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28.03.2007

Endlich wieder Mozart!

Endlich wieder Mozart!

Was für ein Luxus, rund 140 Minuten Zeit und einen der größten Kataloge der klassischen Musikwelt zur Verfügung zu haben, um einen Überblick über die Höhepunkte der klassischen Wiener Opernära um Mozart und einige seiner Mitstreiter zusammen zu stellen! Da kann man aus einer Fülle schöpfen, deren künstlerische Pracht schier trunken macht und darüber hinaus sogar noch dramaturgisch tätig werden, indem man die besten Interpretationen der weltberühmten Arien in einer Abfolge präsentiert, die in sich wiederum einen Steigerungs- bogen enthält. Jedenfalls haben sich die klugen Köpfe hinter Focus Edition 400 Jahre Oper reichlich Mühe gegeben, um diesem Schmuckstück der Serie nach dem Mozart-Jubeljahr unter dem Titel "Der Hölle Rache" noch ein eigenes und unwiderstehliches Erscheinungsbild zu geben. Das Resultat ist ein Knaller.

Und das fängt schon mit dem umfangreichen Beiheft an. Denn vielfach scheitert der Genuss der musikdramatischen Bühnenwerke am mangelnden Verständnis des Laien, dem die Handlungen der Opern nicht mehr geläufig sind, geschweige denn die historischen Hintergründe, die zu ihrer Entstehung und speziellen Gestalt geführt haben. Der Kulturredakteur des Focus Gregor Dolak hat in seinem Begleittext daher besonders Wert darauf gelegt, diese Zusammenhänge anschaulich, hintergründig und unterhaltsam in Erinnerung zu rufen. Im Unterschied zu mancher musikwissenschaftlicher Detaildeutung oder auch manchem fachchinesischem Kniefall vor dem Genius des Vergangenen wird hier ein Panorama einer Zeit entworfen, deren Auswirkungen auf die Geistesgeschichte wie auf die Kunst unmittelbar waren. Dabei geht es nicht nur um Darstellung, sondern auch um Wertung, um aus heutiger Perspektive durchaus freche und pointierte Einschätzung von Denkzwängen und freiheitlicher Grenzüberschreitungen, zu der Mozart weit mehr als viele seiner Zeitgenossen in der Lage war.
 
Das wiederum ist ein plausibler Schlüssel zur Musik, die raffiniert den Bogen vom unterhaltsamen Fach über die lehrreiche, aber bei Mozart nach wie vor individuelle und gefühlsbezogene opera seria bis zur erhabeneren Deutung des Genres durch den im Bühnenzusammenhang deutlich zurückhaltenderen Beethoven spannt, der im "Fidelio" über dem einzelnen die Ideale der Aufklärung leuchten sieht. So reicht denn das Spektrum von den Kernklassikern wie "Le Nozze Di Figaro", "Don Giovanni", "Cosi Fan Tutte", "Die Entführung aus dem Serail" und "Die Zauberflöte" über "Idomeneo" und "Zaide" bis hin zu "Mitridate, Re Di Ponto" und "La Clemenza Di Tito", ergänzt um jeweils zwei Arien von Mozarts Wegbereiter Christoph Willibald Gluck, seines Zeitgenossen Joseph Haydn und seines Erben Ludwig van Beethoven.
 
Faszinierend ist dabei die künstlerische Bandbreite der Interpreten, die "Der Hölle Rache" zu bieten hat. Da kommen die großen Stimmen der Sechziger und Siebziger wie Gundula Janowitz, Fritz Wunderlich, Herrmann Prey und Placido Domingo ebenso zum Zug wie die Opern-Stars der Gegenwart von Anna Netrebko, Renée Fleming, Cecilia Bartoli, Magdalena Kozena und Elina Garanca bis Bryn Terfel, Thomas Quasthoff und Juan Diego Flórez. Die Auswahl der Orchesterleiter ist nicht weniger prominent und reicht von Sir Georg Solti, Karl Böhm und Eugen Jochum über Sir Charles Mackerras, Sir John Eliot Gardiner und James Levine bis hin zu Paul McCreesh und Christopher Hogwood. Fazit: So wie schon die ganze Focus Edition 400 Jahre Oper eine außergewöhnliche Reihe darstellt, ist auch die Folge "Der Hölle Rache" ein Glanzstück jeder Musiksammlung.