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23.09.2005
Wolfgang Amadeus Mozart

Wolferls Leben

Wolfgang Amadeus Mozart, Wolferls Leben

Jede Mozart-Biographie ist eine Herausforderung. Denn um den Salzburger Komponisten und Musiker ranken sich mehr Gerüchte als um die meisten seiner Kollegen. Manches ist im Laufe der Jahre ausgeschmückt, bunt gefärbt und hinzugedichtet worden, so dass ein Biograph erst einmal gegen eine Reihe von Klischees anzuschreiben hat. Dem Musikprofessor Martin Geck ist diese Gratwanderung zwischen Künstlermythos und Entzauberung bravourös gelungen und mit Hilfe von Senta Bergers Erzählkunst wurde daraus ein unterhaltsames und fesselndes Hörbuch mit Romanqualitäten.

Niemand hätte gedacht, dass aus dem ein wenig schwächlichen Kind, das am 27. Januar 1756 in Salzburg das Licht der Welt erblickte und am folgenden Tag auf den Namen Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart getauft wurde, einmal ein Weltstar werden würde, dessen Werke zum Großartigsten gehören, was die europäische Kunstmusik zu bieten hat. Es gab zwar in der Familie der Mutter den einen oder anderen musisch begabten Vorfahren und auch der Vater verdiente mit Unterricht und Kompositionen einen Teil seines Geldes. Das Talent des kleinen Wolfgangs jedoch war außergewöhnlich, denn er klimperte von frühesten Tagen an nicht nur naiv auf dem Klavier herum, wie es Kinder gerne tun, sondern interessierte sich schnell für Strukturen und klangliche Zusammenhänge. Es wird gerne von der Forschung behauptet - und auch die folgenreiche Mozartverklärung "Amadeus" von Milos Forman vermittelt dieses Vorurteil -, Vater Leopold hätte den Vierjährigen mit eiserner Disziplin ans Instrument gezwungen. Geck jedoch entwirft ein anderes Familienbild, das einen zwar auf gesellschaftliche Würdigung und Profit achtenden Menschen vorstellt, den übermäßig strengen Patriarchen aber nicht gelten lassen kann. Vielmehr schien es ihm darum gegangen zu sein, durch die früh einsetzenden Konzertreisen des Wunderkindes ein regelmäßiges und akzeptables Einkommen zu erwirtschaften, das wiederum dem begabten Knaben und der Familie zugute kommen sollte. Jedenfalls reiste Mozart von seinem sechsten Lebensjahr an regelmäßig durch Europa, gastierte an Fürstenhöfen und lernte eine Welt kennen, die von Dekadenz und Intrigen auf der einen, aber auch von Kunstverständnis und Mäzenatentum auf der anderen geprägt war, und ihn letztlich zu dem Grenzgänger zwischen Handwerk und Genie werden ließ, der die barocke Klangwelt in die Moderne führte.

Martin Gecks besondere Vermittlungskunst besteht bei all den vielen Fakten, die er vermittelt, im flüssigen und romanhaften Erzählstil, mit dem er sich der Person Mozarts und dessen Zeit widmet. Selbst Professor für Musikwissenschaft an der Universität Dortmund, hat er sich bereits ausführlich publizistisch mit Bach, Beethoven und Wagner beschäftigt, produziert nebenbei als Spaß Musikschallplatten für Kinder und wurde etwa für sein "Professor Jecks Tierlieder-ABC" mit dem Leopoldpreis der Musikschulen ausgezeichnet. Er ist aber vor allem ein profunder Kenner der Kulturgeschichte und so ist auch "Mozart - Eine Biographie" eine kompetent in die historischen Zusammenhänge eingebettete Chronologie eines bewegten, ungewöhnlichen Lebens. Für die Hörbuch-Version hat sich die Schauspielerin Senta Berger dem Lebenslauf des Komponisten angenommen und trägt ihn mit einer rasanten Mixtur aus erzählerischem Fluss und sprachlich theatralischer Interpretation vor. Gerahmt von Kompositionen des Meisters, die die einzelnen Kapitel des Hörbuchs einleiten und damit für das passende Klangkolorit sorgen, entsteht auf diese Weise eine rundum spannende Einführung in die biographischen Hintergründe eines musikalischen Oeuvres, das auch nach zweieinhalb Jahrhunderten nichts von seiner Faszination verloren hat.