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09.11.2005

Ein Wendepunkt

Ein Wendepunkt

Für den jungen Komponisten war es eine anstrengende, lehrreiche Zeit. Die Jahre als Wunderkind hatte er hinter sich, eine zweite Karriere musste nun systematisch aufgebaut werden. Mozart begab sich auf die Reise, fuhr von September 1777 bis Januar 1779 von Salzburg über München und Mannheim nach Paris. Resultat dieser Tournee war ein von vielen neuen Eindrücken geprägter junger Mann, der sich nun vermehrt auch an komplexere sinfonische Werke wie die "Sinfonia Concertante" wagte.

Es kam anders als geplant. Zum einen wollte der 21jährige Mozart der Enge seiner Heimatstadt Salzburg entfliehen, die für ihn als aufstrebenden Komponisten nicht mehr genug Perspektive hatte. Geplant war unter anderem in die damalige Metropole der Musik, nach Paris zu reisen, um sich dort über die neuesten Trends zu informieren und wohlmöglich auch ein wenig Geld in den verschiedenen Gesellschaften zu verdienen. Doch aus der hoffnungsvollen Unternehmung wurde eine von zahlreichen Rückschlägen geprägte Problemfahrt. Zunächst verliebte sich Mozart unglücklich in die Sängerin Aloysia Weber. Im Juli 1778 starb seine Mutter, die ihn begleitet hatte, in Paris an Typhus, und bald darauf musste er mittellos nach Hause zurückkehren, in den Dunstkreis seines Vaters, der ihn schon während seiner Abwesenheit beharrlich mit Briefen versorgt hatte. Mozart war gescheitert auf der einen Seite, hatte aber auf der anderen aus dem Kontakt mit der Hautevolee der zeitgenössischen Musik die Erkenntnis gewonnen, dass er auf dem richtigen Weg war und die in vieler Hinsicht kreativ stagnierende Formkunst seiner Zeit relativieren könnte. So schrieb er im Sommer und Herbst 1779 seine "Sinfonia Concertante K 364", in Anlehnung an eine damals sowohl in Mannheim wie Paris beliebte Mischgattung aus Orchesterwerk und Konzert, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass die Solisten aus den Reihen des ausführenden Ensembles stammen. Die vorherrschenden Solo-Instrumente waren Violine und Bratsche, die Uraufführung fand aller Wahrscheinlichkeit nach kurz nach der Entstehung durch das Salzburger Hoforchester statt.

Historischen Quellen zufolge muss neben diesem Werk eine weitere "Sinfonia Concertante" entstanden sein, allerdings ist sie nicht überliefert und auch eine Kopie der Partitur aus dem 19.Jahrhundert wird inzwischen von der Forschung als nicht authentisch angesehen. Sei's drum, die erhaltene Variante zum modischen Thema präsentiert Mozart als einen clever mit den Möglichkeiten eines kleinen Orchesters agierenden Komponisten, der zwar noch seinem Mannheimer Stil folgt, in der komplexen Gestaltung der Ensemblegliederung aber beispielsweise bereits weit über frühere Versuche wie das "Concertone K 190" hinausreicht. So stellt sich die "Sinfonia" als ein Werk am Wendepunkt des kreativen Schaffens heraus, das dem juvenilen Überschwang der Jugendjahre einen langsam in den Kreis der ernsthaften Künstler sich vorarbeitenden Visionär gegenüberstellt.

Die Aufnahmen der Mozart Collection entstanden dabei 1982 beim Huberman Festival in Tel Aviv und bieten mit Itzhak Perlman an der Geige und Pinchas Zukerman an Viola und Geige ein großartiges Solistenteam, von dem das Magazin Grammophone meinte, die enge Beziehung zwischen den beiden sei geradezu unheimlich, "Sie spielen wie eine Person", meinte der Rezensent und verwies außerdem auf das ebenfalls ausgesuchte Ensemble, das die beiden Stars begleitete. Denn das Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta hatte wesentlichen Anteil daran, dass diese Aufnahme bis heute zu den Klassikern des Repertoires zählt.