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29.11.2006
Wolfgang Amadeus Mozart

Weniger ist mehr

Wolfgang Amadeus Mozart, Weniger ist mehr

In Salzburg sind sie wohl bekannt. Schon während der Ära Mortier inszenierten Ursel und Karl-Ernst Herrmann die Opern "Idomeneo" und "La Clemenza di Tito" für die renommierte Festspielbühne. Deshalb war es klar, dass einige ihrer Arbeiten auch im Rahmen des ehrgeizigen "M 22"-Projekts auf die Bühne kommen würden. Die Aufführungen gaben der Entscheidung in mehrfacher Hinsicht recht. Denn das Herrmann-Duo erwies sich als Meisterteam der Reduktion. Inszenierungen, Bühnenaufbau, Kostüme - alles kam mit dem Wesentlichen, Symbolischen aus und gab der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart dadurch nur noch mehr Kraft, als sie eh schon hatte. Und diese vor allem auf den Personenkonstellationen aufbauende Energie war nicht nur live diesen Sommer im Schauspielhaus zu spüren, sondern transportiert sich auch über das Medium DVD, mit dem "Cosi fan tutte" und "Idomeneo" nun auch im Heimkino zu erleben sind.

Da gibt es zwei Paare, Dorabella (Sophie Koch) und Ferrando (Shawn Mathey) und Fiordiligi (Ana Maria Martinez) und Guglielmo (Stéphane Degout), beide kennen sich schon lange, haben aber bislang gezögert, sich dauerhaft zu binden. Alfonso (Sir Thomas Allen) nun schlägt den beiden Männern vor, es doch mit einer Prüfung der Frauen zu versuchen, wenn sie sich deren Liebe nicht sicher sein sollten. Sie einigen sich auf eine Wette und das Possenspiel um die Gefühle beginnt. Ferrando und Guglielmo geben vor, in den Krieg zu ziehen, tauchen aber wenig später als exotische Albanier verkleidet wieder auf und machen den Frauen den Hof. Die wiederum weigern sich standhaft, auf deren Avancen einzugehen und erst ein gemeinsamer vorgetäuschter Liebesselbstmord der Herren, den die kupplerische Despina (Helen Donath) als Arzt verkleidet wieder auflöst, bringt die Gefühle der beiden Damen in Wallung. Wirklich kritisch wird es aber, als im zweiten Akt Guglielmo sich mit Dorabella zu Ferrandos Verzweiflung einzulassen beginnt. Zwar löst sich ganz am Ende die Situation in Wohlgefallen auf, als alle Beteiligten sich die gegenseitige Camouflage gestehen. Als Gewinner der Situation geht jedoch niemand hervor, denn allen ist klar, dass sie haarscharf an der persönlichen emotionalen Katastrophe vorbei geschliddert sind: "Cosi fan tutte", doch nur auf Kosten des Gefühls. Und die Herrmanns haben diese eh schon zynische Vorlage da Pontes mit raffinierter Bildsprache zugespitzt. Kaum Requisiten, klare Kostüme von der weißen Unschuld bis zum schwarzen Frack des Sarkasmus, viel Raum also für die Akteure - das tut der Handlung gut und transferriert das Spiel mit der Liebe souverän auf die Ebene des Allgemeingültigen.