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22.04.2005

Verissimo!

Verissimo!

Auch wenn Ruggiero Leoncavallo und Pietro Mascagni sonst sehr unterschiedlich gewesen sein mögen, teilten sie in einer Hinsicht doch ein Schicksal. Denn beiden Komponisten gelang es nicht, über den Erfolg eines einzelnen Werkes hinaus berühmt zu werden. Leoncavallo ist bis heute mit dem Bajazzo verbunden und Mascagni bleibt der Urheber der Cavalleria Rusticana. Warum diese beiden Werke so prägend wurden, zeigt der Querschnitt durch die schönsten Melodien der beiden Opern, der in der historischen Reihe Klassik unter Sternen im beliebten optischen Gewand der Originalausgabe mit Sandór Konja als Solisten wieder ediert wurde.

Ruggiero Leoncavallo (1857-1919) versuchte in mehreren Anläufen, es mit den berühmten Zeitgenossen der italienischen Oper aufzunehmen. Geboren in Neapel, ausgebildet am dortigen Konservatorium, studierte er neben der Musik auch Literatur, was ihn nach Bologna führte. Ein Zusammentreffen mit Richard Wagner hinterließ einen tiefen Eindruck bei dem jungen Komponisten, der zunächst als Librettist mehr Erfolg hatte als mit seinen Bühnenschöpfungen. Zu Beginn der 1880er Jahre landete er zunächst in Ägypten, wo er Militärkapellen leitete, versuchte aber weiterhin sein Glück als Opernkomponist und konnte 1892 mit dem Zweiakter "I Pagliacci" ("Der Bajazzo") einen sensationellen Erfolg feiern. Die Geschichte um den liebestollen Dorfkomödianten Canio, der vor versammeltem Publikum seine Frau und deren Freund ersticht, packte zunächst das Mailänder Premierenpublikum und bald darauf auch den Rest der Opernwelt bei der Sensationslust. Allerdings blieb es das einzige wirklich erfolgreiche Bühnenwerk des Komponisten. Was auch immer er im Anschluss daran versuchte, wurde missachtet oder am Bajazzo gemessen. Und so schätzt ihn die Historie inzwischen als einen der Väter des Verismo, auch wenn er selbst enttäuscht von der Musikwelt von dannen ging.

Leidenschaftlich und blutdurchtränkt geht es auch in der Cavalleria Rusticana zu. Da stellt der junge Bauer Turiddu seiner früheren Verlobten Lola nach, die jedoch, so wie er selbst, inzwischen anderweitig verheiratet ist. Die einstige Liebe bricht wieder durch, der Ehemann Alfio allerdings ist alles andere als begeistert von der heimliche Liaison. Wie es in Süditalien so üblich ist, folgt ein Zweikampf um die Ehre, der mit Turiddus Tod endet, was aber letztendlich überall nur gebrochene Herzen hinterlässt. Pietro Mascagni (1863-1945) hatte es geschafft, mit diesem Einakter das Publikum in Rom zu faszinieren. Bald nach der Premiere 1890 landete das Stück in Spielplänen berühmter Opernhäuser, nur sollte es das einzige bleiben, mit dem der Komponist wirklich Erfolg hatte, auch wenn Nachfolger wie "L'Amico Fritz" (1891) durchaus akzeptiert wurden. Jedenfalls zählt auch die Cavalleria zu den Hauptwerken des Verismo und so bietet es sich an, sie gemeinsam mit dem Bajazzo zu präsentieren. Die Zusammenstellung der Polydor erschien zum ersten Mal 1961 und stellte damals einen Tenor vor, der auf dem Pfad ganz nach oben war. Der Ungar Sándor Kónya hatte sich seit seinem Debüt 1951 in Bielefeld in die Herzen des Deutschen Publikums gesungen und daher lag es nahe, die beiden Opernquerschnitte mit ihm in den Hauptrollen zu besetzen. An seiner Seite fanden sich renommierte Kollegen wie der Bariton Eberhard Waechter und das ausgezeichnete Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Franz Maszalek ein, mit deren Hilfe im März 1961 die Einspielungen gelangen, die lange Zeit zu den beliebtesten ihrer Art gehörten und nun in der Reissue-Reihe Klassik unter Sternen wieder greifbar gemacht wird.