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01.11.2006

Unendliche Weiten ...

Unendliche Weiten ...

Streng genommen ist es unmöglich, aber man versucht es dennoch. Die Zusammenstellung "Selected Classics" bietet auf einer CD das Beste der Klassik zum günstigen Kennenlernpreis. Im Mittelpunkt stehen die aktuellen Veröffentlichungen der vergangenen Wochen und Monate, die ein beachtliches Spektrum stilistischer Vielfalt präsentiert haben. Da findet sich zum Beispiel das "Adagio" aus Mozarts  "F-Dur Klaviersonate" in der enigmatischen Interpretation durch den späten Friedrich Gulda. Oder Cecilia Bartolis "Lascia la spina, cogli la rosa" aus Händels Oratorium "Il Trionfo del Tempo e del  Disinganno HV 46a". Oder auch Hilary Hahns Interpretation des "Allegro Molto" aus Spohrs "Violin Concerto No.8 in A minor, Op.47". In insgesamt 18 Kapiteln führt die Compilation durch die spannende und außergewöhnliche Welt der Klänge von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert und ist zugleich ein Hors D'Oeuvre für die eigentlichen Inhalte, die hinter der Schnupper-CD stehen. Denn jeder Titel der "Selected Classics - Best Of" verweist auf eine eigenständige Aufnahme, die von den Spezialisten des deutschen Schallplattenfachhandels empfohlen wird.

Und da gibt es viel zu entdecken. Zum Beispiel die "Dragon Songs" des chinesischen Starpianisten Lang Lang, die ihn zu seinem kulturellen Ursprüngen zurückführen, und von Manfred Adamek (Saturn Berlin) als großer Wurf einschätzt werden: "Neu, anders, exotisch. Endlich einmal macht sich ein asiatischer Top-Pianist die Mühe, auch asiatische Klaviermusik einzuspielen. Wenn der Pianist Lang Lang heißt und das gewählte Repertoire nicht nur bedeutende, sondern beschwingte und auch für europäische Ohren gut hörbare Musik aus seinem Heimatland China ist, Musik, die Lang Lang seit seiner Jugend studiert hat, dann steht dem Hörer eine aufregende klangliche Entdeckungsreise bevor. Herausgekommen ist eine CD, wie sie spannender und faszinierender nicht sein könnte."

Wirklich Aufsehen und Reaktionen von euphorischer Begeisterung bis schäumender Ablehnung erntete wiederum die Aufnahme "Songs from the Labyrinth", mit der sich der Popsänger Sting in die melancholische Renaissance-Welt von John Dowland begibt. Für Michael Gayer (Saturn Aachen) ist es ein rundum gelungenes Experiment: "John Dowlands Liedkompositionen sind für ihn "die Popsongs des 17. Jahrhunderts", sagt Sting -und so geht er sie auf diesem Album, nur begleitet vom Klang einer Laute, auch an. Dass das Ergebnis zugleich nach Alter Musik und nach Sting klingt, ist faszinierend. Über zwanzig Jahre hat er sich Dowland genähert, hat Gesangsunterricht an der Schola Cantorum in Basel genommen und Laute spielen gelernt, was er in einem Duett mit seinem Kollaborateur Edin Karamazov, einem der besten europäischen Lautenisten, überzeugend zeigt. Im Begleittext erläutert Sting seinen Ansatz und berichtet, wie in über 20 Jahren die Idee zu diesem ungewöhnlichen Ausflug in ihm gewachsen ist."

Noch ein Geheimtipp, deshalb aber nicht minder interessant, ist hingegen die Einspielung von Beethovens Fünfter, die der junge Gustavo Dudamel mit dem Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela verwirklicht hat. Ein gelungener Einstieg in die internationale Dirigentenklasse, meint dazu  Cord Dierking (Schmorl & Von Seefeld): "Gustavo Dudamel und das Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela liefern ein begeisterndes CD-Debüt ab und bestätigen ihre Mentoren Claudio Abbado und Sir Simon Rattle auf ganzer Linie: Tatsächlich ist die mittlerweile weltbekannte nationale Jugendförderung in Venezuela nicht nur humanistisch wertvoll, sie produziert auch Musiker, die das Zeug zu einer Weltkarriere haben. Dudamel beherrscht bereits die große sinfonische Linie, sein Beethoven birst vor Energie und Spielfreude, seine Interpretation meistert auch die leisen Töne mit Bravour. Vielleicht kündigt sich hier der große Dirigent der Zukunft an."

Und ein wahrhaftiger Meilenstein ist für Helge Riemer (Chateau Disc) gar die aktuelle Aufnahme "Betrachte, meine Seel", mit der Thomas Quasthoff sich den Wunsch eines Albums mit seinen Lieblingsarien verwirklicht hat: "In den letzten zwanzig Jahren hat kein anderer Bass-Bariton eine Sammlung geistlicher Arien aufgenommen. Thomas Quasthoff vermittelt ein großes, spirituelles Musikerlebnis - er lässt die sakrale Musik Bachs, Händels und Mendelssohn Bartholdys mit einer einmalig warmen Stimme erklingen. Als wahrheitssuchender und philosophischer Musiker agiert er streng in der Anwendung klarer Linienführung und absoluter Textverständlichkeit. Auch die Spirituals am Ende der CD gehören zu den Höhepunkten dieses Albums: Kaum ein anderer europäischer Sänger weiß so überzeugend in die Welt des Gospels einzutauchen. Man schließt die Augen und könnte in Mississippi sein..."  So bieten die "Selected Classics" einen Überblick der besonderen Art, im Großen wie im Kleinen - und natürlich so machen Tipp für den Gabentisch.

Weiterführende Informationen zu den Künstlern und Produkten, finden Sie "Selected Classics 2006" Feature von KlassikAkzente.