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12.04.2006

Segovia - Dedication: Der Pionier

Andrés Segovia, Segovia - Dedication: Der Pionier

Jedes Instrument braucht seine Mentoren. Für das Cello war des Pablo Casals, der es aus dem Orchesterzusammenhang solistisch herauslöste, für die Gitarre übernahm diesen Part Andrés Segovia. Denn als er Anfang des vergangenen Jahrhunderts begann, sich für die Gitarre als Konzertinstrument in klassischen Sälen stark zu machen, war es keineswegs selbstverständlich, sich damit auseinanderzusetzen. Segovia wurde durch seine Kunst zum Wiedererfinder der klassischen Gitarre und eine Sammlung wie "Dedication" mit Kompositionen, die für ihn im Laufe der Jahre geschrieben wurden untermauert seinen Ruf als Erneuerer und Vollender der modernen Spielkultur.

Andrés Segovia (1893-1987) stammte aus einem kleiner Ort namens Linarés bei Jaén und war ein begabtes Kind. Das merkte auch sein Onkel, bei dem er aufwuchs und der den Knaben zum Musikunterricht am Institut in Granada einschrieb. Der Junge wurde von Rafael de Montis ausgebildet, spielte 1909 seine ersten öffentliches Konzert in Granada, sieben Jahre später dann in Madrid und Barcelona. Dabei fiel ihm auf, dass das Repertoire für sein Instrument in diesen Jahren außerordentlich begrenzt war: "Die Gitarre war in einem Teufelskreis gefangen", erinnerte er sich später an diese Zeit des Suchens. "Man konnte sie nicht an den Konservatorien studieren, mit dem Ergebnis, dass es keine Gitarristen gab. Da es keine Gitarristen gab, gab es auch keine Komponisten, die für Gitarre schrieben. Es gab keine Musik, also erlernte niemand das Gitarrenspiel. Ein Teufelskreis". Segovia allerdings wollte sich damit nicht zufrieden geben. Er perfektioniert autodidaktisch seine Spielfertigkeiten und erreichte damit ein Niveau der Perfektion jenseits der Flamenco-Feuerwerke, das kaum einer für möglich gehalten hatte. Derart renommiert sprach er persönlich verschiedene Komponisten seiner Zeit an, ob sie ihm neue Werke schreiben würden. Das erforderte zunächst einige Überzeugungsarbeit, entwickelte sich aber schließlich zu einem Selbstläufer, als sich der Erfolg im Konzertsaal einstellte.

Einer der ersten und wichtigsten dieser frühen Jahre war der Mexikaner Manuel Ponce. Segovia traf ihn erstmals 1923 und aus der Begegnung entwickelte sich eine enge Freundschaft, die sich über die Jahre hinweg in rund 80 Kompositionen für Gitarre niederschlug, die neben anderen den neuen Ruf des Instruments begründeten. Ebenfalls eine zentrale Persönlichkeit war der Brasilianer Heitor Villa-Lobos, der, selbst ein begabter Gitarrist, die Klänge seiner Heimat seit der frühen Mitte des Jahrhunderts in eigenständige Formen bannte und damit sowohl auf die klassische wie auch die populäre Musik Südamerikas starken Einfluss nahm (Die Bossa Nova etwa wäre in ihrer historischen Form ohne Villa-Lobos nur schwer denkbar). Im Jahr 1932 wiederum traf Segovia in Venedig auf den italienischen Komponisten Manuel Castelnuovo-Tedesco, der sich ebenfalls dafür begeistern konnte, Stücke wie die Sammlung nach den Erzählungen "Platero und Ich" von Juan Ramon Jiménez zu schreiben. Und so wuchs und wuchs das Repertoire und Andrés Segovia reiste um die Welt, um das von ihm so geliebte Instrument weiter hoffähig zu machen. Rund 78 Jahre (!) war er auf internationalen Bühnen präsent, schaffte es, nicht nur die Gitarre im Bewusstsein der Hörer zu reanimieren, sondern auch eine ganze Szene von Komponisten und Musikern als Interpret und Pädagoge auf den Weg zu bringen. Sogar Stilmoden wie die im Rahmen der Alten Musik wieder erblühende Lautenmusik wären ohne seinen Beitrag zur Musikgeschichte nicht in die heutigen Intensität der Darbietungen denkbar. Und so ist eine Sammlung wie "Dedication" ein Muss für alle Liebhaber der Saitenmusik. Denn sie präsentiert auf 2CDs nicht nur den Interpreten Segovia mit seiner faszinierenden Spielkultur, sondern auch sieben  Komponisten von Rang, die für den Meister der Gitarre ihre Werke erdacht haben und von ihm in die Gefilde der hohen Kunst geadelt wurden.