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04.04.2007

Der taube Titan

Der taube Titan

Alternde Genies haben etwas Rätselhaftes, dem Regisseure gerne auf die Spur kommen. Man denke nur an den greisen Salieri und den todgeweihten Mozart im fulminanten Finale des Musikfilmklassikers "Amadeus". In einer neuen Näherung ist diesmal der verschrobene späte Beethoven an der Reihe. Die Regisseurin Agnieszka Holland ist mit "Klang der Stille" dem Phänomen des tauben Titaten nachgegangen und hat ihn in das Zentrum eines Spielfilms gerückt, der am 5. April in die deutschen Kinos kommt. Und dessen Soundtrack, wen wundert's, nicht nur einen Funken von Beethovens Genialität vermittelt.
 

Der Komponist hat getrödelt. Obwohl er schon länger an seiner neuen Sinfonie arbeitet, scheint er sich in Detailfragen verheddert zu haben, die die Arbeit stocken lassen. Die Zeit wird eng und so kommt dem Verleger Wenzel Schlemmer eine Idee. Er engagiert die junge Konservatoriumsstudentin Anna Holtz (Diane Kruger) als Assistentin des als schrullig geltenden Meisters, die angesichts der nahenden Uraufführung die letzten Noten der Partitur zu Papier bringen soll. Beethoven (Ed Harris), Einzelgänger und erklärter Griesgram, hat allerdings zunächst seine Vorbehalte, bis er merkt, dass die junge Frau tatsächlich eine Hilfe ist. Er bindet sie zunehmend in seine Arbeit ein und, siehe da, die stärker werdende Bindung verändert das Leben beider Beteiligten. Anna hilft dem alten Herrn sogar, die Neunte zu dirigieren, und erntet dafür eine Form von Dankbarkeit, die allerdings nicht anhält. So geht, was langsam begann, schnell wieder zu Ende. Dabei liegt der Fokus der Darstellung eindeutig auf der Charakterisierung des alternden Komponisten. Agnieszka Holland  ("Hitlerjunge Salomon")versucht, möglichst viele Aspekte seiner vielschichtigen und umstrittenen Persönlichkeit in ihr biographisch inspiriertes Lebensbild einzufügen, das Ganze ruhig und behutsam erzählt, ohne irritierende oder unpassende Effekte.

Und so kommt auch die Musik zu voller Geltung, im Kino wie auch im heimischen CD-Player. Der Soundtrack zeigt einen exzellent ausgewählten Querschnitt durch die letzten Schaffensjahre Ludwig van Beethovens und wird nicht nur für seine Anhänger ein Erlebnis sein. Im Zentrum steht die mächtige "9. Sinfonie", in der vielgerühmten 1996er Fassung des Royal Concertgebouw Orchestra unter Bernard Haitink. Darüber hinaus sind zahlreiche Einspielungen anderer Werke des Komponisten von bekannten Interpreten zu hören, darunter das für seine Beethoven-Interpretationen mit dem Grammy ausgezeichnete Takács Quartett ("Große Fuge B-Dur"), der Pianist Vladimir Ashkenazy ("Klaviersonaten Nr. 5 und Nr. 32") wie auch dessen Instrumentalkollege Stephen Kovacevich ("Diabelli-Variationen"). Schließlich gibt es noch einen besonderen Bonus zu erleben: Neben den Werken Beethovens beinhaltet der Soundtrack zu "Klang der Stille" ein eigens für den Film komponiertes Werk des polnischen Komponisten Antoni Lazarkiewicz (,Anna's Theme'), welches zum Teil auf historischen Instrumenten gespielt wird und die melodramatische Stimmung des Leinwandepos inspiriert unterstreicht.