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02.08.2006

Isaac Albeniz - Pepita Jiménez: Das missachtete Meisterwerk

Isaac Albeniz - Pepita Jiménez: Das missachtete Meisterwerk

Überall in Europa hatte der Trend Fuß gefasst. Die Oper war zum Ausdruck eines rasant wachsenden Nationalstolzes geworden und brachte vor allem in Italien, Frankreich, Deutschland und Russland erstaunliche Meisterwerke hervor. In Spanien hingegen fanden sich nur wenige Beispiele einer vergleichbaren Entwicklung, vielleicht auch, weil es dort bereits funktionierende einheimische Musikkulturen gab. So gehört Isaac Albéniz zu den ersten Komponisten, die sich Ende des 19.Jahrhunderts ernsthaft mit diesem Genre auseinandersetzten und mit Opern wie "Pepita Jiménez" den Versuch wagten, mit den Wagners und Verdis seiner Zeit zu konkurrieren.

Schuld war auch die Zarzuela. Vermutlich benannt nach dem gleichnamigen königlichen Lustschloss in Madrid, war sie als dialogisches Singspiel seit dem 17.Jahrhundert zunächst in bürgerlichen und aristokratischen Kreisen beliebt. Verdrängt von der auch in Spanien sehr populären italienischen Oper im 18.Jahrhundert erlebte sie von etwa 1850 an eine beachtliche Renaissance. Die zunächst zweiaktige Form erweiterte sich, neben ernsten Sujets kamen auch burleske Themen im volkstümlichen Género chico hinzu. So hatte sich die Zarzuela zu einer in den einfachen Schichten beliebten Unterhaltungsform entwickelt, die unter Hinzunahme folkloristischer musikalischer Themen bereits eine ähnliche Funktion erfüllte wie die Nationalopern der Nachbarstaaten, wenn sie auch weniger ideologisch aufgeladen war als bei den europäischen Nachbarn. Für den jungen Klaviervirtuosen und Komponisten Isaac Albéniz (1860-1909) war es daher zunächst uninteressant, sich an einer Form zu versuchen, die der bereits vorhandenen Tradition Konkurrenz machen könnte. Außerdem war er viel zu sehr damit beschäftigt, seinen eigenen Ruhm als Instrumentalist zu mehren, um sich ausgedehnter Werke anzunehmen. Schließlich war Albéniz einer der berühmtesten Pianisten seiner Generation, ausgebildet in Leipzig und Brüssel, konzerterfahren durch Tourneen, die ihn bis nach Puerto Rico und Kuba führten. Fasziniert von Franz Liszt, dem er 1880 in Budapest begegnete, konzentrierte er sich zunächst auf die Vervollkommnung seiner pianistischen Fertigkeiten.
 
Um 1890 herum allerdings war der Punkt erreicht, wo der junge Mann mit der restaurativen Politik in seiner Heimat nicht mehr zufrieden war. Er zog für drei Jahre nach London, etablierte sich dort als Konzertvirtuose, aber auch als Komponist von Bühnenwerken. Er lernte den Autor und Librettisten Francis Burdett Money-Coutts kennen, der die Textvorlagen für seine Opern kreieren sollte. Für "Pepita Jiménez" etwa griff er auf eine Novelle des populären Autors Juan Valera zurück, die er für die Opernbühne dramatisierte. Es war ein einfacher Stoff, der sich um die verwickelte, aber zuletzt glückliche Liebesgeschichte zwischen Don Luis de Vargas und der jungen Witwe Pepita Jiménez drehte. Die Premiere fand am 5. Januar 1896 im Gran Teatre del Liceu von Barcelona statt, die Kritiker mochten zwar das Libretto nicht, priesen aber die Musik. Im folgenden Jahre wurde das Stück in Prag aufgeführt, allerdings blieb es nicht im Repertoire, wie es sich Albéniz gewünscht hatte. Und so konnte man es in den folgenden Jahrzehnten zwar immer wieder einmal auf internationalen Bühnen antreffen, eine kontinuierliche Aufführungstradition allerdings stellte sich nicht ein.

Umso wichtiger ist es, dass nun mit der im Juli 2004 und Juni 2005 entstandenen Studio-Aufnahme aus dem Teatro Bulevar in Torrelodones, Madrid, zum ersten Mal eine vollständige Einspielung des Werkes entstand, die nach den Erkenntnissen der Forschung mit bestmöglicher Besetzung verwirklicht wurde. Für den Don Luis konnte Startenor Plácido Domingo gewonnen werden, seine Herzensdame Pepita wurde von Carol Vaness dargestellt. Als Ensemble stand das Orchesta y Coro de la Comunidad de Madrid unter der Leitung von José de Eusebio zu Verfügung. So wurde mit Kompetenz und Begeisterung eine Lücke im musikalischen Repertoire geschlossen, die eine bedeutende Seitenlinie der europäischen Operngeschichte dokumentiert.