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15.04.2005

Immer nur lächeln!

Immer nur lächeln!

Noch heute ist China vielen ein Rätsel. Denn dieses gewaltige Land funktioniert nach Regeln, die Außenstehenden des westlichen Kulturraumes zumeist verborgen bleiben. Das war während der frühen Dekaden des vergangenen Jahrhunderts nicht anders. China galt als märchenhaftes Reich der Mitte und es inspirierte die nach Exotismus lechzenden Europäer zu phantastischen Geschichten. Franz Léhar zum Beispiel komponierte in den 1920ern eine seiner berühmtesten Operetten Das Land des Lächelns und entführte darin seine Hörer in einen aristokratischen Traumraum zwischen Wien und Peking, der die Menschen faszinierte.

Rund zwei Jahrzehnte nach der Uraufführung nahm der WDR das Werk mit Peter Anders in der Prinzenrolle und Anneliese Rothenberger als geliebte Lisa auf - ein Dokument, das nun in der Reihe Klassik unter Sternen als CD erhältlich ist.

Franz Léhar (1870-1948) stammte aus Ungarn. Sein Vater war Militärkapellmeister und so wundert es wenig, dass der junge Mann ebenfalls diese Laufbahn einschlagen wollte, nachdem er sein eigenes musikalisches Talent entdeckt hatte. Doch es sollte anders kommen. Im Jahr 1896 brachte das Leipziger Stadttheater seine erste Oper "Kukuschka" heraus, mit ansehnlichem Erfolg. Léhar beschloss daraufhin, es als Komponist zu versuchen, allerdings im Unterhaltungsfach der Operette. Er schrieb zunächst "Der Göttergatte", dann "Die Juxheirat" und wurde 1905 nach der Uraufführung von "Die lustige Witwe" international bekannt. Selbst ein Fan von Puccini und Richard Strauss, wurde er zur Kapazität der Singspielbühne, schrieb bis zu seinem 55.Lebensjahr die Partituren für 25 Operetten und hatte mit Werken wie "Der Graf von Luxemburg" und "Der Zarewitsch" weiterhin Erfolg. Seine nach der "Lustigen Witwe" beliebteste Komposition blieb dabei Das Land des Lächelns. Es wurde am 10. Oktober 1929 in Berlin uraufgeführt und gehört zu den letzten großen Bühnenwerken, die Léhar verwirklichte. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen begann die eigene Schaffenskraft, langsam zu ermüden. Darüber hinaus orientierte sich das Publikum neu, nachdem mit Kino und Film ein spannendes, junges Medium der Markt eroberte.

Die Geschichte das Landes des Lächelns ist schnell erzählt. Lisa, Tochter des Grafen Ferdinand Lichtenfels, wird vom Prinzen Sou-Chong umworben. Fasziniert von der Fremdartigkeit und Noblesse seiner Erscheinung, folgt sie ihm nach China. Dort allerdings wird sie mit den Strukturen einer nach eigenen Gesetzen funktionierenden Gesellschaft konfrontiert, in die sie sich nicht dauerhaft einfinden kann. So gibt es am Ende zwar die große Liebe, aber nicht die Versöhnung der Kulturen, die eine grenzenlose Freiheit der Liebenden ermöglichen würde. Zwischen diesen Handlungssträngen bleibt viel Raum für charmante und großartige Melodien, die wie "Immer nur lächeln" und "Dein ist mein ganzes Herz" bald den Weg über die eigentliche Operette hinaus in die Herzen der Menschen fanden. Ein Prinz, der dabei besonders charmant seine Hörer verzauberte, war Peter Anders. Zur Zeit der Aufnahme 1950 befand er sich gerade auf dem Weg an die Spitze der nachkriegsdeutschen Bühnenpopularität und war zum ersten Mal zusammen mit Anneliese Rothenberger auf einem Album vereint worden, das mit Klang- und Sprechpassagen das umfangreiche Werk für das damals neue Tonträgermedium Langspielplatte festhielt. Es sollte die einzige gemeinsame Einspielung werden, denn im September 1954 verunglückte Anders tödlich bei einem Autounfall. Schon deshalb ist diese nun im Rahmen der Serie Klassik unter Sternen wieder zugängliche Produktion aus den Archiven des Westdeutschen Rundfunks ein musikalisches Juwel. Es präsentiert nicht nur einen der Höhepunkte aus Léhars Operetten-Fundus, sondern eine Stimme, die noch viel Furore hätte machen können.