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18.04.2007

Ausgezeichnet!

Ausgezeichnet!

Auch der zweite Teil der Reissue-Serie Grand Prix mit preisgekrönten Aufnahmen aus den vergangenen Jahrzehnten der Tonträgergeschichte hat eine Handvoll Perlen der Klangkultur zu bieten. Dabei geht es nicht nur um die herausragenden Interpretationen, sondern um das Zusammenwirken von künstlerischer Finesse, tontech- nischer Perfektion und kompetenter Präsentation. Alles zusammen ergibt ein Höchstmaß an Kunstgenuss, der zum günstigen Preis große Werke der Musik zugänglich macht. Paul McCreeshs Vision von Bachs "Oster-Oratorium" zum Beispiel gehört dazu wie auch Trevor Pinnocks Einspielung der Bach'schen Orchestersuiten, Schuberts Streichquartett mit Mstislav Rostopovich und dem Telos Quartett ebenso wie Bryn Terfels Widmung an die deutsche Romantik und Shlomo Mintzs Interpretation der Violinkonzerte von Bruch und Mendelssohn.

Aus theologischer Sicht ist Ostern das wichtigste Fest im Jahreskreislauf. Denn erst durch Jesu Tod und Auferstehung wird der Mensch erlöst und der Nähe des barmherzigen Gottes gewiss. Allein durch den Glauben solle der Mensch ins Himmelreich gelangen, predigte Luther und verbannte allen Nippes und Tand aus den Kirchen des Spätmittelalters. Singen allerdings dürfe man schon, zu Ehren Gottes und weil die Musik das Gemeinschaft- und Läuterungsgefühl erhöht. So entstanden im Rahmen protestantischer Liturgie zahlreiche Vokalwerke, die vor allem durch Johann Sebastian Bach auf ein bislang ungekanntes Niveau der Kunstfertigkeit gehoben wurden. Der Thomaskantor zu Leipzig komponierte, verknüpfte, kompilierte fortwährend und arbeitete etwa eine Pastoralkantate mit ein wenig Phantasie zum "Oster-Oratorium" um. Und damit auch die im Religionsvergleich ein wenig vernachlässigte Maria angemessen gewürdigt würde, schrieb er ihr zu Ehren und den Festtagsgottesdiensten zum Gebrauch ein "Magnificat". Beide Werke haben sich Paul McCreesh und das 1982 gegründete Gabrieli Consort vorgenommen, um es nach den Regeln historischer Aufführungspraxis Alter Musik zu interpretieren. Das gefeierte Ensemble widmet sich voller Kraft und Kompetenz den geistlichen Klangpretiosen, ehrfürchtig und trotz rekonstruierter Nähe mit der nötigen Distanz der interpretierenden Moderne und wurde dafür von Publikum und Kritik reichlich mit Lob bedacht. So konnte man beispielsweise im Magazin Klassik heute lesen: "Ohnehin zeigen sich sämtliche Instrumentalisten des Gabrieli Consorts in Hochform, sie spielen mit kantiger Energie, brillant und festlich, doch auch zart und klangverliebt".

Und kaum weniger euphorisch äußerten sich die Spezialisten zu einer weiteren Bach-Spezialität, für das Trevor Pinnock 1979 gemeinsam mit dem The English Concert mit dem Edison Award ausgezeichnet wurde. Er hatte sich Bachs "Orchestersuiten BWV 1066-1069" angenommen und damit nach Meinung der Fachleute den Nagel auf den Kopf getroffen. Im Fono Forum hieß es: "Es ist eine der lebendigsten, musikalisch schwingensten, durchdachtesten und zugleich werkgetreusten Interpretationen".
 
Schuberts Kreativität war erstaunlich. Rund 600 Lieder soll er in seinem kurzen Leben verfasst haben, genaue Zahlen weiß man wegen Mehrfachversionen gar nicht. In jedem Fall muss er rund um die Uhr komponiert haben, zum Spaß, zum Lebensunterhalt, für Schubertiaden und Konzertabende. Das Besondere an seinen Gedichtvertonungen war die Fähigkeit, den poetischen Worten eine dramaturgisch passende musikalische Form zu geben. In der Regeln entstanden die Lieder für Klavier und so forderten sie zahlreiche nachfolgende Kollegen heraus, die bereits vorhandene Spannung noch durch Orchesterbearbeitungen zu verstärken. Johannes Brahms etwa, einer der größten Bewunderer Schuberts, begnügte sich in der Regel mit Übertragungen, die sehr nah am pianistischen Original blieben. Hector Berlioz wiederum wählte für die Umarbeitung des "Erlkönigs" einen schweren, pathetisch reifen Ton. Max Reger bearbeitete das gleiche Gedicht zum einen romantischer, zum anderen vor allem in der Stimmführung wesentlich klarer als sein französischer Kollege. Alles in allem aber bleibt Schubert das große Vorbild des Genres und so wundert es wenig, dass sich auch Bryn Terfel sich ausführlich dem Werk des großen Romantikers widmete. Im Jahr 1995 wurde der walisische Bass-Bariton für sein Album "An die Musik - Berühmte Schubert-Lieder", das er zusammen mit Malcolm Martineau am Klavier verwirklicht hatte, mit dem Gramophone Award geehrt.