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24.06.2005

Tödliche Eifersucht

Tödliche Eifersucht

Es könnte so einfach sein, wenn nur die Eifersucht nicht wäre. Sowohl Ruggiero Leoncavallos Bajazzo wie auch Pietro Mascagnis Cavalleria Rusticana handeln von gehörnten Männern, die ihre vermeintliche Schmach nicht ertragen und daher mordend sich an Nebenbuhlern und Frauen rächen. Beide Kurzopern gehören seit ihren Anfänge zusammen und werden in der Regel an einem Abend gespielt. Daher war es auch selbstverständlich, dass sie von Franco Zeffirelli zusammen verfilmt wurden, als Fortsetzung seiner Bühneninszenierungen, die am 21. Januar 1981 an der Mailänder Scala Premiere hatten.

Bei der Cavalleria Rusticana geht es leidenschaftlich und tragisch zu. Da stellt der junge Bauer Turiddu seiner früheren Verlobten Lola nach, die jedoch, so wie er selbst, inzwischen anderweitig verheiratet ist. Die einstige Liebe bricht wieder durch, der Ehemann Alfio allerdings ist alles andere als begeistert von der heimliche Liaison. Wie es in Süditalien so üblich ist, folgt ein Zweikampf um die Ehre, der mit Turiddus Tod endet, was aber letztendlich überall nur gebrochene Herzen hinterlässt. Pietro Mascagni (1863-1945) hatte es geschafft, mit diesem Einakter das Publikum in Rom zu faszinieren. Bald nach der Premiere 1890 landete das Stück in Spielplänen berühmter Opernhäuser, nur sollte es das einzige bleiben, mit dem der Komponist wirklich Erfolg hatte, auch wenn Nachfolger wie "L'Amico Fritz" (1891) durchaus akzeptiert wurden. Jedenfalls zählt auch die Cavalleria zu den Hauptwerken des Verismo und so bietet es sich an, sie gemeinsam mit dem Bajazzo zu präsentieren. Für die Filmversion ließ sich Franco Zeffirelli ein paar besondere Feinheiten einfallen. Er nahm nicht nur Sequenzen aus der Mailänder Scala vor die Kamera, sondern fuhr mit seinem Team extra nach Süditalien in das Dorf Vizzini, um die pittoreske Atmosphäre des originalen Ambiente einzufangen. Das verleiht seiner Filmversion nicht nur die Aura der Authentizität, sondern macht es auch möglich, in der Oper nur am Rande gezeigte Szenen wie etwa den Zweikampf zwischen Turiddu und Alfio mit in das optische Geschehen zu integrieren. So entsteht eine Interpretation zwischen Fiktionalität und Theatralik, die dem Einakter zusätzliches Tempo und reizvolles Kolorit verleiht.

Ähnlich geschickt agiert Zeffirelli bei der Umsetzung des Bajazzos vor der Kamera. Bereits Ruggiero Leoncavallo (1857-1919) konnte 1892 mit dem Zweiakter einen sensationellen Erfolg feiern. Die Geschichte um den tragisch eifersüchtigen Wanderkomödianten Canio, der vor versammeltem Publikum seine Frau und deren Freund ersticht, packte zunächst das Mailänder Premierenpublikum und bald darauf auch den Rest der Opernwelt bei der Sensationslust. Allerdings blieb es ähnlich wie bei Mascagni das einzige wirklich erfolgreiche Bühnenwerk des Komponisten. Was auch immer er im Anschluss daran versuchte, wurde missachtet oder am Bajazzo gemessen. Und so schätzt ihn die Historie inzwischen als einen der Väter des Verismo, auch wenn er selbst enttäuscht von der Musikwelt von dannen ging. Zeffirelli wiederum stellte ihn in eine andere Tradition. Er übertrug die Geschichte in die Zeit zwischen den Weltkriegen und schuf auf diese Weise eine behutsam elektrifizierte dörfliche Atmosphäre an der Schwelle zur Gegenwart, die an "La Strada" zum einen, aber auch an "Cabaret" erinnert. Wie schon in der Cavalleria mischt er Bühne und Film und kann außerdem auf ausgezeichnete Sänger/Schauspieler zurückgreifen. Placido Domingo mimt überzeugend den gealterten Theaterchef Canio, so wie er auch den unglücklich untreuen Turiddu eindrucksvoll darstellte. Für die tragische Nedda hatte Zeffirelli mit Teresa Stratas eine außergewöhnliche Akteurin vor der Kamera, die ihre Rolle bis hin in die Nuancen der Mimik faszinierend verkörpert. So ist das Doppelpack von Cavalleria Rusticana und dem Bajazzo auf einer DVD ein frisches und telegenes Opernerlebnis, das noch dazu durch den hervorragenden Klang in wahlweise PCM Stereo oder DTS 5.1 Surround den Zuschauern in eine magische Welt filmisch ergänzter Musik entführt.