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07.03.2007

In den Fängen der Gewalt

In den Fängen der Gewalt

Diktatoren üben auf Künstler häufig einen ambivalenten Reiz aus. Es ist diese Gegensätzlichkeit von Ego und Gewalt, Macht und Größenwahn, Luxus und Ausbeutung, die sie umgibt und andere nach den tieferen Ursachen für deren Unfähigkeit zur Menschlichkeit fragen lässt. Der Regisseur Kevin MacDonald nun hat sich im vergangenen Jahr mit einem der blutrüstigsten Vertreter seiner Art beschäftigt, dem ugandischen Gewaltherrscher Idi Amin, und ist dessen grausamer Regierungszeit aus der Perspektive eines jungen Europäers gefolgt, der durch viele Zufälle in dessen engen Beraterkreis gelandet ist. "Der letzte König von Schottland" wurde ein beeindruckendes Manifest gegen die Gewalt und läuft kommende Woche in den deutschen Kinos an.

Ein Oscar ging eben erst für "Das Leben der Anderen" nach Deutschland, Martin Scorsese wurde ebenfalls geehrt. In der wichtigen Kategorie des "besten Hauptdarstellers" wiederum entschied sich die Jury für Forest Whitaker. Er verkörpert in ungewöhnlicher Intensität den Diktators Idi Amin in "Der letzte König von Schottland". Das ist zum einen ein Preis für die künstlerische Leistung, zum anderen aber auch ein Zeichen, das auf einen packenden Film mit brisantem Thema und auf den vernachlässigten Kontinent Afrika an sich hinweisen soll. Denn der Stoff des Streifens ist dramatisch: Der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan (James McAvoy) scheint in Uganda am Ziel seiner Wünsche angelangt. Er ist seinem geregelten Leben in der Heimat entflohen und hat in der Mission von Dr. Merrit (Adam Kotz) und dessen Frau Sarah (Gillian Anderson) Arbeit gefunden. Die fremde Kultur und die Möglichkeit, ein Gesundheitssystem mit aufzubauen, faszinieren und motivieren ihn. Dann aber greift das Schicksal ein und Garrigan folgt ihm auf fatale Weise. Als er zu einem Verkehrsunfall gerufen wird, stellt sich heraus, dass der Staatspräsident Idi Amin darin verwickelt ist. Garrigan hilft ihm, steigt als Belohnung und zugleich als Alibi zu dessen Leibarzt auf und gehört bald zum Kreis der engen Vertrauten um den Diktator. Er verschließt den Blick gegenüber den Gräueltaten, die um ihn herum geschehen, muss aber eines Tages Stellung beziehen. Und da wendet sich das Blatt.
 
Filmstart von Der letzte König von Schottland in Deutschland ist der 15.März, der Soundtrack von Alex Heffes ("The Bridge", "Imagine Me And You", "Out Of Reach") erscheint bei der Decca und bietet eine musikalisch eindrucksvolle Reise nach Afrika mit Gastauftritten von Momo Wandel bis zu den Nyzonza Singers. Dabei legte Heffes Wert darauf, möglichst die musikalischen Klischees zu verhindern, die sich beim Blick von außen auf afrikanische Musik gerne einstellen. "The Last King of Scotland" klingt authentisch bis in die Details, fängt mit beeindruckender Genauigkeit die Kontraste von Lebenslust und Gefahr, Unmittelbarkeit und Überformung ein und wirkt auf diese Weise über die Kraft der Bilder hinaus als beeindruckendes Kompendium einer Klangkultur, von der der Rest der Welt  noch immer kaum konkrete Vorstellungen hat.

Beim KlassikAkzente Gewinnspiel verlost die Redaktion in dieser Woche 3x2 Freikarten für Kinovorstellungen von "Der letzte König von Schottland". Weitere Informationen zum Soundtrack und zum Film erhalten Sie auf den Sonderseiten bei KlassikAkzente.