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11.02.2005
Esa-Pekka Salonen

Heimatgefühle

Esa-Pekka Salonen, Heimatgefühle

Finnen sind gut für Überraschungen. Nun ist Esa-Pekka Salonen in der Orchesterwelt schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Trotzdem hat man den Dirigenten bislang weniger als Komponisten, denn als nachdenklich nachdrücklichen Pultvirtuosen wahrgenommen. Das ist aber nur ein kleiner Teil seines künstlerischen Talents. Und deshalb widmet sich Wing On Wing dem Tondichter Salonen, mit drei Welterstaufnahmen unter anderem des Werkes, mit dem in Los Angeles die Walt Disney Concert Hall eröffnet wurde.

Genau zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Esa-Pekka Salonen (*1958) zum ersten Mal die Philharmoniker von Los Angeles dirigierte. Damals begann für den jungen Mann aus Helsinki, der gerade mal fünf Jahre sein Dirigierdiplom der Sibelius Akademie in den Händen hielt, eine produktive Zusammenarbeit mit einem ausgezeichneten Orchester, die von Anfang an auf gegenseitiger Sympathie basierte. Das hing zum einen mit der musikalischen Kompetenz des Newcomer zusammen, zum anderen aber auch mit seiner Vorstellung einer Ensembles, die auf Nachhaltigkeit basierte: "Meine Generation interessiert sich mehr dafür, Sachen aufzubauen, als einer Karriere nachzulaufen. Wir wollen eine Art Musikbürger werden, durch Aufbau und Pflege eines Orchesters, durch Aufbau eines Festivals, durch Investitionen in die Erziehung. So etwas ist weitaus wichtiger als um die Welt zu reisen, von einem schillernden Gast-Dirigenten-Auftritt zum nächsten". Die Ernsthaftigkeit Salonens bleib auch den Verantwortlichen des Orchesters nicht verborgen und so konnte er über 13 Jahre hinweg als Direktor der Los Angeles Philharmonic dafür sorgen, dass die Kontinuität der künstlerischen Qualität gewährleistet war.

 

Das begann mit einem Grammy, den er gemeinsam mit dem Orchester für die 1986 entstandene Aufnahme von Lutoslawskis dritter Symphonie überreicht bekam und gipfelte in spektakulären Ereignissen wie der Eröffnung der lang erwarteten Walt Disney Concert Hall im Oktober 2003, für die er eigens mit der Kreation eines passenden Werkes beauftragt worden war. "Wing On Wing" jedenfalls wurde ein großer gefeierter Erfolg, denn die knapp halbstündige Orchesterfantasie mit Sopranstimme passte perfekt sowohl in den Rahmen des neuen Konzerthauses als auch der filmmusikalisch dramatischen Tradition, die mit den Werken des Namensgebers des Gebäudes zusammen hing.

Im selben Jahr machte Salonen noch einen weiteren wichtigen Schritt nach vorne. Er unterschrieb einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon, die sich verpflichtete, seine Werke und Dirigate entsprechend zu featuren. Den ersten Auftritt unter dem neuen Signum hatte er 2004 zusammen mit der Pianistin Hélène Grimaud, deren hochgelobtes Album Credo er für die Orchesterpassagen betreute. Mit Wing On Wing nun präsentiert er sich als Interpret seiner eigenen Werke, allerdings nicht mit den Kollegen aus Los Angeles, sondern mit dem Finish Radio Symphony Orchestra: "Ich bin wirklich begeistert von den Kraft und der Freude, die mir meine Wahlheimat Los Angeles vermittelt. Und trotzdem fühle ich mich machmal ein wenig fremd, wie ein schüchterner Nordländer am falschen Ort zwischen all den extrovertierten und selbstbewussten Kaliforniern. Diese Polarität kann stellenweise durchaus inspirierend sein, auch wenn ich mir in den schlimmsten Momenten wie ein mittelalter Tonio Kröger vorkomme, dieser von Thomas Mann gestaltete Charakter, der sein nördliches Deutschland für die Schönheit und Wärme Italiens verlässt, um dann schließlich doch wieder in den Norden Zurück zu kehren".

 

Und aus diesem Grund hat Salonen für die Einspielung seiner eigenen Werke auch ein Orchester seiner Heimat gewählt, um sich mit seinen Gefühlen vollständig daheim zu fühlen. Gemeinsam mit dem Finish Radio Symphony Orchestra stellte er sich im September vergangenen Jahres in Helsinki den Mikrofonen und nahm neben "Wing On Wing" auch die beiden Ensemblewerke "Foreign Bodies" (2001) und "Insomnia" (2002) auf. So entstand ein rundum ausgewogenes Selbstportrait eines emphatischen, im Kern spätromantischen Komponisten, der zu den profiliertesten Klangkünstlern seiner Generation gehört.