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25.02.2005

La Prudentissima

La Prudentissima

Mirella Frenis Stimme ist ein Phänomen. Als lyrischer, in späteren Jahren auch dramatischer Sopran hat sie die Klangvorstellung ihres Fachs in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entscheidend geprägt. Voller Kraft und Wärme war sie immer darauf bedacht, die Maximen des italienischen Gesangs einzuhalten. Das brachte ihr den Beinamen "la prudentissima" ein und natürlich viel, viel Lob von allen Seiten der Opernwelt. Am 27. Februar nun feiert die Diva, die immer nahbar blieb, ihren 70. Geburtstag. Die Decca nimmt das zum Anlass, ihr mit einer Zusammenstellung ausgesuchter Höhepunkte der Karriere zu gratulieren.

Mirella Freni stammt aus Modena und war die Tochter einer einfachen Arbeiterfamilie, allerdings mit musikalischer Seitenlinie, denn ihre Großtante hatte als Sopranistin einige Erfolge feiern können. So blieb es nicht aus, dass sie mit der klassischen, in Italien liebevoll gepflegten Operntradition in Berührung kam. Die ersten Unterrichtsstunden erhielt sie von ihrem Onkel, der sie aber bald an Luigi Bertazzoni empfahl. Da das Mädel unüberhörbar Talent und noch dazu Spaß an der Sache hatte, entwickelte sie schnell eine ausgebildete Stimme und sang bereits als Zehnjährige die große Arie "Sempre Libera" aus "La Traviata" öffentlich bei einem Konzert, begleitet vom erst elfjährigen Leone Magiera am Klavier. Als junges Mädel studierte sie in Bologna und bei Ettore Campogalliani in Mantua und wagte sich 1955 als Micaela in Bizets "Carmen" zum Operndebüt auf die Bühne in ihrer Heimatstadt. Nach einer kurzen Mutterschaftspause gelang ihr zwei Jahre später schließlich der Durchbruch, als sie den Viotti-Wettbewerb in Vercelli gewann. Von da an waren sie und ihr ebenfalls aus Modena stammender Kollege Luciano Pavarotti, mit dem sie viele Partien gemeinsam sang, die großen Aufsteiger der italienischen Opernszene.

Freni wurde zum Star. Die Niederländische Oper wollte sie als Zerlina haben ("Don Giovanni", Mozart, 1960), in Glyndebourne glänzte sie gleich in zwei Rollen, der Susanne aus "Le nozze di Figaro" und der Adina in "L'elesir d'amore" (1962), nachdem sie bereits in Covent Garden als Ännchen in Verdis "Falstaff" (1961) aufgefallen war. In diese Zeit fallen auch die ersten Kontakte mit Herbert von Karajan, der sie bald als eine seiner bevorzugten Sopranstimmen unter die Fittiche nehmen sollte. Als Mimi ("La Bohème") debütierte sie 1965 an der Met, bald darauf wagte sie sich wie in Salzburg 1966 auch an dramatische Rollen (Desdemona, "Othello"), obwohl der Wechsel des Fachs durchaus Probleme hätte machen können. Doch ihre Stimme überstand die Veränderungen mühelos und so galt sie über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg als die wichtigste Interpretin ihrer Gattung. Sogar 1996, als sie mit 61 Jahren in Turin zum hundertjährigen Jubiläum von Puccinis "La Bohème" abermals in die Rolle der Mimi schlüpfte, wirke sie noch derart frech und überzeugend, dass manche jüngere Kollegin von Neid erblasste.

Und so ist die Zusammenstellung A Celebration tatsächlich ein Grund zum Feiern. Denn die Aufnahmen aus den Jahren 1964 bis 1989 repräsentieren großartige Momente der italienischen Oper, die Mirella Freni an der Seite zahlreicher berühmter Zeitgenossen prägte. An den Pulten kann man Koryphäen wie Karajan, Giuseppe Sinopoli, Riccardo Chailly, James Levine, Claudio Abbado oder Sir George Solti erleben. Luciano Pavarotti himmelt sie als Cavaradossi in Puccinis "Tosca" an oder kontert ihr als Pinkerton in "Madame Butterfly". Das Repertoire reicht von Puccini, Verdi und Leoncavallo bis hin zu Tschaikowskys "Eugene Onegin", wo man Freni in ihrer zweiten musikalischen Lieblingssprache, dem Russischen, erleben kann. So ist A Celebration nicht nur ein ausgesucht gelungenes Präsent, sondern ein eindrucksvoller Querschnitt durch die Glanzjahre einer Sängerin, die vielen Menschen zu unvergesslichen Hörerlebnissen verholfen hat.