Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

24.05.2006

W.A. Mozart - Streichquartette: Konzentrate, Destillate

W.A. Mozart - Streichquartette: Konzentrate, Destillate

Manchmal möchte man gerne dabei gewesen sein. Hausmusiken im klassischen Wien zum Beispiel waren häufig ungewöhnliche gesellschaftliche Ereignisse. Als Mozart seine sechs mittleren Streichquartette am 12. Februar 1785 im Rahmen einer solchen Soirée zur Aufführung brachte, war nicht nur der Widmungsadressat Joseph Haydn persönlich anwesend, sondern der Komponist griff auch selbst zur Geige, um dem Werk die passende Geltung zu verleihen. Es ist aus heutiger Perspektive schwer nachzuvollziehen, wie die Darbietungen tatsächlich geklungen haben könnten. Die Aufnahmen durch das Emerson String Quartett, mit der die Serie Mozart Collection in ihre letzte Runde geht, gehören nichtsdestotrotz zu den anerkannten Referenzen möglicher Interpretationen.

Streichquartette waren auch für Wolfgang Amadeus Mozart eine Herausforderung. Schließlich gehörten sie einerseits zu einer bereits ausgiebig durchgeformten Gattung, deren Vorteil in der leichten Aufführbarkeit bestand und deren raffinierte Gestaltung daher Einnahmen durch Druck und Verlegen versprach. Auf der anderen Seite aber spürte er, dass sie auch zum Konzentrat der künstlerischen Diskussion werden konnten, denn in dieser kammermusikalischen Minimalbesetzung bot es sich an, behutsam über die Grenzen der Konvention zu schreiten. Mozarts Streichquartette entstanden daher in typischen Phasen der kreativen Annäherung. Die ersten Werke dieser Art schrieb er, als er als jugendliches Wunderkind durch Italien zog. Sie waren noch deutlich dem vorherrschenden höfisch italienischen Stil verpflichtet, der von älteren Kollegen wie Giovanni Battista Sammartini begründet worden war. Je mehr Mozart jedoch mit jüngeren Beispielen dieser Gattung konfrontiert wurde, vor allem mit den prägenden Werken Joseph Haydns, umso deutlicher entfernte er sich von den ein wenig verzopften ursprünglichen Vorbildern. Erstmal 1773 während eines Sommers in Wien, vor allem aber Anfang der 1780er Jahre überdachte er sein Konzept und komponierte sechs Quartette, die ihm erstaunlich zäh von der Hand gingen.

Später sprach er von der "Frucht einer langen und mühevollen Arbeit", war aber durchaus stolz auf das, was er geschafft hatte. Schließlich widmete er den Zyklus der sechs reifen Streichquartette dem inzwischen zum Freund gewordenen Haydn mit den salbungsvollen Worten: "Ein Vater, der beschloss, seine Kindern in die weite Welt hinauszuschicken, sah es als seine Pflicht, sie dem Schutz und der Führung einen berühmten Mannes anzuvertrauen, der durch eine glückliche Fügung zudem sein bester Freund war. - Hier also, berühmter Mann und bester Freund, sind meine sechs Kinder". Das Pathos der Zueignung mag aus heutiger Sicht ein wenig übertrieben wirken. Trotzdem nimmt es die Interpreten in die Pflicht, sich intensiv mit den Werken zu beschäftigen, die Mozart selbst als seinen geistigen Nachwuchs ansah. Das Emerson String Quartet etwa hat seit mehr als einem Vierteljahrhundert immer wieder die Gelegenheit wahrgenommen, sich neu zu definieren und gehört daher zu den vielseitigsten Formationen seines Fachs. Seit sich das Ensemble noch zu Studienzeiten 1976 an der Juillard School in Manhattan gegründet hatte, gelang es den Musikern im Eiltempo, die großen Säle der Konzertwelt zu erobern. Benannt nach dem Philosophen Waldo Emerson, waren sie bereits 1980 auf dem Niveau, um Uraufführungen zu verwirklichen. Seitdem hat das Emerson Sting Quartett seinen Ruf mit zahlreichen Tourneen und Plattenaufnahmen gefestigt und sich zu einem der angesehensten Kammerensembles Amerikas entwickelt, dessen Repertoire sich über das gesamte Spektrum der Kammermusik erstreckt. Ende der achtziger Jahre, als es sich bereits auf dem Zenith seiner Schaffenskraft befand, entstanden die Aufnahmen der "Haydn-Quartette", wovon drei Exempel für die Mozart Collection ausgewählt wurden. Es sind Musterbeispiele einer in sich geschlossenen Werkvorstellung und deren konsequenter Umsetzung und bilden daher einen würdigen Abschluss für die exklusive 20-teilige Reihe mit exemplarischen Werke aus dem faszinierenden Oeuvre des Salzburger Meisters.