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25.10.2006

Melodisches aus aller Welt

Melodisches aus aller Welt

Das 20. Jahrhundert gilt als schwierig. Klangexperimente, aber auch politische und gesellschaftliche Erfahrungen haben die zeitgenössischen Komponisten zu immer höherer Abstraktion vorangetrieben, die nicht immer im Sinne des Hörgenusses ausfiel. Und doch gibt es zahlreiche melodisch zugänglichere Werke, die häufig von weniger geläufigen Komponisten stammen. Ein kleiner Überblick über die Wiederveröffentlichungen aus dem Hause Koch Classics führt daher von Neuseeland über Russland und England bis nach Amerika und von Künstlern wie David Hamilton und Malcolm Arnold bis hin zu Samuel Barber oder Alexander Glazunov.

Neuseeland ist ein Land der sanften Widersprüche. Malerische Landschaften und einzigartige Fauna und Flora auf der einen Seite, britisch geprägter Urbanismus im postkolonialen Streit mit der einheimischen Kultur der Maori auf der anderen prägen das kulturelle Empfinden des kleinen Inselstaats an der Ostküste Australiens, dem bereits zahlreiche international renommierte Künstler wie die Sopranistin Kiri Te Kanawa oder die Engelsstimme Hayley Westenra entwachsen sind. Das Programm von "Kiwi Flute" dokumentiert nun eine weitere Facette der neuseeländischen Klangkultur. Denn es stellt Werke für Flöte und Orchester aus den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten vor, die von den einheimischen Komponisten Anthony Ritchie, John Ritchie, Chloe Moon und David Hamilton geschrieben wurde. Charakteristisch ist der ausgeprägte Farbenreichtum, überhaupt ein tendenziell klangmalerisches Element, das durch die zugleich subtil und virtuos wirkende Flöte von Alexa Still und das ausgezeichnet changierende New Zealand Symphony Orchestra unter der Leitung von James Sedares  ungemein präsent erscheint.
 
Bereits in den fünfziger Jahren entstanden die sinfonischen Werke des englischen Komponisten Malcolm Arnold. Geboren 1921 in Northampton, schlug er zunächst eine Laufbahn als Trompeter ein, die ihn bereits in den Vierzigern zum Stimmführer des London Philharmonic Orchestra machten. Ein Stipendium ermöglichte ihm kurz darauf ein Kompositionsstudium in Italien und so konzentrierte er sich während der folgenden Jahre auf seine gestalterische Arbeit. Es entstanden zahlreiche Auftragswerke, unter anderem auch die Filmmusik zu "Die Brücke am Kwai", für die Arnold mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Das Programm der Aufnahme des San Diego Chamber Orchestras unter der Leitung von Donald Barra setzt sich darüber hinaus aus zwei Sinfonietten, einer Serenade und dem "Konzert für zwei Violinen und Orchester, op.77" (Solisten Igor und Vesna Gruppman) zusammen und dokumentiert Arnolds stimmungsvoll klangfarbenreiche und zugängliche Arbeiten mit empathischer Brillanz.
 
Ebenfalls deutlich in der musikalischen Klangwelt der Romantik verwurzelt, wenn auch in der Klangsprache moderner als Arnold, sind die Werke für Streichquartett, die das Chester Sting Quartet für seine 1990 aufgenommene CD zusammengestellt hat. Sie stammen von Walter Piston, Quincy Porter und Samuel Barber und spannen einen weiten Bogen von kammermusikalischer Introvertiertheit bis nachdrücklicher Expressivität. Dabei erweist sich das aus der Eastman School of Music hervorgegangenen Chester String Quartet als subtil agierendes Ensemble mit ausgeprägtem Gespür für die Eigenklang-Charakteristika und die rhythmischen und dynamischen Finessen der drei sehr unterschiedlichen Werke.
 
Die Sammlung "Russische Hornkonzerte" schließlich  führt auf die andere Seite des Ozeans in eine ausgesucht melodische Welt mit zahlreichen Verweisen auf die mitteleuropäische Romantik. In der Folge der seit der Gründung des St. Petersburger Konservatoriums 1862 florierenden Horntradition, die zahlreiche renommierte Musiker in die Zarenstadt zog, entstanden die Werke von Alexander Glazunov, Vissarion Shebalin und Reinhold Gliere, die sich im folgenden Jahrhundert mit den lyrischen und virtuosen Möglichkeiten des einst als träge eingeschätzten Instrumentes auseinander setzten. In den Jahren 1992 und 1993 wiederum erinnerte sich die aus dem Kölner Raum stammende Hornistin Marie Luise Neunecker an diese nahezu vergessenen Meisterwerke der melodischen Gestaltungstradition und setzte sie zusammen mit dem Pianisten Paul Rivinius  und den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Werner Andreas Albert für eine CD-Aufnahme um. Ein wunderbares Dokument eines selten im solistischen Zusammenhang präsentierten Instrumentes, voll lyrischer und atmosphärisch dichter Momente.