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31.01.2007

Frode Haltli - Passing Images

Frode Haltli, Frode Haltli - Passing Images

Auf ECM-Einspielungen konnte man Frode Haltli bisher schon sowohl als brillanten Interpreten zeitgenössischer Kompositionsmusik hören, als auch als Improvisierer von Format. Für sein erstes eigenes ECM-Album "Looking On Darkness" (ECM 1794 / 2001), für das er Kompositionen von Bent Sørensen, Magnus Lindberg, Maja Ratkje und anderen einspielte, bekam er den norwegischen "Grammy", den Spellemanspris, und den französischen Prix Gus Viseur. Als improvisierender Musiker war er an der Aufnahme zweier Alben des Saxophonisten Trygve Seim beteiligt: an "The Source And Different Cikadas" (ECM 1764 / 2000) und "Sangam" (ECM 1797 / 2004).

Auf seinem zweiten Soloalbum "Passing Images" zeigt sich der norwegische Akkordeonspieler nun jedoch von einer reichlich anderen Seite. Auf diesem Album unterzieht er die Musik, die ihn in jungen Jahren inspiriert hat, einer Revision und wirft einen entschieden "traditionsfreien Blick" auf die Tradition der norwegischen Volksmusik. Da findet man zum Beispiel einen Psalm von den westlichen Fjorden, einen lyrischen Walzer aus Haltlis Heimatdorf nahe der schwedischen Grenze, eine Roma-Zigeuner-Melodie, die mysteriöserweise Erinnerungen an Albert Aylers Klangwelt erweckt, und vieles anderes mehr.
Unter der Anleitung von Erik Bergene fand Frode Haltli früh zur zeitgenössischen Musik, begann aber gleichzeitig - und voller Enthusiasmus - Volksmusik in seiner Dorfgemeinschaft zu spielen. Als 13jähriger war er das jüngste Mitglied einer traditionellen Folkloretanzband. Die Lieder, die er damals und auch später lernte, sind noch heute Bestandteil seines musikalischen Grundgerüsts.

"Die Stücke 'Pre', 'Lyrisk vals' und 'Passing Images' stammen alle aus derselben Quelle", erzählt Frode Haltli. "Ich wuchs im Südosten Norwegens in Våler i Solør auf. Lange nachdem ich von meinem Heimatdorf fortgezogen war, hörte ich eine Aufnahme von Gustav Kåterud (1882-1941), einem Geiger aus unserem Dorf. Sowohl seine Technik als auch die Aufnahmequalität waren zwar sehr verzerrt, aber aufgrund der dualistischen Tonalität und des walzerähnlichen Tempos dennoch extrem interessant, so daß ich recht bald die Idee hatte, nach möglichen Wege zu suchen, dieser Musik neues Leben einzuhauchen. Das erste Ergebnis - 'Lyrisk vals' ('Lyrischer Walzer') - habe ich schon seit ein paar Jahren als mehr oder weniger improvisiertes Solostück für Akkordeon im Programm. Für diese CD fertigte ich eine neue Version und fügte Stimmen für Viola und Trompete hinzu. Ich schrieb auch ein kürzeres Stück ('Pre') für Akkordeon und Viola, bei dem ich noch viel weiter ging. 'Passing Images', mit dem Untertitel 'Waltz', ist eigentlich ein Stück für Soloakkordeon, das Maja S.K. Ratkje 2003 komponierte. Als Inspiration diente ihr dabei auch der 'Lyrisk vals'."

Für die Aufnahme von "Passing Images" holte Frode Haltli eine höchst ungewöhnliche Gruppe von Musikern ins Studio, die eine kaleidoskopische Vision der traditionellen Volksmusiken bietet, indem sie die Perspektive, aus der sie diese betrachtet, kontinuierlich verändert.

Frode Haltli studierte an der Norwegischen Staatsakademie für Musik und am Königlichen Dänischen Konservatorium. Seine Studien beendete er im Jahr 2000 und lebt seitdem in der Nähe Oslos. Zur Zeit unterhält er ein Duo-Projekt mit dem Saxophonisten Trygve Seim, spielt mit dem Trio Poing zeitgenössische Musik und konzentriert sich mit der Gruppe Rusk auf Volksmusik.

Der Improvisationskünstler Arve Henriksen hat - etwa in den Ensembles von Trygve Seim - schon oft mit Haltli zusammengearbeitet. Als ein Jazzmusiker, der stets über den "stilistischen Tellerrand" hinausblickt, absorbiert er vor allem Klänge fernöstlicher Musik (von Instrumenten wie Duduk, Bansuri oder Shakuhachi) und läßt diese seinen flüssigen, vokalen Trompetensound tonal beeinflussen. Auch sonst ist Henriksen ein vielseitiger Musiker - im Christian Wallumrød Ensemble fühlt er sich genauso wohl wie beim Spielen ruhiger und konzentrierter barockinspirierter Musik oder inmitten der elektronischen Soundscapes von Supersilent.

Garth Knox ist seit 1978 als Freelance-Musiker in London tätig und arbeitete u.a. mit der London Sinfonietta, dem Ballet Rambert und dem English Chamber Orchestra. 1980 komponierte Hans Werner Henze für ihn eine Viola-Sonate. 1983 holte ihn Pierre Boulez ins Ensemble Intercontemporain. Nachdem er in Paris sieben Jahre lang unter Boulez gearbeitet hatte, kehrte Knox nach Großbritannien zurück, um zum Arditti Quartet zu stoßen. Mit diesem nahm er 1996/97 Streichquartette von Peter Ruzicka für ECM (ECM New Series 1694) auf. Seit 1988 ist der schottisch-irische Violaspieler umtriebiger denn je zuvor - Aufsehen erregte er zum Beispiel als Solist (für seine Montaigne-Auvidis-Aufnahmen mit Kompositionen von Kurtág, Ligeti, Berio und anderen erhielt er den Deutschen Schallplattenpreis) oder in Duo-Recitals als Partner von Kim Kaskashian und Tabea Zimmermann. Mit Kashkashian trat er 1999 auch beim ECM-Festival in Badenweiler auf.

Maja Solveig Kjelstrup Ratkje ist nicht nur Komponistin, sondern auch als Sängerin, Elektronikmusikerin und Toningenieurin aktiv, oft in Verbindung mit dem freien Improvisationsensemble Spunk und dem Noise-Duo Fe-mail.  Ihre "Gagaku Variations" nahmen auf Frode Haltlis Debütalbum "Looking On Darkness" eine zentrale Stellung ein. Ratkjes Werke wurden unter anderem schon von der Oslo Sinfonietta, dem Norwegischen Radioorchester, Arve Tellefsen, den Streichquartetten Cikada und Vertavo sowie Quatuor Renoir aufgeführt. 2003 übernahm sie eine Hauptrolle in einer von ihr selbst geschriebenen Oper, die auf Texten aus den Nag-Hammadi-Schriften basierte. Für ihre Kompositionen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den  norwegischen Edward Award für die beste Komposition des Jahres und den Arne-Nordheim-Preis.