Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

24.05.2006
Giuseppe Verdi

G.Verdi - Rigoletto: Armer Irrer

Giuseppe Verdi, G.Verdi - Rigoletto: Armer Irrer

Der Regisseur Jean-Pierre Ponnelle hatte eine Vision. Er wollte Oper mit den Mitteln des Films in Szene setzen. Insgesamt zwölf Projekte dieser Art konnte er verwirklichen, und eines der bekanntesten ist die Adaption von Giuseppe Verdis "Rigoletto" für die Welt der Kameras. Sie entstand 1982 und versammelte ein Staraufgebot von Luciano Pavarotti über Edita Gruberova bis hin zu den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Riccardo Chailly auf der Leinwand. Ein opulentes Spektakel voll Witz und Tragik, das zu den Klassikern des Opernfilms gehört und nun auf DVD erschienen ist.

Es ist eine der traurigsten Partien der Operliteratur, verpackt in einige ihrer größten Melodien. Rigoletto, der Narr, macht, wofür er bezahlt wird, und verhöhnt einen Grafen am Hofe des Herzogs. Er erntet dafür einen Fluch, der sich am Ende der Oper erfüllt. Seine Tochter Gilda stirbt in den Armen ihres Vaters als irrtümliches Opfer eines Mordkomplotts, Rigoletto ist allein, der genarrte Narr. Als Guiseppe Verdis Oper "Rigoletto" 1851 in Venedig uraufgeführt wurde, war er bereits einer der begehrten Opernkomponisten seiner Generation, auch wenn Meisterwerke wie "Il Trovatore", "La Traviata" und "Aida" erst noch vor ihm lagen. Umso mehr bemühte er sich darum, das melodramatische Libretto, das Francesco Maria Piave nach einer Vorlage von Victor Hugo geschaffen hatte, möglichst wirkungssicher umzusetzen. Das Figureninventar ist begrenzt, ebenso die Raumsituation der Handlung. Die Charaktere der einzelnen Gestalten, Gegensätze wie Unschuld und Leichtlebigkeit, Rachsucht und Vergebung sind deutlich an die Figuren gebunden und werden in und mit ihnen entwickelt. Zugleich sorgen großartige Chöre und Hit-Arien wie "La donna e mobile" dafür, dass sich "Rigoletto" besonders effektvoll umsetzen lässt.

Der Regisseur Jean-Pierre Ponnelle wollte allerdings noch über die üblichen Konventionen der Gestaltung hinausgehen und dem Geschehen eine filmisch fiktionale Note geben. "Die Mittel von Film und Fernsehen", meinte er damals, "erlauben uns, ein Stück so zu sehen, wie man es noch nie zuvor gesehen hat. Ich möchte die Wirkung von Opern oder anderen musikalischen Werken mit Hilfe der Technik steigern und die Stücke in einer Weise interpretieren, die auf der Bühne nicht möglich ist". Im Fall von "Rigoletto" bedeutet das eine besonders aufwändige Verknüpfung von Theaterräumen und realen Schauplätzen, die der Regisseur in der Gegend von Mantua gefunden hat. Es bedeutet auch die Möglichkeiten des Zitats, wenn er etwa die Festszene zu Beginn des ersten Aktes deutlich in Anlehnung an die skurrilen Bildwelten gestaltet, die Frederico Fellini etwa für sein "Satyricon" entworfen hatte. Abstriche müssen nur bei Details gemacht werden, wenn etwa der liederliche Herzog von Mantua in Gestalt Luciano Pavarottis keinen dürren Studenten, wie in der Vorgabe gefordert, abgibt. Sei's drum, er singt hinreißend und hat mit der behutsam und verletzlich agierenden Edita Gruberova als Gilda eine ausgezeichnete Partnerin. Die Titelrolle ist mit dem schwedischen Verdi-Spezialisten Ingvar Wixell ebenfalls hervorragend besetzt, so wie auch die Wiener Philharmoniker sich unter der Leitung von Riccardo Chailly eindeutig in die passende Richtung gebremster Dramatik und punktueller Lakonik zu entwickeln verstehen. So ist der Film-"Rigoletto", der für die DVD außerdem in eindrucksvollem DTS 5.1 Surround-Sound (wahlweise PCM Stereo) remastered wurde, ein eigenständiges Stück Interpretationsgeschichte, das den Verdi-Stoff in reizvoller überraschender Deutung präsentiert.