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30.09.2005
Fritz Wunderlich

Facetten eines Stars

Fritz Wunderlich, Facetten eines Stars

Die Frage, was gewesen wäre, wenn sich das Schicksal anders entschieden hätte, hat immer etwas Hypothetisches. Im Fall von Fritz Wunderlich jedoch ist es unbestritten, dass er zu einem der größten Sänger des Jahrhunderts aufgestiegen wäre, wenn er im Herbst 1966 nicht tödlich verunglückt wäre. Denn der Tenor aus dem pfälzischen Städtchen Kusel war nicht nur ein herausragender Oper- und Liedinterpret, sondern auch ein Charismatiker, der vor populären Programmen nicht zurückschreckte. So erschienen beispielsweise in der Reihe Klassik unter Sternen zwei Zusammenstellungen mit berühmten Melodien, die ihn mal mit dem Wiener Operettenrepertoire, mal mit dem Esprit der Galavorstellungen zusammenbrachte. Aus Anlass seines 75.Geburtstages, den Fritz Wunderlich am 26. September gefeiert hätte, sind nun beide Alben auf CD wiederveröffentlicht worden.

Zu Wien gehören Fiaker, der Heurige, der Schmäh. Und natürlich die große Vergangenheit der Walzer- und Operettenepoche. Von der Strauß-Dynastie bis Robert Stolz haben die vergnüglichen, machmal auch schrulligen Weisen aus dem kulturellen Umfeld der k. u. k. Ära ihre Spuren hinterlassen und viele wunderbare Melodien geprägt, die bis heute zu den unvergänglichen Evergreens der vergangenen 150 Jahre gehören. Sie zu singen scheint leicht, gehört jedoch bei näherer Betrachtung zur großen Kunst der Interpretation. Schließlich ist es eine Gratwanderung, den Schmelz der Herzen, das Sehnsüchtige zu zelebrieren und dabei nicht ins Schwüle und Sentimentale abzugleiten. Insofern kann man verstehen, dass der Komponist und Dirigent Robert Stolz begeistert war, einen Tenor wie Fritz Wunderlich für die Wiener Klangkosmos begeistern zu können. Im Juni 1966 standen sie gemeinsam mit dem Orchester und Chor der Wiener Staatsoper und den Spilar-Schrammeln vor den Mikrofonen, um Wunderlich in Wien aufzunehmen, eine Platte, die Stolz mit folgenden Worten kommentierte: "Die Zusammenarbeit im Studio war ein wahres Vergnügen, denn die Fröhlichkeit, die Fritz Wunderlich ausstrahlte, übertrug sich auf alle Mitwirkenden, so dass jeder sein Allerbestes mit Freuden gab. Gleichzeitig verlangte aber Fritz Wunderlich von sich selbst wie von den anderen ein Optimum an Leistung und hat es auch durch seine große Kunst und gewinnendes Wesen immer wieder erreicht".