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15.03.2006

Oper für alle

Oper für alle

Der Trend geht wieder zur Oper. Nachdem in regelmäßigen Abständen ihr künstlerisches Ableben angesichts der Vielfalt neuer Medien und Möglichkeiten beschworen wurde, zeigen volle Schauspielhäuser und in Windeseile ausverkaufte Bühnenevents, dass die Zeit der großen gesungenen Gefühle noch lange nicht passé ist. Und es gibt vieles wieder zu entdecken, großartige Werke der Opemliteratur, die über die bewährten Hits hinaus die Menschen fasziniert haben. Aus diesem Grund haben die Deutsche Grammophon und deren Partnerfirmen die Serie Opera House ins Leben gerufen, die mit zentralen Aufnahmen der vergangenen Jahrzehnte zum günstigen Preis einen passenden Einstieg in die Welt der Vokalkunst bietet. Für die Frühjahrsstaffel wurden dabei unter anderem zwei berühmte Werke ausgewählt, die seit ihrer Veröffentlichung zu den Stars der Spielpläne gehören: Carl Maria von Webers "Oberon" und Giuseppe Verdis "Un Ballo In Maschera".

Die Figuren von Webers Oper kannte man schon von William Shakespeare, der gerade durch die jungen Romantiker eine umfassende Renaissance auf deutschen Bühnen erlebte. Da waren Oberon, der König der Elfen, und Titania, seine launische Gattin, die sich in ihrem Feenreich mal wieder langweilten und daher stritten, wer dem anderen treuer sei. Die Auflösung dieser Frage in Form einer Wiedervereinigung sollte geschehen, sobald ein Menschenpaar gefunden würde, dass allen Wirrungen zum Trotz sich treu bleibt. Über seinen Boten Puck erfährt Oberon von einem Ritter names Huon von Bordeaux, der ihm geeignet für die Prüfungen erscheint. Er schickt ihn mit Zauberkräften unterstützt in den Orient, läßt ihn dort die schöne Reiza von einer Hochzeit entführen, die sie mit einem ihr widerstrebenden Gatten verbinden sollte. Die beiden fliehen mit einem Schiff und dann beginnen erst die eigentlichen Prüfungen. Sie werden nach einem Sturm ans Ufer gespült, landen in Gefangenschaft, werden als Sklaven verkauft. Beim Emir von Tunis treffen sich alle wieder, verschiedene Verführungen werden eingefädelt, doch Reiza und Huon bleiben standhaft bis zum vermeintlichen Tod. In diesem Augenblick greift auch Oberon wieder ein, der im Hintergrund alles beobachtet hatte und nun seine Titania wieder auf den Plan rufen kann.

Am Schluss löst sich alles in Wohlgefallen auf. Huon bekommt die Geliebte, sein Diener Scherasmin darf Fatime, die Kammerzofe Reizas, ehelichen, das Elfenpaar ist ebenfalls vereint und zuguterletzt wird Huon auch noch von Gnaden Karls des Großen wieder in den Ritterkreis aufgenommen, aus dem er zuvor ausgestoßen worden war. Alles ist gut, nur der Komponist war bereits so schwindsüchtig, dass er nur mit Mühe zur Uraufführung des von Covent Garden in Auftrag gegebenen "Oberon" nach London reisen konnte. Er starb dort am 5.Juni 1826, kurz nachdem er noch einmal künstlerische Erfolge sowohl mit Aufführungen des ungemein populären "Freischützes" wie auch mit seinem neuen Werk hatte feiern können. Der "Oberon" jedenfalls avancierte nach anfänglicher Ablehnung durch die Kritik schrittweise zum Standardrepertoire der internationalen Opernhäuser. Für die Aufnahme mit dem Bayerischen Rundfunkorchester unter der Leitung von Rafael Kubelik konnte daher auch eine großartige Besetzung erfahrener Solisten gewonnen werden, die unter anderem Placido Domingo (Huon), Herrmann Prey (Scherasmin), Birgit Nielsson (Reiza) und Donald Grobe in der Titelrolle vor den Mikrofonen versammelte. Ein Klassiker, in vieler Hinsicht.

Ebenfalls turbulent geht es in Giuseppe Verdis "Un Ballo in Maschera" zu. Es ist eine Geschichte um eine Verschwörung mit falschen Voraussetzungen, die aus einem Missverständnis heraus tragisch endet. Denn Gustavo liebt zwar Amelia, die Gattin seines Freundes Renato, und hatte zunächst ein Stelldichein mit der Angebeteten im Sinn, sieht aber dann selbst ein, dass diese Liaison unter den gegebenen Dreiecksvoraussetzungen keine Zukunft hat. Leider gelingt es ihm nicht, diese Einschätzung rechtzeitig dem eifersüchtigen Kumpan zu vermitteln, so dass Gustavo durch dessen Messer während eines Maskenballs stirbt, allerdings nicht ohne zuvor allen Beteiligten vergeben zu haben. Im Jahr 1859 in Rom uraufgeführt, entwickelte sich diese Oper aus Verdis mittlerer Schaffensphase schnell zu einem Liebling der großen Bühnen, denn das Inventar an großen Emotionen, wunderbaren Melodien und die zeitliche Distanz zum Geschehen - der "Ballo" spielt im Boston des 17.Jahrhunderts - machten sie zum unbedenklichen Hörgenuss selbst in kritischen Zeiten. Die mit Opera House vorgestellte Inszenierung wiederum gehört ebenso wie der "Oberon" längst zu den Klassikern der Tonträgergeschichte. Herbert von Karajan dirigierte die Wiener Philharmoniker, den Gustavo sang Placido Domingo, seinen Freund und Widersacher Renato Leo Nucci und die Dame der Auseinandersetzung Amelia wurde von Josephine Barstow dargestellt. So konnte mit ausgezeichneter Besetzung eine ebenso hervorragende Einspielung entstehen, die nun im sorgsam edierten und dennoch preiswerten Gewand Verdis Genie huldigt.