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29.04.2005

Der Meister

Der Meister

Dietrich Fischer-Dieskau wird 80. Am 28. Mai feiert der bedeutendste deutsche Sänger der Nachkriegszeit seinen Geburtstag und die Deutsche Grammophon gratuliert ihm mit einer Serie von Wiederveröffentlichungen, die einen wichtigen Ausschnitt aus seinem reichhaltigen Künstlerleben dokumentieren. Und als kleine Sensation erscheint auch eine Neuaufnahme, mit der sich Fischer-Dieskau den Melodramen der neueren Liedkultur widmet.

Dietrich Fischer-Dieskau wurde in eine schwierige Zeit geboren. Seine Kindheit erlebt er im von Krisen geschüttelten Berlin der Weimarer Republik, die Jugend fällt in die Zeit der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Trotzdem schärft der Junge sein Ohr für die Kunst und lässt seine Stimme zunächst von Georg A. Walter ausbilden. 1942 wechselt er zu Hermann Weißenborn an die Berliner Musikakademie, kann aber nicht verhindern, dass er eingezogen und an die Front geschickt wird. Seine ersten Konzerte gibt er daher in einem amerikanischen Gefangenenlager in Italien. Schließlich aber nimmt er 1947 sein Studium bei Weißenborn wieder auf und von da an kann sich sein künstlerischer Lebensweg weniger kurvenreich gestalten. Fischer-Dieskau singt zunächst für den Berliner Rundfunk, wird aber bereits im folgenden Jahr als 1. Bariton an die Berliner Oper engagiert und debütiert daraufhin als Posa in Verdis "Don Carlos" auf der Bühne. Schnell spricht sich herum, dass hier ein neues und erstaunliches Talent auf dem Plan erschienen ist und so werden Fischer-Dieskau weitere wichtige Auftritte möglich gemacht. So singt er beispielsweise 1951 bei den Salzburger Festspielen Mahler an der Seite von Wilhelm Furtwängler, reist kurz darauf zum ersten Mal in die USA und erfährt den Ritterschlag der hochkulturellen Anerkennung, als er 1954 den Wolfram im "Tannhäuser" in Bayreuth darstellt. Von 1957 an schließlich wird er in Wien an die Staatsoper verpflichtet.

Doch die Oper sollte nicht sein einziges Betätigungsfeld bleiben. Denn gleichzeitig zu seiner Karriere auf den Singspielbühnen stellte Fischer-Dieskau seine Fähigkeit als Liedinterpret unter Beweis und entwickelte sich gar zu einem der wichtigsten Interpreten dieses Fachs überhaupt. Bis Mitte der achtziger Jahre hat er rund 3000 Lieder von etwa 100 Komponisten aufgenommen und wesentlich dazu beigetragen, dass das Kunstlied seinen bedeutenden Platz in Bewusstsein der Hörer behielt. Im Jahr 1992 schließlich beschloss er, sich von der Bühne zurückzuziehen. Um so erfreulicher ist es, dass er sich nicht völlig aus dem kulturellen Leben entfernte, sondern mit Aufnahmen wie den Melodramen noch einmal auf sich aufmerksam macht. Es ist eine Zusammenstellung von zwei Liedzyklen und einigen einzelnen Ergänzungen, die er gemeinsam mit Burkhard Kehring am Klavier interpretiert. Dabei stehen sich Richard Strauss' "Enoch Arden, op. 38" und Viktor Ullmanns "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" als umfassende Werke gegenüber, denen die drei Schumannlieder "Schön Hedwig op.105", "Vom Heideknaben op.112/1", "Die Flüchtlinge op.122/2" und beiden Gedichtvertonungen "Der traurige Mönch" und "Lenore" aus der Feder von Franz Liszt zur Seite gestellt werden. Einmal mehr wird damit klar, welche immense Bedeutung und Ausstrahlungskraft Fischer-Dieskau auf die klassische Szene hat. Und das er der Meister seines Fachs ist, an dem sich bis heute die nachfolgenden Sänger orientieren.