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23.11.2005
Karl Böhm

Mozart Collection: Galanter Junior

Karl Böhm, Mozart Collection: Galanter Junior

Eigentlich mochte Mozart die Flöte nicht. Aber deshalb einen Auftrag abzulehnen, kam ihm nicht in den Sinn. Es wäre auch ungewöhnlich für eine Epoche gewesen, in der sich das genialische Künstlertum der folgenden Jahre noch nicht durchgesetzt hatte. So schrieb der Achtzehnjährige eben Flötenkonzerte mal für Orchesterkollegen, mal für aristokratische Amateurmusiker und machte seine Sache im Urteil der Zeitgenossen immerhin so gut, dass weitere Werke von ihm erbeten wurden. Und das war ja die Hauptsache für einen jungen, freischaffenden Komponisten.

Das Schlüsselwort war "galant". Die Musik hatte leicht und elegant zu klingen, sie sollte gefallen, unterhalten, vielleicht auch inspirieren, aber mehr in der Regel nicht. Sie war die Spielwiese für herumreisende Virtuosen, die mit ihrem Können die adeligen Salons verblüfften, oder sollte für die Aristokraten selbst geschaffen sein, die sich an ihr mit unterschiedlichen Kompetenzen versuchten. Da die feudale Oberschicht häufig wenig zu tun hatte außer zu repräsentieren, gab es durchaus auch Talente unter den Auftraggebern, die gefördert wurden. Als der junge Mozart während seiner Reise 1777/8 sein Glück in der Metropole der Musik Paris suchte, wurde er zum Beispiel mit dem Herzog de Guines und dessen Tochter bekannt gemacht, über dessen musikalische Kompetenzen er seinem Vater Positives zu berichten hatte: "Ich glaube, ich habe ihnen schon im letzten brief geschrieben, das der Duc de guines, dessen tochter meine scolarin in Composition ist, unvergleichlich die Flöte spiellt, und sie magnifique die Harpfe". Unter solchen Umständen war es auch für einen Komponisten, der mit dem Blasinstrument nichts am Hut hatte - "dann bin ich auch, wie sie wissen, gleich stuff wenn ich immer für ein instrument, das ich nicht leiden kann, schreiben soll", beschwerte er sich ebenfalls bei Leopold, während er an Konzerten für die Flöte arbeitete - erträglich bis erfreulich, sich mit einem ungeliebten Sujet zu befassen. Jedenfalls bekam Mozart den Auftrag, ein Konzert für Flöte und Harfe zu Papier zu bringen und er machte es in dem seit etwa 1770 modischen, am barocken Concerto grosso orientierten Stil einer Symphonia concertante für Orchester und mehrere Solisten.

Ein Problem bei leisen und dynamikschwachen Solo-Instrumenten ist das ausgewogene Lautstärkeverhältnis des Einzelnen zum Ensemble. Das Fagott zum Beispiel war im 18.Jahrhundert noch ein sehr schlichtes Instrument mit vier Klappen (heutiger Standard ist 28 Klappen), dessen Geläufigkeit und Tonumfang sehr beschränkt war. Trotzdem war es als Farbe und exotischer Akzent durchaus beliebt. Mozart nahm es als Versuchsobjekt für sein erstes Bläserkonzert überhaupt, das er 1774 verfasste. Den Ausschlag für die Komposition gab wahrscheinlich ein befreundeter Musiker des Salzburger Hoforchesters, für den das Werk entstand. Jedenfalls ist es ein vergleichsweise simples Konzert, das aber gerade durch seine jugendliche Leichtigkeit besticht. Dadurch passte es wiederum in den Funktionskontext des galanten Klangs und hatte seinen Platz im Repertoires des Hofensembles. Im Rahmen der Mozart Collection wird es zusammen mit dem Pariser und einem weiteren Flötenkonzert präsentiert, die beide in etwa zur selben Zeit entstanden. Dirigiert wurden die charmanten Kompositionen von Maestro Karl Böhm, dem für diese Aufnahmen Mitte der Siebziger sein Lieblingsorchester, die Wiener Philharmoniker, zur Seite standen. Als Solisten traten die Flötisten Wolfgang Schulz, Werner Tripp, die Harfinistin Nicancor Zabaleta und der Fagottist Dietmar Zeman in Erscheinung. Es wurden Aufnahmen "von schmelzender Schönheit", urteilte das Fachorgan Penguin Guide und präzisierte, dass die Musiker "ganz hervorragend unter der Leitung von Böhm [spielen], der die Musik auf völlig natürliche Weise zur Entfaltung bringt, entspannt und doch lebendig".