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21.06.2006
Wolfgang Amadeus Mozart

Esterhazy String Quartett - Mozart´s Haydnquartette: An den Freund

Wolfgang Amadeus Mozart, Esterhazy String Quartett - Mozart´s Haydnquartette: An den Freund

Es ist eine Mär der Musikgeschichtsschreibung, dass Wolfgang Amadeus Mozart immer alles leicht von der Hand ging. Zwar komponierte er schneller und kompakter als viele seiner Kollegen und legte eine immense Produktivität in Verbindung mit erstaunlicher Innovationsfreude an der Tag. Trotzdem gab es auch Werke, deren Entstehung sich wegen künstlerischer Zweifeln und häufiger Überarbeitung in die Länge zog. Berühmtes Beispiel dafür sind seine mittleren Streichquartette, die seinem Freund und Vorbild Joseph Haydn widmete und mit denen er deutlich die Grenzen der bislang bestehenden Gestaltungsgesetze hinter sich ließ.

Streichquartette gehörten zu einer bereits ausgiebig durchgeformten Gattung, deren Vorteil in der leichten Aufführbarkeit bestand und deren raffinierte Gestaltung daher Einnahmen durch Druck und Verlegen versprach. Sie hatten sich in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts rasant von den rein unterhaltend gedachten Divertimenti und Cassationes zu einer eigenständigen Ausdrucksform entwickelt, die in der Wertschätzung der Zeit eine hohe Position einnahmen. Mozart spürte daher, dass sie zu einem Konzentrat der künstlerischen Diskussion werden konnten, denn in dieser kammermusikalischen Minimalbesetzung bot es sich an, behutsam oder auch durchaus kühn über die Grenzen der Konvention zu schreiten. Seine Streichquartette entstanden daher in typischen Sozialisationsphasen der kreativen Annäherung. Die ersten Werke dieser Art schrieb Mozart, als er als jugendliches Wunderkind durch Italien zog. Sie waren noch deutlich dem vorherrschenden höfisch italienischen Stil verpflichtet, der von älteren Kollegen wie Giovanni Battista Sammartini begründet worden war. Je mehr Mozart jedoch mit jüngeren Beispielen dieser Gattung konfrontiert wurde, vor allem mit den prägenden Werken Joseph Haydns wie dessen op. 17 (1771) und op.20 (1772), umso deutlicher entfernte er sich von den streng genommen überholten ursprünglichen Vorbildern. Erstmal 1773 während eines Sommers in Wien, vor allem aber Anfang der 1780er Jahre überdachte er sein Konzept und komponierte sechs Quartette, die ihm erstaunlich zäh von der Hand gingen.
 
Das beweisen auch die Autographen, die von zahlreichen Korrekturen und Verbesserungen zeugen. Als die Werke aber dann 1785 endlich fertig waren, konnte er sie aus tiefster Überzeugung dem Vorbild widmen. Joseph Haydn hielt sich daraufhin auch nicht mit Lob zurück und machte vor allem Mozarts Vater glücklich, als er ihm anlässlich eines Hauskonzertes der Quartette die berühmt gewordene Einschätzung offenbarte: "Ich sage ihnen von gott, als ein ehrlicher Mann, ihr Sohn ist der größten Componist, den ich von Person und dem Namen anch kenne: er hat geschmack, und über das die größte Compositionswissenschaft". So gelten die Haydn-Quartette KV 387, 421, 428, 458, 464 und 465 als der Wendepunkt und erste Zenith der noch jungen Gattung, der mit vier gleichberechtigten Stimmen eine ausführliche und produktive musikalische Kommunikation zulässt. Als solches verstand auch das Esterhazy Quartett die sechs außergewöhnlichen Werke, die es am Ende seiner kurzen, aber glorreichen Karriere in der Kammermusikwelt Anfang der Achtziger Jahre einspielte. Das 1973 gegründete holländische Ensemble um den ersten Geiger Jaap Schröder, das durchweg auf historischen Instrumenten des 18.Jahrhundert spielte, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Klang der klassischen Epoche möglichst authentisch in die Gegenwart zu tragen. Dementsprechend präsent und stellenweise beinahe trocken wirkte auch ihr Mozart, der sich über ein Vierteljahrhundert hinweg zu einer grundlegenden Interpretation im Geiste der historischen Aufführungspraxis entwickelte. Ein Klassiker in jedem Fall, der nun auf 3CD zusammengefasst in einer Box wieder erhältlich ist.