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27.09.2006

Entdeckung der Gegenwart

Entdeckung der Gegenwart

Ein Jahrhundert wird besichtigt. Und es hat noch viele Überraschungen zu bieten. Denn obwohl sie eigentlich weitaus besser dokumentiert sein müsste, als die vielen Epochen vor ihr, gehört die Zeit von etwa 1900 bis in die Gegenwart zu den musikalischen Landkarten, die viele weiße Flecken aufweist. Schließlich wurden nicht nur die Aufnahmetechniken besser und veränderten sich nicht nur die Informationsflüsse rund um den Globus. Die Vielfalt der musikalischen Ausdrucksformen sorgte zugleich auch für eine neue Unübersichtlichkeit, in der so mancher kühne Geist durch die Maschen des kulturellen Netzes schlüpfte.

Aus diesem Grund wurde bereits 2005 die Reihe "MoMu" ins Leben gerufen, die sich mit umfangreichen Veröffentlichungen dem 20.Jahrhundert widmete. Nun wird sie fortgesetzt mit "MoMu II" und der Reihe "Club 100". Die Resonanz war enorm. Als im vergangenen Jahr das virtuelle "MoMA (Museum Of Modern Art) Of Music" eröffnet wurde, stieß es sofort auf große Akzeptanz. Immerhin, es war ja nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt worden. 50 CDs umfasste die Reihe der "MoMu" (kurz für "Moderne Musik"), außerdem wurde ein anspruchsvoll gestalteter Doppel-CD-Sampler "MoMu - Meisterwerke des 20.Jahrhunderts" als Appetizer dazugesellt. Hintergrund der Serie war der Gedanke, sich ähnlich dem realen New Yorker "Museum Of Modern Art" intensiv der Pflege des kulturellen Erbes des 20.Jahrhunderts zu widmen und dabei sowohl die bereits etablierten Persönlichkeiten der Musik, als auch die vergessenen Figuren angemessen zu würdigen. Dabei stellte sich heraus, dass noch lange nicht alles ausgeforscht war und so wurde beschlossen, die Reihe fortzusetzen. "MoMu II" umfasst 25 CDs und einen Sampler mit dem Untertitel "Erfolge und Entdeckungen". Und es fasst den Begriff der modernen Musik möglichst weit ohne die stilistischen Eingrenzungen, die sich während der fünfziger Jahre im Anschluss an die Bewegung der Atonalität und Dodekaphonik eingebürgert hatte.
 
Das Konzept weist dabei in zwei Richtungen. Zum einen sollen junge Komponisten vorgestellt werden, die mit ihrer Werken sich in der internationalen klassischen Szene beweisen können. Wie etwa der Argentinier Osvaldo Golijov, der von der britischen Presse bereits als der "Amerikas sensationellester Komponist" (Daily Telegraph) gepriesen wurde. Er stellt mit "Ainadamar" seine erste Oper vor, eine leidenschaftliche Mischung aus barocken Traditionen und sephardischen Vokalisen, lateinamerikanischen Impressionen und präsenten Rhythmen. Das zweite Standbein der Serie ist die Untergruppe "Club 100". Der Titel steht schlicht für die 100 Jahre, die viele Komponisten des vergangenen Jahrhunderts bereits geworden wären, und stellt in der ersten Folge beispielsweise den vollkommen zu Unrecht vergessenen deutschen Künstler Gerhard Frommel (1906-1984) vor. Im Schatten von Schönberg und dessen dominanter Gefolgschaft schaffte es der Schüler von Hans Pfitzner nicht, sich gegenüber der Konkurrenz dauerhaft durchzusetzen. Sein Ansatz, der dem Tonalen und Melodischen einen großen Raum zugestand, trotzdem aber sich von den Zwängen der Spätromantik befreien konnte, passte nicht ins Bild des ästhetischen Widerstandes, das die Nachkriegszeit bestimmte. Für den "Club 100" wurden sein "Konzert für Klavier, Klarinette und Streichorchester op.9, h-Moll" und die "Sonate Nr.6, B-Dur" mit Tatjana Blome als Solistin neu aufgenommen und mit einem Interpretationsklassiker von Martha Argerich gekoppelt, die sich dem "Klavierkonzert op.35" von Dimitri Schostakowitsch, einem anderen Hundertjährigen dieses Jahres widmete. Zusammen ergibt die Reihe "MoMu II" einen raffinierten und farbigen Einstieg in eine Epoche, die vielgestaltiger kaum sein könnte.

Weitere Informationen zur MoMu und Club 100 finden Sie unter www.moderne-musik.de.