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14.02.2007

Viel zu sagen

Viel zu sagen

Mehr Mozart war selten. Das vergangene Jahr hat eine Fülle an Einspielungen und Wiederveröffentlichungen hervorgebracht, die das Genie des Salzburger Meisters in sehr unterschiedlicher Form würdigten. Zu den bemerkenswertesten gehörten sicherlich die Aufnahmen, mit denen sich die Stargeigerin Anne-Sophie Mutter dem Komponisten näherte. In die drei umfassenden Themenkomplexe 'Konzerte, Sonaten und Trios' hatte sie ihre Beschäftigung mit dem Thema gegliedert, die CD-Veröffentlichungen wurden von der Presse allesamt mit euphorischen Worten gefeiert. Nun erscheint für die Freunde des Mehrkanaltons und der optischen Imagination von Musik auch die DVD-Version des Mozart-Projektes. Als dritter Teil der Serie schließen die Trios für Klavier, Geige und Cello K.502, K.542 und K.548, die sie gemeinsam mit ihrem Mann André Previn am Klavier und Daniel Müller-Schott am Cello im April 2006 in Italien aufgenommen hat, die Reihe der Veröffentlichungen ab.

Mozart selbst ließ die drei Trios zu einem Band zusammenfassen. Das hatte nicht nur verlegerische Gründe, sondern hing mit Intentionen zusammen, die hinter den Werken standen. Denn sie entfernten sich inhaltlich weit von den barocken und spätbarocken Vorlagen, die in dieser instrumentalen Kombination der Regel als begleitete Klaviersonaten verstanden wurden. Im Falle der Werke K.502, K.542 und K.548 wurden dem Cello, aber auch der Geige eine eigene, gleichberechtigte Position im musikalischen Verbund zugedacht. Das Trio wurde zu einem Miteinander der Stimmen auf gemeinsamer künstlerischer Augenhöhe und verwies damit auf die Ideen, die diese Besetzung während der kommenden klassischen und romantischen Jahrzehnte prägen sollten. Der unmittelbare Grund der Entstehung allerdings war durchaus ein alltäglicher. Mozart wurde in späteren Lebensjahren häufig von Geldnöten geplagt und er hoffte auf Linderung, indem er vergleichsweise leichte und für die bürgerlichen und aristokratischen Salons geeignete Kompositionen anbot. Das erste der drei Trios (K.502) war bereits 1786 entstanden, die anderen beiden folgten rasch aufeinander im Juni (K.542) und Juli 1788 (K.548). Mozart bot sie seinem Wiener Verleger Artaria an, nachdem mehrere Versuche, sich bei Freunden Geld zu leihen, fehlgeschlagen waren. So kam es im November 1788 zu deren Veröffentlichung als op.15 nach damaliger Werkzählung.

"Er ist der Komponist, mit dem ich aufgewachsen bin, der immer auf mich gewartet hat, an jedem Punkt meiner Laufbahn" meint Anne-Sophie Mutter. Schon deshalb ist es ihr ein besonderes Anliegen, die ihrer Meinung nach wichtigsten Werke aus Mozarts Feder in der bestmöglichen Form zu präsentieren. Im Fall der Trios für Klavier, Geige und Cello ging sie dabei durchaus pragmatisch vor, indem sie aus der guten Handvoll hinterlassener Kompositionen, die drei späten Exemplare auswählte. "Um ehrlich zu sein, habe ich die drei heraus gesucht, in denen die Violine am meisten zu sagen hat", kommentiert sie ihre Wahl, eine Entscheidung, die durch das künstlerische Resultat bestätigt wird. Denn Mutter, Previn und Müller-Schott gelingt es, sich gegenseitig mit faszinierender Raffinesse die Bälle der Melodieführungen zuzuspielen, dynmische und fragile, eruptive und lyrische Passagen zu gestalten, so dass zum Schluss eine Interpretation festgehalten wird, die ihresgleichen sucht. Schon anlässlich der Violinkonzerte, die erste Veröffentlichung des Mozart-Projektes, konnte man in der Tageszeitung Die Welt lesen: "Anne-Sophie Mutter ist die glamouröse Sphinx der Klassik". Mit der DVD-Version der Aufnahmen, die im April 2006 im Teatro Bibiena in Mantua entstanden, kann man dieses Urteil nun mit eigenen Ohren und Augen nachvollziehen. Als Bonus folgt der eigentlichen Aufnahme noch ein Feature über das "Making Of" der Trio-DVD und macht unter anderem in Interviews und Probenausschnitten einmal mehr deutlich, mit welcher Brillanz und welchem ungewöhnlichen Einfühlungsvermögen Mozarts Musik in den Händen dreier Meisterkünstler zum Leben erweckt wird.