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27.09.2006

Klassiker der leichten Muse

Klassiker der leichten Muse

Fritz Wunderlich war noch keine 36 Jahre alt, als er in Heidelberg bei einem Treppensturz auf tragische Weise verunglückte. Die Welt verlor einen der größten Sänger ihrer Zeit, der sich eben erst auf dem Weg an die Spitze seines Tenorfachs gemacht hatte. Am 17. September jährte sich dieses traurige Ereignis zum 40.Mal, seine Aufnahmen, die er für die Deutsche Grammophon und verwandte Plattenfirmen verwirklicht hatte sind bis heute unvergessen. Denn Wunderlich hatte das Talent, nicht nur menschlich und natürlich zu klingen, sondern auch nahezu jede Melodie in ein Hörerlebnis verwandeln zu können. Das galt sogar für die Schlager seiner Jahre, die ihn mit Programmen wie "Du bist die Welt für mich" weit über den Fankreis der Opern- und Kunstliedliebhaber hinaus bekannt machten.

Fritz Wunderlichs künstlerische Laufbahn kam ungewöhnlich rasant in Schwung. Am 26. September 1930 im pfälzischen Kusel als Sohn eines Kapellmeisters und einer Geigerin geboren, zeigte der Knabe schon in Kindertagen eine ungewöhnliche musikalische Begabung. Die Eltern ließen ihm daher eine profunde klassische Ausbildung zukommen, die sich Wunderlich allerdings selbst mitfinanzierte, indem er ein Tanzorchester leitete. An der Freiburger Musikhochschule kam er über seine Lehrerin Margarethe von Winterfeldt zunächst mit der Alten Musik und den Kompositionen des Barocks zusammen. Seit seinem Debüt in Stuttgart mit dem Tamino in der "Zauberflöte" 1955 aber wurde er als Opernsänger bekannt und mit Belmonte, Graf Almaviva, Alfredo, Lesnki oder Palestrina assoziiert. Wunderlich schaffte spielend den Einstieg in die italienische Oper, sang Geistliches von Johann Sebastian Bach ebenso souverän wie Zeitgenössisches von Carl Orff und Werner Egk. Er wurde zum Dauergast an der Wiener Oper, dem Covent Garden, der Städtischen Oper Berlin, debütierte Debüt 1959 bei den Salzburger Festspielen als Henry in "Die schweigsame Frau" von Richard Strauss unter Karl Böhm und gehörte von 1960 an zwei Jahre lang dem Ensemble der Münchner Oper an. Darüber hinaus etablierte er sich auf den Kammermusikbühnen mit seinen Liedprogrammen, die von den Kennern bald als der eigentlichen Wunderlich geschätzt wurden.
 
Wirklich bekannt aber wurde er mit populären Liedern, die ihn mit Sammlungen wie "Ein Lied geht um die Welt" oder auch "Du bist die Welt für mich" einem breiten Publikum nahe brachten. Wunderlich hatte keine Berührungsängste mit der vermeintlich leichten Muse, im Gegenteil. Er sang Melodien wie "Ich küsse ihre Hand, Madame" mit der Leichtigkeit eines Charmeurs, die jedes Frauenherz höher schlagen ließ. In Zeiten, wo Teenager beim Anblick der Beatles in Verzückung ausbrachen, bezauberte Wunderlich deren Mütter mit Evergreens wie "Still wie die Nacht!", "Granada" oder "Eine kleine Frühlingsweise". An seiner Seite hatte er mit dem Symphonie-Orchester Graunke eines der erfahrensten Ensembles für populäre Klänge dieser Jahre, das ihm auch 1965 für die Aufnahmen von "Du bist die Welt für mich" unter der Leitung von Hans Carste zum passenden akustischen Gewand verhalf. Das Album entwickelte sich schnell zu einem Verkaufsschlager und es ist nun in der Reihe "Klassik unter Sternen" wieder erhältlich. Für die CD-Version wurden die Originalaufnahmen einer behutsamen Klangbearbeitung unterzogen, damit sie unter den verbesserten Wiedergabebedingungen der Gegenwart optimal wirken können. Die Cover-Art der Langspielplatte wurde übernommen und so präsentiert sich Wunderlich in bestmöglicher Form als ein Klassiker der geschmackvollen Unterhaltung.