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21.12.2005
Karl Böhm

Eine Conclusio

Karl Böhm, Eine Conclusio

Die "Jupiter-Sinfonie" ist Mozarts letztes großes Orchesterwerk. Und sie führt tatsächlich einiges zu Ende. Denn während der vorangegangenen Jahre hatte sich der Komponist ausführlich mit Meistern der Vergangenheit beschäftigt, allem voran mit dem Schaffen von Johann Sebastian Bach und von dessen Sohn Johann Christian Bach. Er hatte sich mit fugalen und kontrapunktischen Gestaltungsformen befasst und sie im letzten Satz seiner Sinfonie Nr. 41 in einer Perfektion verarbeitet, die bis heute staunen lässt. Denn wie im Verlauf des Finales fünf verschiedene Stimmen auf komplexe Weise zu einem Motivnetzwerk miteinander verbunden werden, gehört zum kunstvollsten, was die klassische Orchestermusik zu bieten hat.

Bis es zur "Jupiter-Sinfonie" kam - die übrigens ihren Namen nicht von Mozart selbst, sondern vermutlich von seinem Londoner Konzertmanager Johann Peter Salomon bekam, der erstmals 1823 im Zusammenhang mit einem Klavierauszug des Musikliebhabers Muzio Clement erschien - hatte der Komponist aber noch einige Vorarbeit zu leisten. Zu den erfreulichen Kapiteln in den späten Jahren des Komponisten gehörte beispielsweise seine Akzeptanz durch das Publikum der 'goldenen Stadt' Prag. Ende 1786 hatte Mozart dort eine Aufführung von "Le Nozze di Figaro" verwirklichen können, die ein beachtlicher Erfolg wurde. Man lud ihn ein, bald wieder zu kommen und am besten auch eines oder mehrere seiner Werke selbst zu leiten. So erschien er am 17. Januar 1787 erneut, wohnte zunächst einer Aufführung seiner Oper bei, gab aber zwei Tage später selbst ein Konzert, bei dessen Gelegenheit er seine "Prager Sinfonie" aufführte. "Nie sah man das Theater so voll Menschen als bei dieser Gelegenheit ", meinte der Prager Musikkritiker Franz Xaver Niemetschek zu diesem Ereignis und fuhr fort: "Nie ein stärkeres, einstimmiges Entzücken, als sein göttliches Spiel erweckte". Mozart also wurde gefeiert und er durfte gleich noch einen weitere Auftrag mit nach Hause nehmen. In den kommenden Wochen entstand der "Don Giovanni", im Herbst des Jahres wurde er ebenfalls erfolgreich in Prag uraufgeführt. Allerdings hatte der Tod von Mozarts Vater einen Schatten auf das Jahr geworfen, so wie ihn auch seine finanziellen Dauerschwierigkeiten piesackten.

So stand der "Don Giovanni" unter keinem guten Stern. Im Mai 1788 fiel er in Wien durch, der Komponist wandte sich wieder anderen Formen wie etwa seinen letzten Sinfonien zu. Im Juni des Jahres soll er sie vollendet haben, die Es-Dur Sinfonie schließlich am 10. August 1788. Aufgeführt wurden sie nicht, Mozart muss sie entweder auf Vorrat oder für eine Gelegenheit geschrieben haben, die aber dann ausfiel. Für Karl Böhm jedenfalls lag gerade in diesen Spätwerken das Geheimnis des Komponisten verborgen. Mit großer Sorgfalt machte er sich Ende der Fünfziger gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern an die Erarbeitung der oft in ihrer Komplexität unterschätzen Sinfonien. Und mit der für ihn typischen Geradlinigkeit, dirigierte er sie schließlich möglichst klar und textgenau. Allerdings verzichtete er im Unterschied zu späteren Pult-Kollegen auf die Legitimation durch die historische Aufführungspraxis und leitete das Werk nach der Maßgabe seiner eigenen Persönlichkeit auf zeitgenössischen Instrumenten. So entstanden Klassiker der Schallplattengeschichte, die Mozart aus dem Geiste der Fünfziger heraus verstanden, kraftvoll und stellenweise pathetisch, mit der Nähe zur Opulenz von Beethoven ebenso wie zur Nüchternheit Haydns. Sie sind nun im Rahmen der Mozart Collection wieder erhältlich und bieten eine in sich stimmige und faszinierend zu hörende Alternative zu späteren Einspielungen, die die Werke des Komponisten noch mehr aus der rekonstruierten Klanggestalt des 18.Jahrhunderts heraus verstehen.