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19.07.2006

Hui Buh - Soundtrack: Grusel-Parade

Hui Buh - Soundtrack: Grusel-Parade

Erst kam das Radio, dann die Schallplatte und Hörspielkassette, schließlich mit einiger Verspätung der passende Kinofilm. "Hui Buh - Das Schlossgespenst" ist eine Erfolgsgeschichte der Nachkriegszeit, mehr als 20 Millionen Tonträger der Serie wurden bis heute verkauft, 23 Hörspiele produziert und sieben Bücher geschrieben. Bei so viel Vorgeschichte war es klar, dass auch der Film nicht kleckern, sondern klotzen würde. Rund 10 Millionen Euro Budget wurden ausgegeben, eine stattliche Summe für eine deutschsprachige Kinoproduktion, die er ermöglichte, auch der Soundtrack opulent zu gestalten. Denn erstmals konnte das Bayerische Staatsorchester dazu gewonnen werden, unter der Leitung von Ariel Zuckermann eine Filmmusik zu gestalten.

Es ist kein guter Tag anno 1399. Außerhalb des Schlosses Burgeck tobt das Gewitter, drinnen sitzt der Ritter Balduin und spielt Karten mit seinem finsteren Kollegen Adolar, nicht ganz fair, wie sich herausstellt. Als der Kumpan den Betrug bemerkt, versucht er, sein Gegenüber ordentlich zu vertrimmen. Daraus wird jedoch nichts, denn das Wetter kommt der irdische Bestrafung zuvor. Der Blitz fährt in Ritter Balduin und verwandelt ihn in das Gespenst Hui Buh. Etwa 500 Jahre später nun hat er es sich in seinem Schloss gemütlich eingerichtet und spukt ein bisschen vor sich hin, bis König Julius 111. dort absteigt und beschließt, mit seinem Gefolge auf Burgeck zu bleiben. Fortan hat Hui Buh keine Ruhe mehr, zumal sich unter den Gästen auch die attraktive, aber zickige Gräfin Leonora zu Etepetete befindet, die von dem Monarchen aufs Eifrigste umworben wird. Die will nichts von ihm, dafür interessiert sich die Zofe Konstanzia für Julius und so ist klar, dass es diverse Verwicklungen geben wird. Hui Buh will eigentlich nichts weiter, als wieder seine Ruhe haben, und legt sich mit dem Spuken ordentlich ins Zeug. Aber niemand will sich erschrecken lassen und so ist er stellenweise schon beinahe eine tragische Gestalt, der scheiternde Geist, dem nur noch der Klamauk bleibt.
 
Die Besetzung des am 20. Juli 2006 in den Kinos startenden Film für Kinder von 4 bis 80 ist beachtlich. Die teilanimierte Titelrolle hat Deutschlands Starkomiker Michael Bully Herbig übernommen, die schrille Leonora wird von Heike Makatsch verkörpert. Für König Julius 111. konnten Christoph Maria Herbst gewonnen werden und sogar Hans Clarin, dessen Stimme einst die Hörspielvarianten von Hui Buh bestimmte, tritt in seine letzten Kinorolle als alter Kastellan auf. Regie führte Fernsehspezialist Sebastian Niemann nach einem Buch von Dirk Ahner. Auf die Musik wurde in besonderem Maße Wert gelegt. Wo sonst oft die Sampler und Computer genügen muss, war es diesmal das Bayerische Staatsorchester, das sich unter der Leitung von Ariel Zuckermann und stellenweise unterstützt vom Kinderchor der Bayerischen Staatsoper den Gruselklängen widmete. Komponiert wurde der Soundtrack von Egon Riedel (u.a. "Das Jesus Video"), der sich klar an amerikanischen Vorbildern wie John Williams, aber auch an klassischen Vorlagen etwa von Peter Tschaikowsky orientierte. Dabei gelang ihm das Kunststück, eine Musik zu schreiben, die nicht nur in Kombination mit den Bildern ihren Reiz entfaltet. Denn auch unabhängig davon inspirieren seine dramatisch geschickt gewichteten und in Form einer Suite angelegten Melodiebogen die Imagination des Zuhörers. Hinzu kommt der klare und direkte Klang des ausgezeichneten Ensembles, so dass es sich lohnt, "Hui Buh - Das Schlossgespenst" als eigenständige Kunstwerk einen modernen Orchesterkultur wahrzunehmen.