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19.07.2006

Concerto Köln - Mozart: Nicht nur Nachtmusik

Concerto Köln - Mozart: Nicht nur Nachtmusik

Der Vorteil eines Jubeljahres ist unter anderem, dass nicht nur die gängigen Werke eines Komponisten wahrgenommen und behandelt werden, sondern dass die Spezialisten ihres Fachs sich auch ein wenig weiter in die Archive wagen, um ungewöhnliche und ungewohnte Klänge eines Meisters zu erforschen. Das Concerto Köln zum Beispiel gehört seit zwei Jahrzehnten zu den international anerkannten Ensembles für historischen Aufführungspraxis und gilt außerdem als besonders bewandert in Sachen Mozart. So liegt es nahe, dass sich die Musiker zum 250. Geburtstag des berühmten Salzburgers verschiedener berühmter und kaum bekannter Werke annehmen, die sie nun auf einem Album gegenüber stellen.

Das Concerto Köln wurde 1985 als Orchester mit historischen Instrumenten gegründet, um ein Forum zu haben, die wachsenden, von der Musikwissenschaft erforschten Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis auf der Bühne umzusetzen. Die künstlerische Leitung übernahm der Kölner Geiger Werner Ehrhardt, ein Schüler von Franzjosef Maier an der Hochschule Köln. Nach den ersten Konzerte auf regionaler und nationaler Ebene, kamen bereits 1986 Tourneen ins Ausland zustande, die das Ensemble nach Griechenland, Frankreich und Algerien führten. Im folgenden Jahr war das Concerto Köln bei den Schwetzinger Festspielen, den Berliner Bach-Tagen und dem Printemps des Arts de Monte Carlo zu Gast. Aus der studentischen Initiative war ein ernst zu nehmendes Orchester geworden, das sich auch mit Rundfunk- und TV-Aufnahmen bewährte. 1988 kam es zu ersten Auftritten bei renommierten Festivals der Sparte wie den Internationalen Festtagen Alte Musik Stuttgart. Im folgenden Jahr wurde das Orchester zu Konzerten bei den Londoner Proms in der Royal Albert Hall sowie im Amsterdamer Concertgebouw eingeladen. Der Bekanntheitsgrad war bereits soweit gestiegen, dass es von da an regelmäßig in großen europäischen Konzerthäusern und bei internationalen Festspielen unter anderem in Salzburg, Luzern, Schleswig-Holstein, Berlin, Montreux und Aix-en-Provence zu hören war.  Außerdem initiierte es in Zusammenarbeit mit dem DeutschlandRadio die Festtage Alte Musik Köln. Diese alljährlich stattfindende Veranstaltungsreihe entwickelte sich schnell zur Plattform für die Präsentation der neuesten musikalischen Entdeckungen des Orchesters.
 
Und so wundert es wenig, dass auch das schlicht "Mozart" betitelte aktuelle Album des Ensembles in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandradio im Sendesaal des kulturell engagierten Hörfunkkanals in Köln entstanden ist. Das Konzept des Programms ist ebenso einsichtig wie vielfältig. Die Einleitung und den Schluss der Aufnahmen bilden bekannte Werke, die Ouvertüre zur "Zauberflöte" und die "Kleine Nachtmusik". Beide wurden vor allem in der Instrumentierung anhand der historisch rekonstruierbaren Vorgaben der Manuskripte verwirklicht, was etwa im Fall der berühmten Serenade bedeutete, dass sich das Ensemble für eine plausible, orchestrale Version in der Streicherbesetzung der verschiedenen Varianten entschied. Kaum geläufig hingegen ist die im Mai 1778 in Paris entstandene Opern/Ballettmusik zu "Les Petits Riens", unter anderem aus Gründen der Urheberschaft, die nicht in allen Teilen des Werkes eindeutig geklärt ist. Nichtsdestotrotz stellt es ein lebhaftes Dokument des jugendlichen Mozart'schen Schaffensdranges dar, das vor vitaler Funktionalität nur so überschäumt. Ebenfalls kaum bekannt ist die Ouvertüre zu den 1786 entstandenen Einakter "Der Schauspieldirektor", wohingegen die "Gran Partita" (1781/2) und das "Divertimento in D-Dur" von 1772 sich zuweilen in den Programmen ausgesuchter Orchester wieder finden lassen. Im Ganzen ergibt sich auf diese Weise ein Streifzug durch die verschiedenen Schaffensperioden, der sowohl den berühmten wie den unbekannten Komponisten vorstellen und auf diese Weise dem Mozart-Jahr eine weitere spannende musikalische Facette hinzufügen.