Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

11.04.2007

Nicole Cabell - Ganz nach oben

Nicole Cabell, Nicole Cabell - Ganz nach oben

Natürlichkeit ist nicht nur eine Zier, sondern die Voraussetzung überhaupt, um Musik mit Überzeugungskraft präsentieren zu können. Sieht man Nicole Cabell auf der Bühne, erlebt man eine Sängerin, die voll und ganz von den Melodien und Rollen durchdrungen ist, die sie sich vorgenommen hat. Sie scheint die Charaktere zu leben, sogar ohne die Kostüme der Opernbühne wie im Fall des BBC Wettbewerbs Cardiff Singer of the World, und schafft auf diese Weise eine Atmosphäre, die die Menschen von den Stühlen reißt. So steht das Album "Soprano" an einem wichtigen Punkt in Nicole Cabells Karriere. Hinter ihr liegen die Jahre der Ausbildung und des sukzessiven Aufstiegs in der amerikanischen Opernszene, vor ihr erwartet sie eine internationalen Laufbahn als neuer Star am Himmel der lyrischen Stimmen - das Ganze mit dem Charme und dem Selbstbewusstsein einer Frau, die genau weiß, dass sie das Zeug zur Spitze hat.

Auf ihre Herkunft ist sie stolz. Nicole Cabell wuchs in Ventura in der Nähe von Los Angeles auf. Ihre Vorfahren entstammen dem afro-amerikanischen wie auch dem europäischen und koreanischen Kulturkreis. Der Großvater war der erste afro-amerikanische Polizeipräsident der benachbarten Millionenstadt und so waren Eigenständigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Toleranz stets ein Teil der eigenen Familiengeschichte. "Meine bunt gemischte Abstammung ist ein sehr wichtiger Teil von mir . Ich bin dankbar, dass ich in einer Umgebung aufwuchs, in der sie voll akzeptiert wurde", meint Cabell im Rückblick auf ihre Kindheit und Jugend. Tatsächlich war bald deutlich, dass das Mädchen eine ungewöhnliche Stimme und Darstellungsgabe hatte, auch wenn sie selbst zunächst davon träumte, als Schriftstellerin zu reüssieren. Ihren ersten professionellen Stimmunterricht bekam sie erst mit 15 Jahren, die Fortschritte waren aber derart offensichtlich, dass gegen Ende der Highschool-Zeit die Entscheidung für eine Ausbildung zur Sängerin getroffen werden musste. Cabell dachte nach und war schließlich überzeugt, dass ihre Zukunft auf der Bühne liegen könnte.

Erste Station war die Eastman School of Music, Studienaufenthalte brachten sie nach Italien, bald auch an das New Yorker Chautauqua Institute. Die nächste Station war das Lyric Opera Center for American Artists in Chicago, wo sie in dem unlängst verstorbenen Richard Pearlman einen wichtigen Mentor fand. Von der Sopranistin Gianni Rolandi lernte Cabell die Feinheiten der stimmlichen Differenzierung, der Kontakt zur Lyric Opera von Chicago verhalf ihre dazu, zahlreiche Koryphäen des Gesangs auch live zu erleben.  So wuchs eine Stimme heran, deren Qualitäten die Kollegin und Lehrerin Marilyn Horne begeistert umschreibt: "Sie ist sinnlich und rund und hat im höchsten Register einen unglaublichen Klang. Sie hat ein sehr geschmeidiges Legato, es ist eine Stimme, die einen ganz umfängt". Das hängt zum einen mit den Anlagen zusammen, die die Sängerin mit in ihre Ausbildung gebracht hat, ist aber auch die Folge einer künstlerischen Einstellung, die sich vom Mainstream der stilistischen Meinungsbildung unterscheidet. Denn Cabell singt, was ihr Spaß macht, und achtet sehr darauf, dass es Rollen sind, die zu ihr passen. "Bei meiner Karriere geht es mir nicht darum, eine Diva zu sein. Ich möchte nur Musik singen, die mich berührt, die zu meiner Stimme passt und die meinem Publikum gefällt." Diese Einstellung wiederum umgibt die Sopranistin mit einer Aura der Selbstverständlichkeit, die wiederum sich auf die Interpretation und die Wirkung der Arien überträgt, die sie verkörpert.

Das war schließlich auch einer der Gründe, weshalb die Kalifornierin ausgewählt wurde, im Juni 2005 die amerikanische Opernwelt beim renommierten BBC Wettbewerb Cardiff Singer of the World zu vertreten, und es ihr möglich wurde, die Konkurrenz auf die Plätze zu verweisen. Nachdem sie sich in den Vorrunden einem weitgehend bekannten Repertoire gewidmet hatte, wagte sie sich im Finale an unkonventionelle Stücke: "In der letzten Runde entschied ich mich für ein eher eklektisches Programm, unter anderem die Arie aus Tippetts 'A Child of our Time' und Teresas Arie aus Berlioz' 'Benvenuto Cellini', die ich großartig finde".

Mit dieser Auswahl stand Cabell mit einem Mal auf dem Siegertreppchen, erhielt von Dame Joan Sutherland die Ehrungstrophäe überreicht und war quasi über Nacht Gesprächsthema der internationalen Musikpresse. Sie gehören natürlich auch zu dem Programm, das sie für ihr Debüt bei der Decca zusammen mit Andrew Davis und dem London Philharmonic Orchestra aufgenommen hat. Dabei reicht das Spektrum enorm weit, von Donizettis "Don Pasquale" bis Gershwins "Porgy and Bess", von Puccinis "La Bohème" bis Menottis "The Old Maid and the Thief". Und es dokumentiert eindrucksvoll, dass hier jemand sich zu Gehör meldet, dessen Potential sich nicht mit ein paar Jahren Glamour zu erschöpfen droht. Oder um mit den Worten von Marilyn Horne zu sprechen: "Nicole Cabell wird ein erfülltes Leben mit der Musik verbringen und ich persönlich freue mich darauf, diesen besonderen Klang viele, viele Male zu hören".