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07.03.2007

Der Maestro und die Diva

Der Maestro und die Diva

Die liebende Kurtisane war eine heikle Angelegenheit. Schon Alexandre Dumas hatte für Wirbel gesorgt, als er seinen Romanerstling "Die Kameliendame" 1848 veröffentlichte und damit das Thema auf das Parkett des bürgerlichen Theaters brachte. Guiseppe Verdi nun nahm es fünf Jahre später wieder auf und verarbeitete es in "La Traviata" für die Opernbühne. Damit gelang ihm einer der beliebtesten Klassiker dieses Genres überhaupt, mit dem die Focus-Edition "400 Jahre Oper" auf DVD in der großartigen Inszenierung von Covent Garden unter Sir Georg Solti in den Frühling startet.

Für Giuseppe Verdi waren es turbulente Jahre. Immerhin 16 Opern hatte er bereits dem Publikum vorgestellt, drei großartige Werke entstanden unmittelbar nacheinander. Nach "Rigoletto" (1851) und "Il Trovatore" (1853) präsentierte er mit "La Traviata" (1853) allerdings ein für seine Verhältnisse ungewöhnlich aktuelles Melodram um die Wahrhaftigkeit der Liebe. Diesmal ging es nicht um Irrungen und Wirrungen in historischer Ferne, sondern um das Paris seiner Epoche mit Fokus auf nur einer Hauptperson und deren unglücklicher Liebe. Das Werk war in vieler Hinsicht ein Kraftakt. Zunächst entstand die komplette Oper innerhalb von 46 Tagen. Verdis Librettist Francesco Maria Piave schrieb sich mit der Umarbeitung der Vorlage die Finger wund und Verdi selbst reiste noch mit einer Art Entwurf nach Venedig zu den Proben. Die Orchestrierung stellte er während der Orchesterproben fertig und so war "La Traviata" taufrisch, als das Venediger Premierenpublikum am 6.März 1853 zum "Teatro La Fenice" flanierte. Allerdings hatte die Inszenierung deutliche Schwachstellen. Vor allem mit der Darstellerin Fanny Salvini-Donatelli hatte man Pech. Die üppige Dame löste als schwindsüchtige Violetta eher Heiterkeit denn Mitleid aus. Die Schauspieler mussten sich zur Kaschierung der Brisanz  außerdem in barocke Gewänder zwängen, so dass schließlich die ganze Oper unausgewogen wirkte.

An die Opulenz früherer Werke gewohnt, reagierte das Publikum zurückhaltend. Erst eine zweite, sorgfältigere Insznierung im Frühjahr 1854 im "Teatro San Benedetto", ebenfalls in Venedig, sorgte für den Durchbruch. Von da an entwickelte sich "La Traviata" zu einer der meist geschätzten Opern auf internationalen Spielplänen. Über den sozialkritischen Stoff als inhaltliche Neuerung hinaus - das Plädoyer für die emotionale Selbstbestimmung der Frau - schuf Verdi einen musikalischen Querschnitt durch seine Ausdrucksmöglichkeiten, wie man ihn nur in wenigen vorangehenden Werken finden konnte. So wird auch verständlich, warum sich das Werk bis heute nicht nur in den Opernhäusern hält, sondern zu den beliebtesten Werken seiner Art zählt. Es liegt am Stoff, an der Musik, aber auch an Inszenierungen wie in Covent Garden 1994. Damals trafen zwei besondere Konstellationen aufeinander, die aus dieser Aufführung einen Höhepunkt der Operndekade machten.

Zum einen sang der Sopran-Star Angela Gheorghiu zum ersten Mal die Rolle der Violetta, auf der anderen Seite war es auch das Pult-Debüt von Maestro Sir Georg Solti mit diesem Werk. Das Resultat war eine rundum gefeierte Inszenierung, die das BBC veranlasste, mit Kameras und Mikrofonen anzurücken. Unter der Bildregie von Musikfilmprofi Richard Eyre entstand ein Bühnendokument der Sonderklasse, das nun im Rahmen der Focus DVD-Edition "400 Jahre Oper" den Start einer Reihe mit neun außergewöhnlichen Inszenierungen bildet, die über das Frühjahr hinweg den Opernfan versorgen. Ob einzeln oder in einer Box zusammengefasst, jede dieser Aufführungen in eine Pretiose im faszinierend reichhaltigen Klanggewand (5.1 Surround, wahlweise PCM Stereo) zum ebenso sensationellen Preis.