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26.07.2006
Karl Böhm

Karl Böhm - Mozart-Box: Alte Schule

Karl Böhm, Karl Böhm - Mozart-Box: Alte Schule

Karl Böhm war ein ernster Mensch, seriös bis zur Unnachgiebigkeit. Das machte ihn in den Augen vieler Menschen zu einem geschätzten, unter Musikern zuweilen gefürchteten Dirigenten, dessen Werktreue keine Zweifel zuließ. Im Fall von Mozart verfocht er eine Vorstellung von Klarheit und Direktheit, die sich grundsätzlich von romantisierenden und sentimentalen Interpreten seiner Generation unterschied. Böhm galt als Referenz, als Autorität in Sachen Originalität und seine Dirigate der Sinfonien waren lange Jahre Standard. Für die Filmfirma Unitel begab er sich Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre ins Studio, um einige der wichtigsten Orchesterwerke Mozarts vor laufender Kamera aufzunehmen. Anlässlich des Jubeljahres sind sie nun in einer 3DVD-Box wieder erhältlich, eine außergewöhnliche Zusammenstellung mit musikgeschichtlicher Bedeutung.

Karl Böhm war ein ungewöhnlicher Maestro. Am 28. August 1894 in Graz als Sohn eines Rechtsanwalts geboren, studierte zunächst Jura, wechselte nach der Promotion jedoch zur Musik und studierte Klavier und Musiktheorie in seiner Heimatstadt. Am Wiener Konservatorium wurde er von Eusebius Mandyczewski unterwiesen, der zum engen Kreis um Johannes Brahms gehörte, erste Anstellungen führten ihn 1917 als Repetitor an der Oper in  Graz. 1919 wurde er dort zum 2.Kapellmeister, 1920 zum 1.Kapellmeister ernannt. Um diese Zeit begegnete er zum ersten Mal dem Dirigenten Bruno Walter, der ihn daraufhin 1921 nach München an das dortige Opernhaus holte und ihn bald auch ans Pult ließ. Böhm wurde außerdem zum Generalmusikdirektor von Darmstadt ernannt, ging 1931 er in der gleichen Funktion nach Hamburg. Als Dirigent weitgehend Autodidakt, hatte er sich bereits soweit einen Namen gemacht, dass er 1933 zum ersten Mal in Wien Wagner dirigieren durfte. In Hamburg wurde er zum Professor ernannt und trat die Nachfolge von Fritz Busch in Dresden an, der vor den Nationalsozialisten ins Ausland geflüchtet war. Im Jahr 1938 wurde Böhm erstmals nach Salzburg eingeladen und dirigierte bei den Festspielen den "Don Giovanni", 1943 übernahm er für ein Jahr die Leitung der Wiener Oper.
 
Nach und nach entwickelte er sich zum Spezialisten für Mozart, kümmerte sich darüber hinaus aber auch um zeitgenössische Musik. Anno 1954 kehrte er an die inzwischen wiederaufgebaute Wiener Staatsoper zurück und brillierte 1957 mit dem "Don Giovannni" an der Met. Im Jahr 1962 wurde er nach Bayreuth eingeladen, stellte sich dort als Interpret von "Tristan und Isolde" vor. Er leitete den "Fidelio" in Tokio (1965), gab Gastspiele in Moskau, war vor allem als sensibler und  perfektionistischer Interpret der Werke von Mozart, Strauss und Wagner bekannt, widmete sich aber außerdem auch intensiv Beethoven und Bruckner. Er dirigierte zahlreiche renommierte Ensembles, behielt aber vor allem zu den Wiener Philharmonikern ein besonderes Verhältnis, mit denen er rund 450 Konzerte und zahlreiche Opernabende, Schallplatten- und auch Filmaufnahmen verwirklichte. 1967 wurde er zum "Ehrendirigenten" des Orchesters ernannt. Zu seinen Alterswerken zählte unter anderem eine vollständige Einspielung der Symphonien von Mozart, die er 1974 vollendete. In diesem Zusammenhang entstanden auch die Aufnahmen zu der 3DVD-Edition "Karl Böhm - Mozart Symphonies", die einen Ausschnitt dieser Arbeit dokumentieren und durch ein einstündiges Filmportrait ergänzen. Einmal mehr erkennt man in dem bereits über 70jährigen einen minutiösen Klangarbeiter, der mit kleinen, manchmal kaum wahrnehmbaren Gesten die Wiener Philharmoniker durch den komplexen Stoff der Symphonien führt. Für die DVD-Ausgabe anhand der Originalbänder in 5.1 DTS Surround Sound (wahlweise PCM Stereo) remastered, zeigt hier noch einmal die Alte, von der historischen Aufführungspraxis weitgehend unbeeindruckte Schule, zu welchen künstlerischen Höhenflügen sie in der Lage war - ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Mozart-Kultur, die das Jubiläumsjahr 2006 prägt.