Capella". Erstere hatte mit Montserrat Caballé und Luciano Pavarotti eines der stimmgewaltigsten Opernpaare des Jahrhunderts zu bieten, zweitere mit deren Kollegen Fernando Oncina und Graziella Sciutti feingeistige und nicht weniger markante Pendants.

Weit über den Bühnenrahmen hinaus schließlich reichen Wagners Ouvertüren unter der furios kompetenten Leitung von Sir Georg Solti, der die gestrengten Herren Orchesterstars der Wiener Philharmoniker mit Aufnahmen aus dem Jahren, als in Wien zwischen 1958 und 1965 der legendäre erste Studio-"Ring" für die Nachwelt festgehalten wurde, zu neuen Höhen führte. Ein halbes Dutzend Highlights also wird in diesen Wochen zum sensationellen Originals-Preis geboten - ein Grund mehr, dem Sommer gelassen entgegen zu sehen.