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07.01.2005
Lorin Maazel

Der Startschuss

Lorin Maazel, Der Startschuss © Decca/Sasha Gusov Lorin Maazel

Natürlich gab es einen Grund zum Feiern, wie jedes Jahr, wenn mit den Melodien der Strauß-Familie in den Januar geleitet wird. Diesmal aber war da auch ein Moment des Gedenkens, denn die Meldungen aus den Katastrophengebieten in Indonesien dämpften die Stimmung weltweit und stimmten auch das Publikum in Wien und an den Fernsehern nachdenklich. Lorin Maazel, der das renommierte Konzertereignis leitete, reagierte jedenfalls darauf, indem er den überschwänglichen "Radetzky-Marsch", der üblicherweise das die Walzerriege beschließt, aus dem Programm nahm.

Die Tradition des Neujahrskonzertes reicht weit zurück, genau genommen bis 1873, als der Walzerkönig Johann Strauß persönlich die Wiener Philharmoniker dirigierte. Damals wurde ein Liaison zwischen Unterhaltung und Anspruch geschlossen, die seitdem kontinuierlich fortgesetzt wurde. Zunächst waren es Arthur Nickisch und Felix von Weingarten, die in unregelmäßigen Abständen immer wieder Werke des beliebten Wiener Komponisten und seines Kreises anstimmten. Im Jahr 1939 schließlich dirigierte der Richard Strauss-Spezialist Clemens Krauss zum ersten Mal ein Programm mit Kompositionen des anderen Strauß am Silvesterabend. Dieses Ereignis gilt bis heute als der inoffizielle Start der Neujahrskonzerte. Wer es ganz genau nimmt, kann auch den 1.Januar 1941 als Anfangsdatum ansetzen, als die Veranstaltung erstmals am Neujahrstag über die Bühne ging. Fest steht außerdem, dass beide Ereignisse auch die Fortsetzung einer 1929 in Salzburg ins Leben gerufenen Tradition darstellten, mit der Clemens Krauss den Walzerkönig ehrte. Und sie bedeuteten etwa in düsteren Jahren, als die nationalsozialistische Ideologie Europa überrannte, ein subtiles Bekenntnis zu Österreich als Hort einer eigenständigen Kulturwelt, die sich als unabhängig vom finsteren Gedankengut der anderen verstand. Strauß jedenfalls war damals schon ein Zeichen, ein Verweis auf die Zukunft durch die Kraft der Vergangenheit.

Und so ist es bis heute geblieben. Am Pult des Neujahrskonzerts stand diesmal Lorin Maazel, ein erfahrener Maestro des Geschäfts, der vor 25 Jahren zum ersten Mal eingeladen worden war, das musikalische Spektakel zu leiten. Seitdem hat er ihm mehrfach seine individuelle Note gegeben und besondere Schwerpunkte gesetzt. Diesmal brachte Maazel fünf Werke der Strauß-Familie und ihres Kreises mit, die bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal erklungen sind: den "Indigo-Marsch" und die "Haute-Volée-Polka" von Johann Strauß, den Walzer "Lustschwärmer" und die Polka "Winterlust" von Joseph Strauß, schließlich die Polka française "Auf Wiener Art" von Josef Hellmesberger. Außerdem gab es Ballett-Intermezzi mit Choreographien zu sehen, die Vladimir Malakov mit dem Rising Star der Szene Polina Semionova erarbeitet hatte. Das Konzert wurde von der Deutschen Grammophon in Kooperation mit dem ORF (Österreichischer Rundfunk und Fernsehen) aufgezeichnet und wird am 10. Januar, also nur eine gute Woche nach dem Verklingen der letzten Töne im Saal des Musikvereins, bereits als CD erhältlich sein. Die DVD dazu erscheint am 17.Januar. Schließt es an den Erfolg vergangener Jahre an, als das Neujahrskonzert etwa unter Nikolaus Harnoncourt binnen weniger Wochen rund 90.000 Exemplare verkaufte oder es unter Muti bis auf Platz sieben der Klassik-Jahres-Charts schaffte und von mehr als 50 Millionen Zuschauern weltweit gesehen wurde, dann dürfte auch diese Ausgabe des internationalen Kulturereignisses ein rekordverdächtiger Start in die Klassik-Saison 2005 sei.