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18.04.2007
Lorin Maazel

DG Concerts - Live und famos

Lorin Maazel, DG Concerts - Live und famos

Bislang war DG Concerts ausschließlich eine digitale Plattform, die es ermöglichte, durch Downloads aktuelle Live-Aufnahmen großer amerikanischer Orchester unabhängig von einer Veröffentlichung auf CD zu genießen. Nun aber geht die Reihe noch eine Schritt weiter und präsentiert die erste Einspielung, die nicht nur über Portale wie iTunes, sondern auch auf traditionellem Weg in Form eines Silberlings erhältlich ist. Denn mit dem Strauss-Programm unter der Leitung von Lorin Maazel erscheint nach langjähriger Pause wieder in neues Album der New Yorker Philharmoniker bei einem Major Label und dokumentiert auf diese Weise, dass das renommierte Orchester weiterhin zur Weltspitze gehört.

Franz Liszt hatte die Gattung erfunden. Im Kontext des spätromatischen allumfassenden Kunstdenkens sollte die Musik die Grenzen zu den benachbarten Disziplinen überschreiten, Wort und Dramatik, Bild und Gefühl integrieren können, um auf diese Weise eine höhere Erkenntnis des Menschen zu ermöglichen. Man sprach von Programmmusik, unter die auch die sinfonische Dichtung fiel. Ihr Ziel war es, einen außermusikalischen Gedanken, etwa einen Landschaftseindruck, ein Gedicht oder eine persönliche sinnliche Erfahrung des Komponisten in Klang zu fassen und nachempfindbar zu machen.

Liszt selbst machte den Anfang mit seiner "Bergsymphonie" von 1850, die sich aber bereits auf Berlioz' "Symphonie fantastique" bezog. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde die sinfonische Dichtung dann zu einer beliebten Ausdrucksform spätromantischer Komponisten und inspirierte Künstler über Jahrzehnte hinweg. An der Schwelle zur Moderne nahm Richard Strauss sie als ein prägnantes Gestaltungsmittel wieder auf und setzte die Idee etwa mit dem "Don Juan" nach einem Gedicht von Nikolaus Lenau 1888/9 in seine Tonsprache um. Zu den Besonderheiten dieser programmatischen Werke gehörte ihre Unmittelbarkeit, mit der die Gefühle des Publikums angesprochen werden konnten und so wundert es wenig, dass sich der "Don Juan" auch rund 120 Jahre später noch vortrefflich dazu eignet, ein Orchesterprogramm zu eröffnen.
 
Doch Lorin Maazel lässt es damit nicht bewenden. Während der vergangenen drei Jahre hat er sich in regelmäßigen Abständen den bilderreichen Werken von Richard Strauss zugewandt und mit den New Yorker Philharmonikern ein weites Spektrum orchestraler Präsenz präsentiert, von "Tod und Verklärung" bis hin zur sinfonischen Essenz des "Rosenkavaliers". Für den Komponisten war diese Musik in seiner Epoche eine Rückkehr zum Traditionellen. Mit "Salome" und "Elektra" hatte er die Grenzen des Musiktheaters neu definiert, mit dem "Rosenkavalier" jedoch wandte er sich wieder einer mozartesken, ganz und gar unwagnerianischen Ausdrucksform einer heiteren Oper zu. Unterstützt von seinem kongenialen Librettisten Hugo von Hofmannsthal gestaltete er ein Intrigenspiel mit neobarocker Oberfläche, das allerdings in seinen tieferen Aussagen durchaus auf dem philosophischen Stand seiner Zeit war. Strauss und Hofmannsthal hatten die Handlung in das Wien von 1740 zurückversetzt. Im Zentrum stand der junge Graf Octavian, der von seinen Leidenschaften getrieben von der Affäre mit der erfahrenen Feldmarschallin in die Liebe zur jungen Sophie stolpert, der aber nach üblichem Procedere zahlreiche gesellschaftliche Grenzen im Wege stehen.

Letztlich wird die Liaison nur möglich, weil sich zum einen ein Teil der Beteiligten - der Graf Ochs und seine Entourage - als intrigante und erbschleicherische Aristokratenhorde herausstellt und auf der anderen die Feldmarschallin in Reflexion der Vergänglichkeit ihrer Schönheit den jungen Liebhaber in die neue Verbindung entlässt. So gibt es zwar ein Happy End, aber doch eines, das erst durch eine Reihe von Regelbrüchen ermöglicht wird, auf der Ebene der Handlung wie auch der Musik, die zwar an manchen Stellen operettenhaft zu erscheinen vermag, im Kern einen flirrenden, energiegeladenen Kontrast zum vermeintlich burlesk-galanten Bühnengeschehen bietet.

So ist auch Maazels Strauss-Programm, das zu mehreren Gelegenheiten im Sommer 2005 während seiner Arbeit mit den New Yorkern festgehalten wurde und das vom "Don Juan" bis zur "Rosenkavalier-Suite" reicht, ein betörend klangfarbenreiches Orchesterkonvolut, das von der zupackenden Kraft eines genialen Komponisten und der sympathetischen Umsetzung der Gedanken durch eine Pultgiganten unserer Tage zeugt.

Wer sich für die weiteren Veröffentlichungen aus der DG-Concerts Reihe interessiert, dem sei beispielsweise iTunes ans Herz gelegt, denn dort findet man unter dem Suchwort "DG Concerts" alle Aufnahmen.