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07.02.2007
Claudio Monteverdi

Die Macht der Intrigen

Claudio Monteverdi, Die Macht der Intrigen

Mehrfach hat Claudio Monteverdi die Operngeschichte verändert. Hatte mit seinem "L'Orfeo" die Gattung ihr erstes und prägendes Meisterstück erhalten, so brachte er mit "L'Incoronazione di Poppea" zum ersten Mal einen historischen Stoff, in diesem Fall aus der römischen Antike, auf die Opernbühne.  Als Spätwerk des Komponisten fasste es noch einmal zahlreiche neu erarbeitete Kunstformen zusammen und wurde als ein derartiges Konzentrat von shakespearescher Dichte am Opernhaus von Zürich wieder aufgeführt. Diese legendäre Inszenierung unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle wurde seinerzeit von den Opernfilmprofis der Unitel für die Nachwelt festgehalten und ist nun in akustisch remastertem Surroundklang als Doppel-DVD erschienen.

Natürlich hörte es Nero nicht gerne. Aber genau genommen war er ein schwacher Mann, eine mühelos manipulierbare Gestalt, die zugunsten des eigenen Genusses alle Staatsräson hintan stellte. Insofern war Claudio Monteverdis historische Oper "L'Incoronazione di Poppea" durchaus brisant, erzählte sie doch von diesem Versager, der den Einflüsterungen seine Geliebten Poppea derart hörig war, dass er rundherum alle potentiellen Widersacher und Gegenspielerinnen umbringen oder verbannen ließ, einschließlich des Philosophen Seneca, der allerdings dem Todesurteil durch einen gepflegten Selbstmord zuvorkam und auf diese Weise seine Eigenständigkeit im Handeln im Rahmen des Möglichen betonte. Auf den anderen Seite, hatte der bereits greise Komponist kaum noch etwas zu befürchten, als er in seinem Todesjahr 1643 die Oper im Teatro SS Giovanni et Paola in Venedig aufführen ließ. Er hatte bereits die Standards für die kommenden Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte gesetzt und konnte nun noch einmal mit den Möglichkeiten des Schauspiels experimentieren.

Genau das reizte auch die Wiederentdecker des Monteverdischen Bühnenwerks Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle an der Vorlage, um das opulente Spiel im Januar 1977 im Züricher Schauspielaus wirkungsvoll auf die Bühne zu bringen. Nach dem Erfolg des "L'Orfeo" hatten sie viele Freiheiten der Gestaltung und machten in verschiedener Form davon Gebrauch. Während der Dirigent eigens das musikalische Ensemble durch neue, an den historischen Erkenntnissen orientierte Orchestrierung modifizierte, knüpfte der Regisseur an die Räume des "L'Orfeo" an und ergänzte sie um eine behutsam modifizierte, psychologisierende Deutung der Figuren. Die Besetzung war herausragend. Rachel Yakar sang die Titelrolle, Trudeliese Schmidt die Partie ihrer Kontrahentin Ottavia, Eric Tappy mimt den Nero und Matti Salminen den Philosophen Seneca. Das Ganze wirkte so überzeugend, dass damals das kritische Fachorgan Opernwelt nur bewundernd feststellen konnte: "Ein Dirigent, Nikolaus Harnoncourt, einer der besten Kenner und Interpreten der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, und ein Regisseur, Jean-Pierre Ponnelle, einer der musikalisch begabtesten Opernregisseure mit schier unerschöpflichem Einbildungsvermögen, setzten sich mit dem Spätwerk Monteverdis, dem ersten Meisterwerk der Operngeschichte von shakespearschem Format, auseinander und erarbeiteten in vorbildlicher, enger Zusammenarbeit ihre Deutung der "L'Incoronazione di Poppea". Jetzt auf DVD!