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13.12.2006

Yellow Lounge: Doppelte Bescherung

Yellow Lounge: Doppelte Bescherung

Die Szenerie wirkt schon etwas sonderbar, am nördlichen Ende des  Alexanderplatz. Ein Pulk von etwa 100 Leuten drängelt sich am Dienstag  Abend, kurz vor neun vor dem Eingang eines eher unverdächtigen Bürohochhauses, zwischen der "Atlas Reisewelt" und einer Telekom-Filiale. Nicht jeder weiß, dass sich zwölf Etagen aufwärts einer der wichtigsten Berliner Clubs befindet, das "Weekend". Die Sache mit der Yellow Lounge scheint sich allerdings rumgesprochen zu haben, seit sich Sting beim letzten Mal höchstpersönlich die Ehre gab, hat der einstige Klassik-Geheimtipp im Berliner Nachtleben offenbar weitere Kreise gezogen.

Nachdem die Yellow Lounge zuletzt an ganz verschiedenen Orten gastierte, u.a. in der Deutschen Oper und in der "Maria" am Ostbahnhof, begab man sich heute also wieder in die Stammlocation über den Dächern Berlins. Motto des Abends: "2x4". Hinter dem einfachen Zahlenspiel verbarg sich das Aufeinandertreffen zweier renommierter Klangkörper, Fauré Quartett und Emerson String Quartett. Letztere waren gerade in der Stadt und gaben am Dienstag zunächst ein umjubeltes Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie. Als die vier Amerikaner dann um halb elf im Konzert-Smoking die Bühne des Weekend betreten, werden sie von den rund 400 anwesenden Nachtschwärmern euphorisch empfangen. Mendelssohn, Ives und Beethoven haben sie mitgebracht und das Publikum wirkt geradezu elektrisiert vom hohen Niveau der Darbietung. Die Quartett-Altmeister selbst scheinen an diesem Tapetenwechsel ebenso ihre Freude zu haben. Auch wenn die Akustik hier im 12. Stock nicht gerade mit einem Konzertsaal vergleichbar wäre, der Abstand zum Publikum höchstens einen Meter beträgt und die Raumtemperatur deutlich höher liegt. Clubatmosphäre eben.

Umjubelt ist dann auch der Auftritt des Fauré Quartetts, das bereits zum zweiten Mal ein Gastspiel in der Yellow Lounge absolviert. Nachdem die vier Musiker mit einem äußert lebendigen Mozart den zweiten Teil des Abends eröffnen, erklingt ein Satz aus dem Klavierquartett op.45 ihres Namensgebers Gabriel Fauré. Und dessen schwebende Stimmung passt nur zu gut an diesen Ort: wo die einen an der Bar leicht verträumt an ihren Cocktails nippen, die anderen den Blick über die nächtliche Hauptstadt genießen - und wo alle ein bisschen berauscht sind, von der klassischen Musik.