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05.08.2005

MoMu - Meisterwerke des 20. Jahrhunderts

MoMu - Meisterwerke des 20. Jahrhunderts

MoMu bietet die einzigartige Möglichkeit, hörerfreundliche moderne Musik zu entdecken. Dabei konzentriert sich die Auswahl auf weitgehend unbekannte Meisterwerke des 20. Jahrhunderts. Dieser 2 CD-Sampler zur 50-teiligen MoMu-Reihe zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass moderne Musik ebenso schön und spannend sein kann wie moderne Kunst. Diese Woche stellen wir hier neben dem MoMu-Sampler 4 weitere Aufnahmen der MoMu-Reihe vor.

Während die MoMA-Ausstellungsmacher sich überwiegend auf bekannte Namen und Kunstwerke verlassen hat, setzt die MoMu-Serie ihren Schwerpunkt bei den unbekannten Meisterwerken (MoMu - Mehr oder minder unbekannt). Wer nun aber bei Komponistennamen wie Graham Fitkin, Czeslaw Marek oder Heinz Tiessen skeptisch mit den Achseln zuckt, muss die Katze keinesfalls im Sack kaufen. Denn der "MoMu"-Sampler fasst die Glanzlichter der 50-teiligen Reihe auf nur einer preiswerten Doppel-CD zusammen - zum Hineinhören und Überzeugenlassen.

MoMu möchte einerseits Einsteigern den Zugang zur musikalischen Moderne erleichtern und dabei nicht zuletzt auch Freude bereiten, andererseits aber eben auch Kennern auf diesem Gebiet durch echte Entdeckungen angenehm überraschen. Weit über 400 CDs aus den verschiedenen Katalogen von Universal Classics wurden einzeln untersucht (neben Aufnahmen der Deutschen Grammophon und Decca auch Produktionen von KOCH, Argo, Point, Accord sowie ECM New Series). 50 Titel wurden dann schließlich ausgewählt. Nachfolgend werden exemplarisch 4 Aufnahmen vorgestellt. Den vollständigen MoMu-Katalog können sie kostenlos unter info@klassikakzente.de bestellen. Den Sampler gibt es zum Kennenlernpreis inkl. 64-seitigem Katalog im Handel.


Emil Frantisek Burian (1904-1959)
ECM 457 067 2

Zwei Jahre nach seiner Befreiung aus vierjähriger KZ-Haft komponierte der tschechische Freigeist Burian das vierte seiner acht Streichquartette. Musikalisch ist es ein eher retrospektives Werk, das passagenweise an Janácek, Debussy und Skrjabin erinnert. Beim Hören der höchst originellen Musik Burians in dieser hervorragenden ECM-Einspielung vergißt man jedoch alle Schubladen. Hier stimmt einfach jede Note. Alle Details sind fein ausgehört - und werden sensibel und kompetent vom Rosamunde-Quartett aus München zu Gehör gebracht. Mit dem noch spätromantischen Langsamen Satz (1905) von Anton Webern und dem unter die Haut gehenden 8. Streichquartett Dmitri Shostakovichs stellt diese CD zwei weitere Meisterwerke des 20. Jahrhunderts vor.

Eduard Erdmann (1896-1958)
Koch 23 6572 2

Diese CD bietet die Möglichkeit, den heute fast nur noch als Pianisten in Erinnerung gebliebenen Eduard Erdmann als Komponisten wiederzuentdecken. Dies lohnt sich vor allem im Fall von Erdmanns genialer 1. Symphonie (1919/20), die Alban Berg gewidmet ist. Aber auch das etwa 12minütige Rondo für großes Orchester von 1918 ist ein hörenswertes Stück. Der erst 22jährige Komponist hat es seinem Lehrer Heinz Tiessen in Dankbarkeit zugeeignet. In diesem Frühwerk entwickelt Erdmann die Schreibweise Mahlers, Straussens und Tiessens organisch weiter. Die ebenfalls eingespielte 2. Sinfonie (1923/24) erweist sich als ein spannendes Hörabenteuer. Es versetzt uns in die Welt eines romantisch grundierten, freitonalen Expressionismus der 20er Jahre. Diese Platte ist ein Muß für alle, die Komponisten wie Strauss, Mahler oder Berg schätzen.

Graham Fitkin (*1963)
Decca 473 434 2

Dieser englische Komponist, der u. a. bei dem Holländer Louis Andriessen studiert hat, wird auf diesem Doppelalbum mit Werken aus dem Zeitraum 1987 bis 1994 vorgestellt. Fitkin verarbeitet in seinem Stil vorzugsweise und unüberhörbar Einflüsse aus Jazz-, Pop- und Minimal-Musik sowie der neuen Einfachheit etwa eines Howard Skempton (*1947), den man wiederum als britischen Satie unserer Tage bezeichnen könnte. Je nach Gewichtung der genannten stilistischen Anteile können Fitkins Stücke dabei ziemlich unterschiedlich ausfallen. Seine Musik wird auf diesen beiden Decca-CDs vom Komponisten selbst sowie von versierten Neue-Musik-Spezialisten interpretiert: dem sechsköpfigen Klavier-Ensemble Piano Circus, der John Harle Band, dem Delta Saxophone Quartett, den Percussionisten des Ensemble Bash u. a.

Colin McPhee (1901-1964)
Argo 444 560 2

Nachdem Colin McPhee bereits Anfang der 30er Jahre auf Bali die dortige Gamelan-Musik intensiv studiert hatte, gelang ihm 1935 mit seinem Orchesterwerk Tabuh-Tabuhan eine faszinierende Verschmelzung balinesischer und westlicher Traditionen. Durch Stücke wie diese erweist sich der Amerikaner McPhee nicht nur als genialer Vorläufer der Minimal music, sondern auch als Pionier einer sich heute am Horizont abzeichnenden "Weltmusik" (vgl. Hörbeispiel auf Sampler). Die CD stellt mit Lou Harrison (1917-2003) einen weiteren bedeutenden amerikanischen Komponisten vor, der an einer Durchdringung östlicher und westlicher Musiktraditionen arbeitete. Der dritte Komponist dieser CD, Chinary Ung, wurde 1942 in Kambodscha geboren, lebt aber schon seit längerem in den USA. In seinem Orchesterstück Inner Voices von 1985 tastet sich auch Ung an eine ost-westliche Synthese heran. Paradoxerweise arbeitet dieser Komponist dabei in viel stärkerem Maß mit westlichen Gestaltungsmitteln als Harrison oder McPhee.