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13.05.2005

Lob der Treue

Lob der Treue

Es ist eher selten, dass eine Oper, die von Intrigen, Rache und Verschwörungen erzählt, am Ende gut ausgeht. Georg Friedrich Händel ist im Fall von Rodelinda seinem Librettisten Antonio Salvi gefolgt und hat die Geschichte um den König der Langobarden und seine treue Gattin trotz aller Ränke, die geschmiedet werden, einem Happy-End zugeführt. Mag sein, dass das einer der Gründe für das andauernde Interesse internationaler Opernbühnen an diesem Stück ist. Mit Sicherheit aber liegt es auch an der eleganten Schönheit der Musik, die Rodelinda zu einem der bekanntesten Bühnenwerke Händels hat werden lassen.

Für die in Venedig lebende Krimi-Autorin Donna Leon, die im Booklet von Rodelinda sich mit den Facetten der Handlung dieses aufwändigen Melodrams beschäftigt, ist es auffällig, dass die Gattenliebe eher zu den seltenen Stoffen der Librettokunst gehört: "Wenn man die verschiedenen Libretti durchblättert, um ein Beispiel einer glücklichen, erfüllten und treuen Ehe zu finden, wird man nicht selten bei Händel fündig. Da gibt es etwa Cornelia, die lieber sterben will, als treulos zu sein, obwohl ihr Gatte Pompejus bei Beginn der Oper schon tot ist. Und auch Rodelinda hält einem Gatten die Treue, den sie für tot hält. Mit einer Fülle herrlicher Arien gehört Rodelinda sicher zu Händels schönsten Sopranpartien. Das Gefühlsspektrum der Figur ist vielleicht nicht so breit wie das Alcinas oder Kleopatras, aber es hat Tiefe, denn Rodelinda bleibt dem Gedächtnis ihres Gemahls treu, 'standhaft wie ein Felsen', um es mit Fiordiligis Worten aus Cosi fan tutte zu sagen, und lässt sich von Drohungen gegen sie selbst und ihren einzigen Sohn nicht beirren". Und die sind durchaus existenziell, wenn etwa ihr Mann, der verschollene und zurückgekehrte König der Langobarden Bertarido im Kerker auf seine Hinrichtung warten muss und nur durch gemeinschaftliche Hilfe seiner Getreuen entkommen kann. Oder wenn Rodelinda dem umtriebigen Giromaldo, um ihn zu testen, erklärt, dass sie ihn nur heiraten würde, wenn er ihren Sohn vor ihren Augen ermorde.

Solche grausamen Details sind allerdings nur die Zuspitzungen des dramatischen Geschehens der Oper, die im Ganzen von ergreifenden lyrischen und emotionalen vielschichtigen Passagen bestimmt wird. Deshalb ist Rodelinda noch immer eine Herausforderung für Regisseure und Dirigenten, aus dem komplexen Material eine stimmige und berauschende Interpretation zu machen. Alan Curtis gehört seit den sechziger Jahren zu den frühen Spezialisten der historischen Aufführungspraxis, hat als Dirigent, Dozent und Musikwissenschaftler zahlreiche Barockopern wieder in das Gedächtnis der Hörer gebracht und auch als Kopf des von ihm 1992 gegründeten Kammerorchesters 'Il Complesso Barocco' besonderen Wert darauf gelegt, den atmosphärischen Reiz der Musik zu erhalten. Sein Team setzt nicht auf bekannte Namen, sondern stellt junge Solisten in den Mittelpunkt, die gerade auf dem Sprung zur internationalen Karriere stehen. Die Titelrolle etwa singt die Leipziger Sopranistin Simone Kermes, die Altisten-Rolle ihres Ehemannes Bertarido übernimmt Marijana Mijanovic aus Valjevo im früheren Jugoslawien. Der umtriebige Thronanwärter Grimoaldo wird von dem australischen Tenor Steve Davislim übernommen, Bertaridos Schwester Eduige singt die Mailänderin Sonia Prina, den Intriganten Garibaldo mimt ihr Landsmann Vito Priante und den treuen Gefolgsmann Unolfo die Kanadierin Marie-Nicole Lemieux. So setzt sich ein ausgezeichnetes Ensemble unter erfahrener Leitung zusammen, das die juvenile Frische mit der Kunst der historisch korrekten Interpretation vermengt und auf diese Weise Händels Oper mit einer Kraft erstrahlen lässt, der man das beinahe dreihundertjährige Alter nur unter positiven Vorzeichen anhört.