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21.06.2006
Richard Wagner

R.Wagner - Lohengrin, Met: Der strahlende Ritter

Richard Wagner, R.Wagner - Lohengrin, Met: Der strahlende Ritter

Die Geschichte der Metropolitan Opera ist eng mit dem "Lohengrin" verknüpft. Mit mehr als 600 Aufführungen ist die Oper das am häufigsten gespielte Werk Wagners am Hause und gehörte zu einem der ersten überhaupt, das dort 1883 kurz nach der Eröffnung auf die Bühne kam. So wundert es wenig, dass die Inszenierungen an der Met zu den bekanntesten und erfolgreichsten zählen, die Entwicklung des "Lohengrins" vorzuweisen hat. Und so ist auch die Fernsehversion, die 1986 entstand und nun auf 2 DVDs erhältlich ist, längst ein Klassiker des Opernfilmrepertoires.

Auf der einen Seite ist es eine der intimsten Opern Richard Wagners, die im Verhältnis von Elsa und Lohengrin von den Freuden der wahren Liebe handeln könnte. Andererseits ist es aber auch eine Geschichte des Scheiterns, die in Form des Zweifels, also des abfallenden Glaubens und der letztlich ihrer Aufgabe nicht gewachsenen Elsa, und vor allem durch die Bosheit der Intrige in Gestalt der machtbesessenen, rachsüchtigen Ortrud die Erlösung des Menschen verhindert. Da kann man nun streiten über Wagners Messianismus und sein Bedürfnis, die Welt über das Gesamtkunstwerk zu belehren und zu bekehren, der "Lohengrin" bleibt von all dem unbeeindruckt eine der faszinierendsten Figuren der musikalischen Hochromantik. Und er lässt Raum für zahlreiche Fantasien der Interpreten, die ihn auf die Bühne bringen. Der Kontrast von Gralsritter und dunklem Mittelalter des 10.Jahrhunderts, von Fragen der spirituellen und realen Befreiung, letztlich von Mythos und Wirklichkeit bietet die Möglichkeiten für umfassende Deutungen in die unterschiedlichsten ästhetischen Richtungen. An der Metropolitan Opera gehört der "Lohengrin" zu den beliebtesten Werken des Repertoires überhaupt und hat über die Jahre hinweg zahlreiche große Aufführungen erlebt. So stand er nicht nur in der ersten Spielzeit des alten Hauses am Broadway auf dem Programm, sondern zählte auch zu den Eröffnungsstücken im neuen Gebäude im Lincoln Center 1966, damals in einer Inszenierung von Wagner-Enkel Wieland, die bereits in Bayreuth gefeiert worden war.
 
Ebenfalls zum ursprünglich Bayreuther Inventar gehörte auch die 597.Aufführung des "Lohengrins", die im Januar 1986 mit Kameras festgehalten wurde. Sie ging auf August Everding zurück, hatte 1976 Premiere und präsentierte den "Lohengrin" in einem von der Met so geliebten opulent historistischen Rahmen. Dunkle Räume, finsteres Mittelalter bestimmen den Gesamteindruck, der nur vom Sohn des Gralskönigs Parzival und dessen erlösenden Zauberkräften kurzzeitig erhellt wird. Das ist finsterstes Fin-de-Siècle in die Endphase der positivistischen Nachkriegsmoderne übertragen und mit einer publikumswirksamen Mischung aus Pathos und Relativierung in Szene gesetzt. Die Solisten gehörten zu den traditionsreichen Interpreten ihrer Rollen, sowohl Eva Marton (Elsa) als auch Leonie Rysanek (Ortrud) waren über Jahre hinweg mit ihren Rollen und sogar mit denen der Gegenüber aktiv vertraut. Leif Roar mimte einen überzeugenden brabantischen Finsterling (Friedrich von Telramund), John Macurdy einen ehernen deutschen König Heinrich. Ein wirklicher Glücksgriff schließlich war Peter Hoffmann in der Titelrolle, der als föhngewellter Held in weiß tatsächlich die Erscheinung eines Märchenprinzen verkörperte. Dazu kamen das grandios sinistre Bühnenbild von Ming Cho Lee in Verbindung mit der raffiniert zurückhaltenden Lichtregie von Gil Wechsler, die historisch beeindruckenden Kostüme von Peter J. Hall und natürlich die weise und versierte Orchesterführung durch den Maestro der Met James Levine. Auf derart guter Grundlage konnte der Operfilmspezialist Brian Large in Zusammenarbeit mit Everding aufbauen und die nun in 5.1 DTS Dolby Digital Surround Sound (wahlweise PCM Stereo) remasterte Version des Meisterwerkes mit den Kameras festhalten. Das hat Wucht und Faszination, die man bis zur letzten Minute der DVD-Edition miterleben kann.