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26.04.2006
Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart Collection - Violinsonaten: Mozarts Miteinander

Wolfgang Amadeus Mozart, Mozart Collection - Violinsonaten: Mozarts Miteinander

Behutsam leitete Wolfgang Amadeus Mozart eine Veränderung des Genres ein. War die Violinsonate vor seiner Zeit vor allem dazu bestimmt, neben dem Übungseffekt die Vorzüge des Geigenspiels zu betonen, so sorgte er dafür, dass beide Instrumenten als gleichwertig verstanden werden konnten. Die Grenzen zwischen Solo- und Begleitstimmen lösten sich auf, Kommunikation wurde das wesentliche Merkmal der Gestaltung. Die Kunst entstand im Miteinander und sie wird zu einem großen musikalischen Erlebnis, wenn sich Koryphäen wie der Geiger Itzhak Perlman und der Pianist Daniel Barenboim ihr annehmen.

Als Mozart sich den Violinsonaten widmete, hatte das Instrument gerade seine erste großen Blütezeit hinter sich gebracht. Seit dem 16. Jahrhundert war es zunehmend populär geworden, die erste Violinsonate, die aus der Feder von von Giovanni Paolo Cima stammte, wurde 1610 gedruckt. Spieltechnisch reizvoller allerdings waren die Werke Arcangelo Corellis um 1700, die wiederum Virtuosen und Komponisten wie Telemann, Händel, Bach und vor allem Vivaldi beeinflussten. Die Bogen- und Grifftechniken wurden ausgefeilter, Komponisten wie Giuseppe Tartini und Pietro Locatelli, in Deutschland Heinrich Ignaz Franz Biber, arbeiteten weiter an der Verfeinerung der Ausdrucksmittel der Geige. Vor allem Pietro Nardini melodisch kantabler Stil beeindruckte jedenfalls auch den jungen Mozart, der gleichermaßen versiert an beiden Instrumenten sein Interesse für deren kompositorische Verbindung entwickelte. Da in seiner Heimatstadt Salzburg die Form der Violinsonate wenig populär war, wandte er sich ihr ernsthaft erst während seiner großen Reise in den Jahren 1777 bis 1779 zu, die ihn unter anderem auch an die Fürstenhöfen von Mannheim und Paris führte. Damals entstanden die sechs Sonaten KV 301-306, die in ihrer Charakteristik sehr verschieden waren. War beispielsweise die Sonate in G-Dur (KV 301) ein unbeschwertes und heiteres Stück, so erwies sich das Pendant in e-Moll K304 als finstere, traurige Klangphantasie in zwei Sätzen, in der der Komponist den unmittelbar vorangegangenen Tod seiner Mutter eindrucksvoll betrauerte.

Während dieser Reise begann Mozart außerdem einen zweiten Zyklus, zu dem die B-Dur Sonate KV 378 gehörte, den er allerdings erst drei Jahre später abschloss. Schließlich wandte er sich in Wien wieder dieser Gattung zu und arbeitete mehr und mehr an der Gleichberechtigung der Stimmen von Klavier und Violine. Die A-Dur-Sonate K526 ist Teil dieser späteren Stilphase Mozarts, die von immenser Kunstfertigkeit im Umgang mit der Verknüpfung scheinbar asymmetrischer Motivgeflechte bestimmt ist, und für die bereits zeitgenössische Quellen wie Cramers Magazin der Musik sich begeistern konnten: "Diese Sonaten sind die einzigen in ihrer Art. Reich an neuen Gedanken und Spuren des grossen musikalischen Genies des Verfassers ... dabey ist das Accompagnement der Violine mit der Clavierparte so künstlich verbunden, daß beide Instrumente in beständiger Aufmerksamkeit unterhalten werden." Im Rahmen der Mozart Collection wurde aus den zahlreichen Aufnahmen, die von Mozarts Violinsonaten existieren, ein besonderen Höhepunkt der musikalischen Kooperation ausgewählt. Die Duo-Eispielungen des Geigers Itzhak Perlman und des Pianisten Daniel Barenboim entstanden in den Jahren 1983 bis 1990 und präsentieren ein Maß der gegenseitigen künstlerischen Wertschätzung, das die Interpretation auf höchstem Niveau ermöglichte. Perlmans fein ziselierter Ton und sein pointiert eingesetztes Temperament ergänzen sich mit Barenboims Spielfreude bei gleichzeitiger Strukturbewusstheit zu einem beeindruckenden Hördokument, das seinen Platz in der Liga der Weltklasse zurecht beansprucht.